Graz: Steve McCurry zu Gast im Rathaus

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Graz

16 Aug 13:00 2021 von Redaktion Salzburg Print This Article

Lucia (4) erfreute sich an den süßen Miniküchlein, die so hübsch in der Mitte des langen dunklen Holztisches drapiert waren. Der dunkle Lockenkopf kostete zuerst die Schokolade-, dann die Edbeervariante. Gleich mit den Fingerchen, ohne Gabel, weil es so einfach schneller geht. Dazu nahm sie einen großen Schluck vom frisch gepressten Orangensaft. Papa Steve McCurry lächelte sanft, Mama Andie fürchtete ein aufziehendes "Magengewitter". Selten und deshalb umso erfreulicher, dass bei einer Goldenen-Buch-Eintragung so rasch und herzhaft nach den Süßigkeiten gelangt wird.

Aber das Geschenk des Grazer Bürgermeisters lenkte Lucia sogleich von den Sweeties ab. Siegfried Nagl überreichte der Tochter des US-amerikanischen Starfotografen ein Cartoon-Graz-Buch und Lego. Kein Wunder, dass sie für den Rest des Besuchs im Rathaus in einem Eck des Bürgermeister-Büros verschwand und selbst Papas Eintragung kaum noch Aufmerksamkeit schenkte.

In der Zwischenzeit erzählte der 1950 in einem Vorort Philadelphia geborene Fotokünstler von seinen Eindrücken betreffend der aktuellen Situation in Afganhistan. In diesem Land hatte er ebenso viel fotografiert wie in Indien und Pakistan. Seine Menschenbilder aus dieser Schaffensperiode sind farbintensiv, ausdrucksstark, ziehen die Betrachterin, den Betrachter förmlich in ihren Bann: "Ich interessiere mich für Menschen, dafür, wie verschieden sie sind, aber auch, wie gleich sie sind. Wir kleiden uns unterschiedlich, sprechen verschiedene Sprachen und haben vielleicht eine andere Religion. Im Grunde sind wir eine Menschheit, eine Einheit. Dieser Unterschied fasziniert mich wirklich."

Gemeinsam mit dem Grazer Fotografen Christian Jungwirth war Steve McCurry aus Venedig angereist, wo er Workshops besuchte. Der Italien-Fan hatte in letzter Zeit über den Stiefel verteilt 40 Ausstellungen laufen. Parallel zu jener imposanten Schau in Graz, sind derzeit noch in Zürich und Antwerpen Bilder des Amerikaners zu sehen.

Die Graz-Ausstellung markiert für McCurry aber einen Meilenstein. Noch nie war er so fasziniert von der Präsentation seiner Werk wie in der Grazer Messehalle. Dabei hatte das Team bestehend aus vier Leuten gerade einmal vier Monate dafür Zeit: "Das ist nichts. Wir haben täglich bis zu 16 Stunden durchgearbeitet. Die Rechnung ging auf", blickt Birgit Enge, die Lebensgefährtin und rechte Hand von Jungwirth erleichtert zurück. Gerade wurde die Verlängerung der Ausstellung bis 4. Oktober fixiert. Für die Zeit danach denkt man an eine Wanderausstellung: "Steve hat praktisch schon zugestimmt, nur seine Unterschrift fehlt uns noch", lächelt Enge.

Bürgermeister Nagl freute sich sehr über den berühmten Gast und wollte von ihm wissen, was ihn beim Fotografieren antreibt, welche Rolle die Politik dabei spielt. "Natürlich ist auch politische Motivation dabei. Was mich aber wirklich fasziniert, das sind eben die Menschen und ihre Diversität."

Österreich ist McCurry übrigens durchaus verbunden. Heimische Foto-Größen wie Inge Morath oder Ernst Haas zählten zu seinem Freundeskreis, lieferten Inspirationen. Sein größtes Vorbild zu Beginn seiner Fotografenkarriere war der damals bedeutenste dieser Branche: der Franzose Henri Cartier-Bresson.

Für McCurry war der Graz-Besuch übrigens sein dritter in der Alpenrepublik seit 1969. Generell ist der rennommierte Fotograf ein Vielreisender, die Coronapandemie verschaffte ihm aber mehr Zeit für die Familie: "Ich nehme meine Frau und meine Tochter wann immer es geht mit", erzählt er. Die Zwangspause, die Corona auch ihm aufzwang, war aber für das Team von Christian Jungwirth die Chance gewesen, endlich den Zuschlag für die Graz-Ausstellung zu bekommen: "Wir haben es oft probiert, aber Steve reist so viel herum, ist ständig in anderen Zeitzonen, es schien unmöglich", freuen sich Jungwirth und Enge nun umso mehr, dass es doch geklappt hat. Die beiden Jungwirth und McCurry kennen sich übrigens seit zehn Jahren.

Bevor Familie McCurry Graz heute Richtung Wien wieder verlässt, reklamiert Lucie einen weiteren Zwischenstopp an der großen Sandkiste, die sich derzeit vor dem Rathaus befindet, in den Tagesplan ihres Papas hinein. Ihre Mama schmunzelt: "Sie ist ganz begeistert davon. Sie möchte gar nicht mehr weg."



Quelle: Stadt Graz



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