Tirol: Karwendel - Schutz wertvoller Moorflächen weiter im Fokus
Naturschutzlandesrat René Zumtobel freut sich über das große Engagement im Moorschutz in Tirol.
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Moore sind einzigartige Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Im Bild: Torfmoose im Karwendel im Herbst
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Das Brettersbergmoor im Karwendel
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Raberskopfmoor
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Durch den Einbau von Spundwänden können Moore wiedervernässt werden.
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Seit 2002 bereits zehn Standorte durch gezielte Maßnahmen geschützt
- Gemeinsame Projekte von Land Tirol, Naturpark Karwendel und Österreichischen Bundesforsten
- Managementplan für das nächste Jahrzehnt wird ausgearbeitet
Der Schutz, die Wiederherstellung und die ökologische Verbesserung von Mooren stehen auf der Naturschutzagenda Tirols weit oben. Unter den vielen Projektflächen sind auch mehrere Moore im Naturpark Karwendel zu finden. Aktuell läuft ein Projekt zur Erstellung eines Managementplans für die kommenden zehn Jahre, um bereits umgesetzte Maßnahmen langfristig zu sichern, die Information an die Öffentlichkeit zu verbessern und ein dauerhaftes Monitoring der Flächen sicherzustellen. „Moore sind grundsätzlich geschützt und der Naturpark Karwendel wird umfassend betreut. Trotzdem braucht es weitere gezielte Maßnahmen, um den Zustand der Moore zu erhalten und teilweise auch noch zu verbessern“, so Naturschutzlandesrat René Zumtobel.
„Im Karwendel werden an zehn Moorstandorten seit 2002 Zäune aufgestellt, um Konflikte zwischen Almbeweidung und Naturschutz zu vermeiden. Zudem wurden zahlreiche Maßnahmen zur hydrologischen Verbesserung umgesetzt – durch Dämme und die gezielte Entbuschung von verwachsenen Standorten. Möglich wird das durch das gemeinsame Engagement von Land Tirol, Schutzgebietsbetreuung und den Bundesforsten“, betont der Landesrat. Die Einzäunung ausgewählter Moorflächen durch die Österreichischen Bundesforste wird vonseiten des Landes gefördert. Unter Federführung des Naturpark Karwendel wird zudem aktuell ein Managementplan für die Moore im Karwendel als größter Naturpark Österreichs erarbeitet. Dieses knapp 74.000 Euro umfassende Projekte wird mit Bundesmitteln sowie EU-LEADER-Mitteln finanziert und vom Land Tirol mit 12.000 Euro unterstützt.
„Seit gut 20 Jahren engagieren sich die Österreichischen Bundesforste im Naturpark Karwendel für den Erhalt und die Renaturierung der Moore. Seither wurden insgesamt 313 Dämme gebaut, um der Entwässerung durch Gräben entgegenzuwirken, es wurden Pegelmessstationen etabliert, um den Erfolg dieser Maßnahmen und den generellen Zustand der Moore überwachen zu können und es werden regelmäßig Flächen entbuscht, um ein Zuwuchern zu verhindern. Zudem finden jährlich mehrere Kontrollbegehungen statt, um etwaige Schwachstellen schnell zu erkennen und zu beheben. Der Erfolg des Einsatzes konnte sowohl durch das hydrologische Monitoring nachgewiesen werden, wie auch durch die Rückkehr spezialisierter Tier- und Pflanzenarten in einige renaturierte Moore. Auch in den nächsten Jahren sind wir uns sicher, dass die Zusammenarbeit mit dem Naturpark und dem Land Tirol eine positive Wirkung auf die Moore im Karwendel haben wird“, sagt die zuständige Naturraummanagerin bei den Österreichischen Bundesforsten, Nadine Werner.
Erfolgreicher Weg wird fortgesetzt und langfristig abgesichert
An der Erstellung des Managementplans unter Federführung des Naturpark Karwendel sind das Land Tirol, die Österreichischen Bundesforste sowie die regionalen BewirtschafterInnen beteiligt. Ziel ist es, für die kommenden zehn Jahre einen konkreten Plan zum Schutz der Moore und Feuchtgebiete im Naturpark Karwendel zu erstellen sowie die gewonnenen Erkenntnisse und Daten so aufzubereiten, dass sie auch für ähnliche Projekte eine Grundlage darstellen können. Außerdem sollen bisher weniger berücksichtigte Quellmoore und Feuchtgebiete erfasst werden. In einem praxisorientierten Leitfaden und einem Forschungskonzept wird so klar festgelegt, welche Ziele, Zuständigkeiten und Prioritäten es gibt, um die Moore im Karwendel langfristig zu schützen und zu erhalten.
Als BesucherInnenmagnet ist es im Naturpark zudem wichtig, Informationen für die breite Öffentlichkeit bereitzustellen und so über den bedeutenden Lebensraum Moor aufzuklären. „Der Naturpark Karwendel ist seit Jahren ein wichtiges Praxisfeld für Moorschutz und Renaturierung. Unser Ziel ist es, die gewonnenen Erfahrungen systematisch aufzubereiten und damit auch überregional nutzbar zu machen. Gleichzeitig bringen wir dieses Wissen über unsere Naturparkschulen direkt in die Bildungsarbeit ein – etwa mit didaktischen Materialien wie unserem Moormodell, mit dem wir Kindern die Entstehung, Funktion und Schutzbedürftigkeit von Mooren anschaulich vermitteln,“ erläutert Anton Heufelder, Geschäftsführer des Naturpark Karwendel.
Wissen aus dem Karwendel fließt in EU-Projekt „AMooRe“ ein
Tirol ist Teil des österreichweiten Projekts Austrian Moor Restoration (AMooRe). Im Zuge dessen werden zahlreiche Moorstandorte in Tirol wiederhergestellt bzw. ökologisch aufgewertet. Das Wissen aus den teilweise 20 Jahre zurückliegenden Renaturierungen im Karwendel fließt nun in AMooRe ein und kann für viele zukünftige Projekte herangezogen werden. Dies ist auch in die andere Richtung zutreffend: Die Erkenntnisse aus dem gesamten AMooRe Projekt können auch für die Karwendelmoore genutzt werden. „Mit der Kombination aus konkreten Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen sowie strategischer Planung setzen wir in Tirol ein starkes Zeichen für den langfristigen Erhalt der Karwendelmoore – einem äußerst wertvollen und sensiblen Lebensraum in den Alpen“, ist LR Zumtobel überzeugt.
CO2-Speicher und Lebensraum – Moore als vielfältige Alleskönner
Moore wurden als Lebensraum lange Zeit unterschätzt: Dabei sind sie als natürliche CO2-Speicher extrem wertvoll und auch für das lokale Klima relevant. Die Feuchtgebiete mit meist sauren Böden beheimaten zudem hochspezialisierte Pflanzen- und Tierarten Wird Torf entwässert und trocknet aus, wird das gespeicherte CO2 freigesetzt und der Effekt ist entsprechend negativ. Umgekehrt kann die Wiederherstellung des natürlichen feuchten Zustands des Torfs dazu führen, dass wieder CO2 gespeichert werden kann. Obwohl Moore nur rund drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie doch mehr als 30 Prozent des weltweiten Kohlendioxids und damit mehr als doppelt so viel als alle Wälder zusammen
Quelle: Land Tirol
