Wien: JMW - AUSSTELLUNGSVORSCHAU 2026

Slide background
JMW: AUSSTELLUNGSVORSCHAU 2026
Foto aus der Ausstellung "Alles vergessen" im Museum Judenplatz
Arnold Dreyblatt
10 Jän 06:00 2026 von Redaktion Salzburg Print This Article

Vier Ausstellungen im Museum Judenplatz und Museum Dorotheergasse setzen 2026 thematische Schwerpunkte auf Geschichte, Gegenwart und Dialog

Mit vier großen neuen Ausstellungen an den Standorten Museum Judenplatz und Museum Dorotheergasse setzt das Jüdische Museum Wien 2026 programmatische Schwerpunkte auf Erinnerung und Vergessen, Exil und Heimatverlust sowie auf interreligiösen Dialog, Forschung und kulturelle Verflechtungen. Die Ausstellungsvorschau spannt einen inhaltlichen Bogen von der Auseinandersetzung mit historischen Verantwortungen und Verdrängungsmechanismen über künstlerische Perspektiven auf das Gemeinsame der drei großen monotheistischen Religionen bis hin zu jüdischen Exilerfahrungen und der jüdischen Wissensgeschichte Wiens.

Alles vergessen (Museum Judenplatz)

Eröffnung: 27. Jänner 2026 um 18.30 Uhr

Laufzeit: 28. Jänner 2026 bis 6. September 2026

Im Hebräischen reimen sich die Wörter lischkoach – Vergessen – und koach, das sowohl Macht als auch Stärke bedeutet, als offenbare sich darin die doppelte Natur des Vergessens. So erzählt die Ausstellung Alles vergessen aus kulturhistorischer Perspektive von der Macht, aber auch die Ohnmacht des Vergessens und fragt, ob es lediglich Verlust bedeutet oder auch Befreiung sein kann.

Die Macht des Vergessens wird unterschiedlich angewendet und lässt die Vergessenen ohnmächtig zurück. Innerjüdisch stellt der große Bann (Cherem), der ein Gemeindemitglied nicht nur aus der Gemeinschaft ausschließt, sondern auch jegliche Erinnerung an ihn auslöschen soll, die größte rabbinische Bestrafung dar. Aber auch gegen äußere Feinde wird der Fluch des Vergessens ausgesprochen: Jimach schemo, sein Name sei ausgelöscht, wird gegen einzelne Feinde des jüdischen Volkes ausgesprochen.

Ziel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik war, die jüdische Bevölkerung nicht nur zu ermorden, sondern auch die Beweise für den Massenmord zu tilgen. Als die Konzentrations- und Vernichtungslager befreit wurden, blieben nur mehr jene Zeugnisse übrig, die die Nationalsozialisten nicht mehr hatten vernichten können. Und nach 1945 wollten viele Österreicher*innen vergessen, was geschehen war und woran sie sich beteiligt hatten. Diese „Vergessenskultur“ wurde erst mit der Waldheim-Affäre 1986 aufgebrochen.

In Zeiten, in denen historische Verantwortung und Erinnerung zunehmend infrage gestellt werden, ist es wichtig, über die Mechanismen des Vergessens zu sprechen und zu fragen, was verdrängt und überschrieben, was übersehen und was bewusst ausgelöscht wird.

Die Ausstellung lädt dazu ein, Vergessen nicht nur als Gegensatz zum Erinnern zu begreifen, sondern als Teil einer komplexen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart.

Teilnehmende Künstler*innen: Arnold Dreyblatt, Dani Gal, Esther Hovers, Brigitte Kowanz, Maya Schweizer, Sigrid Sigurdsson, William Utermohlen, Patrick Zachmann.

Alles vergessen entstand in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems und wird dort vom 8. November 2026 bis 18. April 2027 gezeigt werden.

Kuratorinnen: Daniela Pscheiden (JMW), Dinah Ehrenfreund-Michler (JMH)

Gestaltung: Fuhrer, Wien

A Muslim, a Christian, and a Jew. Eran Shakine (Museum Dorotheergasse)

Eröffnung: 19. Mai 2026 um 18.30 Uhr

Laufzeit: 20. Mai bis 8. November 2026 im Museum Dorotheergasse

Der israelische Künstler Eran Shakine (*1962) betitelt jedes seiner Bilder mit „Ein Muslim, ein Christ und ein Jude...“ – fast so, als wolle er einen Witz erzählen. In seinen großformatigen Arbeiten setzt er sich humorvoll mit der Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der drei monotheistischen Weltreligionen auseinander.

Die Schlagzeile eines (fiktiven) gezeichneten Covers des Time Magazine verkündet: „Mutter bringt identische Drillinge zur Welt: ein Muslim, ein Christ und ein Jude.“ Die drei Herren, meist mit Zylinder und schwarzem Anzug bekleidet, streifen durch die Welt: Auf der Suche nach gemeinsamen Ursprüngen, der Liebe Gottes oder dem Dialog mit Moses, erleben sie verschiedene alltägliche und skurrile Situationen und kommen in jeder dieser zu einer mal kleinen, mal großen Erkenntnis. So unbeschwert die Gemälde und Zeichnungen wirken, so ernsthaft ist ihre Aussage: Islam, Christentum und Judentum teilen trotz der unterschiedlichen Auslegung der Schriften eine gemeinsame Geschichte. Ihre Wünsche, Träume und Hoffnungen liegen letztendlich ganz nah beieinander.

Shakines Ölkreidebilder sind sozusagen Anti-Karikaturen: Sie brechen mit Stereotypen und lenken den Blick auf das Gemeinsame: auf Menschlichkeit, Neugier, Zweifel, Hoffnung und Glaube. Seine Arbeiten sind leicht zugänglich, zugleich aber voller philosophischer Tiefe. Mit feinem Witz und poetischer Klarheit lädt Shakine dazu ein, das Verbindende zu erkennen und in der Gleichheit das Menschliche zu feiern.

Eran Shakine malt, zeichnet und schafft Skulpturen sowie Kunst im öffentlichen Raum. Er wurde 1962 in Israel als Sohn eines französischen und einer ungarischen Schoa-Überlebenden geboren. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten.

Kurator*innen: Barbara Staudinger, Hannes Sulzenbacher

Gestaltung: Vandasye

Heimatlos. Wiener Juden im Exil (Museum Judenplatz)

Eröffnung: 22. September 2026

Laufzeit: 23. September 2026 bis 4. April 2027

Nach dem Anschluss am 12. März 1938 wurde Wien zur Modellstadt für die systematische Vertreibung der Jüdinnen und Juden. In kürzester Zeit wurde die drittgrößte jüdische Gemeinde Europas durch Emigration, Deportation und Ermordung nahezu ausgelöscht. Für jene, die ins Ausland fliehen konnten, bedeutete dies den Verlust ihrer bürgerlichen Existenz, ihres Hab und Guts sowie ihrer Heimat. Jüdische Wiener*innen fanden Zuflucht in der ganzen Welt – in europäischen Staaten, Nord- und Südamerika, Afrika, im Nahen Osten, Asien und Australien – und mussten ihr Leben in der Fremde mühsam neu aufbauen.

Der Verlust der Heimat lastete schwer auf den Vertriebenen. Ohne Sprache, berufliche Perspektive und sozialen Anschluss fiel es ihnen schwer, im Exil Fuß zu fassen. Aufgrund weiterer Verfolgung, Verhaftungen oder Abschiebungen aus den ersten Zufluchtsländern mussten manche sogar mehrmals fliehen, bis sie schließlich einen sicheren Ort fanden. Ein Leben im Exil verlief alles andere als einfach oder friedlich.

Die Allermeisten kehrten niemals nach Wien zurück. Die Stadt, die sie vertrieben hatte, war nicht mehr ihre Heimat. Die Ausstellung erzählt die Lebensgeschichten dieser Wiener*innen und beleuchtet damit die vielschichtigen Dimensionen von Heimatverlust und Exil.

Kuratorin: Caitlin Gura

Die Morgenländer. Jüdische Forscher und Abenteurer auf der Suche nach dem Eigenen im Fremden (Museum Dorotheergasse)

Eröffnung: 24. November 2026 um 18.30 Uhr

Laufzeit: 25. November 2026 bis 9. Mai 2027

Die Ausstellung „Die Morgenländer“ erzählt von der Entstehung der Orientwissenschaften im 19. Jahrhundert und bringt eine überraschende Erkenntnis: Die Entwicklung der Islamwissenschaften, der Arabistik und der Orientalistik war eng mit der Wissenschaft des Judentums, mit Emanzipation und Reform verbunden. Viele ihrer Protagonisten waren Wiener Juden, „die Morgenländer“ sind also Teil der jüdischen Geschichte Wiens.

Die neuen Orientwissenschaften waren Schauplatz einer jüdischen Suche nach den eigenen Ursprüngen: Die Quellen der eigenen Kultur und Geschichte aufzuspüren und zu erforschen, hatte dabei nicht nur wissenschaftliche Ziele, sondern war auch ein Versuch, sich aus der diskriminierenden Umklammerung einer christlichen Gesellschaft zu befreien.

Dass aus dieser Perspektive der Islam und die arabische Welt keineswegs Feind Europas oder als exotischer „Anderer“ erschien, sondern als eine Quelle der europäischen Kultur, stellt so manche Stereotype der Gegenwart in Frage. „Die Morgenländer“ entzieht damit xenophoben Vorstellungen genauso wie postkolonialem Schwarz-Weiß-Denken die Grundlage.

Diese Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems wurde für das Jüdische Museum Wien erweitert und durch zahlreiche Highlights ergänzt.

Kurator*innen: Felicitas Heimann-Jelinek (Wien), Marcus Patka (JMW)

Gestaltung: Martin Kohlbauer

Fotos zur Aussendung sind im Pressebereich der Wien Holding unter www.wienholding.at/Presse/Presseaussendungen abrufbar. Honorarfreier Abdruck im Zuge der Berichterstattung unter Nennung des Copyrights.


Quelle: Stadt Wien



  Markiert "tagged" als:
  Kategorien:
Redaktion Salzburg

Redaktion Tennengau

Weitere Artikel von Redaktion Salzburg