Tirol: Erfolgreicher Abschluss - 9.500 BesucherInnen bei Ausstellung
Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ endet nach knapp zwei Jahren Laufzeit im Landhaus.
Copyright: Land Tirol/Christanell
Waren dafür verantwortlich, das Tiroler Landhaus als Ausstellungsort zu etablieren (v. l.): LAD Herbert Forster, Kurator Dominik Markl, LH Anton Mattle, Kurator Niko Hofinger, Hilde Strobl (Kuratorin „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“).
Copyright: Land Tirol/Christanell
Die Eröffnung der Sonderausstellung fand am 27. Januar 2025 statt – dem Internationalen Holocaust-Gedenktag.
Copyright: Land Tirol/Die Fotografen
LH Anton Mattle begrüßte zur Eröffnung auch Jeffrey Wisnicki (3. v. l.), den Sohn Leokadia Justmans, und dessen Familie im Landhaus.
Copyright: Land Tirol/Die Fotografen
Einblicke in handgeschriebene Aufzeichnungen aus dem Nachlass von Leokadia Justman.
Copyright: Land Tirol/Die Fotografen
Rund 20 Veranstaltungen wie die Theaterperformance „Endzeit“ bildeten das offizielle Begleitprogramm zur Ausstellung.
Copyright: Land Tirol/Neuner
Zweimal war die Ausstellung zur Holocaust-Überlebenden Leokadia Justman Teil der ORF-„Lange Nacht der Museen“.
Copyright: Land Tirol/Hörmann
Höhepunkt des Begleitprogramms war die Veröffentlichung der Graphic Novel „Lodzia & Marysia“ – ein Comicroman des Tiroler Illustrators Alwin Hecher.
Copyright: Land Tirol/Neuner
In einem Musiktheater zum Thema „Wege des Widerstands“ trat Sängerin Elisabeth de Roo gemeinsam mit der Militärmusik Tirol im Landhaus auf.
Copyright: Land Tirol/Reinhold Sigl
Die Gedichte von Leokadia Justman, erst kürzlich in US-amerikanischen Archiven von Innsbrucker Forschern entdeckt, sind im Festsaal des Landhauses zu sehen.
Copyright: Land Tirol/Christanell
Screenshot aus den Schulmaterialien zu Leokadia Justman auf der Lernplattform LEON (für Tiroler Schulen ab dem 9. November abrufbar).
Copyright: Land Tirol
Zweijährige Sonderausstellung zu „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ machte dramatische Geschichte zugänglich und ist Auftrag für die Zukunft
- Von Theaterstücken und Lesungen bis zur Präsentation einer neuen Graphic Novel: Knapp 20 Veranstaltungen im offiziellen Rahmenprogramm
- 114 Schulführungen: Rund 2.500 SchülerInnen und knapp 200 Lehrpersonen mit Vermittlungsangeboten erreicht
- Kooperation zwischen Land Tirol und Universität Innsbruck: Sonderausstellung wird künftig an Theologischer Fakultät gezeigt
- Nachhaltige Ausstellungsinhalte: Virtueller 360°-Rundgang unter tirol.gv.at/erinnern und Lernmaterialien für Tiroler Schulen (Einblicke auf der Seite des Landes Tirol)
- „Die Wahl haben“: Nächste Landhaus-Ausstellung 2027 widmet sich Demokratie, Wahlen und Mitbestimmung
Nach zwei Jahren fand die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ im Innsbrucker Landhaus am Nationalfeiertag ihren Abschluss. Die Sonderausstellung hat die außergewöhnliche Verfolgung der polnischen Jüdin Leokadia Justman gezeigt, die nach Tirol floh und dort mithilfe mutiger TirolerInnen den Holocaust überleben konnte. Am 26. Oktober 2026 war die Ausstellung zum letzten Mal in ihrer bisherigen Form zu sehen, künftig kann sie unter tirol.gv.at/erinnern bei einem virtuellen 360°-Rundgang erlebt werden. Der vermittelnde Ansatz bleibt: Neue wissenschaftliche Stoßrichtungen, künstlerische Projekte und ein digitales Vermittlungsangebot für Schulen tragen Leokadias Geschichte und den gesellschaftlichen Auftrag für die Zukunft weiter. Insgesamt 9.514 BesucherInnen waren es, die die Ausstellung besichtigten bzw. das Begleitprogramm nutzten. Für Kulturreferent LH Anton Mattle nicht nur eine beeindruckende Bilanz, sondern auch Ausdruck dessen, wie wichtig vermittelnde Erinnerungskultur und ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe ist: „Zwei Jahre Leokadia haben Spuren hinterlassen – in der Wissenschaft, in der Kunst und in vielen Tiroler Schulklassen. Leokadias Geschichte wird ins Polnische und Spanische übersetzt, 2027 kommt ihre Flucht als neues Stück auf die Bühne des Tiroler Landestheaters. Und erst vor knapp einem Jahr haben Forscher bislang unbekannte Gedichte von Leokadia in US-amerikanischen Archiven entdeckt. Das zeigt: Erinnerung meint nicht einfach den Blick in die Vergangenheit. Erinnerung eröffnet neue Zugänge zur Geschichte und gibt uns wichtige Handlungsleitungen für die Zukunft: Zusammenhalt, Solidarität und Menschlichkeit sind wesentlich.“
Die Sonderausstellung ist künftig als Kooperation zwischen Land Tirol und Universität Innsbruck an der Theologischen Fakultät (Karl-Rahner-Platz 1, zweiter Stock) von 16. November 2026 bis 30. Juni 2027 in leicht modifizierter Form zu sehen. Sie wird dort zu den Öffnungszeiten des Fakultätsgebäudes für die Öffentlichkeit zugänglich sein und auch das Vermittlungsangebot für Schulklassen wird fortgesetzt. Damit Leokadias Geschichte auch nach Ende der Ausstellung in den Tiroler Klassenzimmern präsent bleibt, wurde gemeinsam mit dem Medienzentrum des Landes Tirol, dem OeAD-Programm ERINNERN:AT und der Pädagogischen Hochschule Tirol ein digitales Schul- und Lehrangebot entwickelt. Die Materialsammlung ist ab 9. November, dem Jahrestag der Novemberpogrome, über das Bildungsportal LEON für alle Tiroler Schulen zugänglich. Das Lehrmaterial umfasst Videos, Bildersammlungen, analoges und interaktives Arbeitsmaterial sowie Aufnahmen, in denen SchülerInnen selbst aus Leokadias Bericht lesen. SchülerInnen aus der MS Gabelsbergerstraße Innsbruck berichten aus Leokadias Überlebensgeschichte, während SchülerInnen aus dem BRG in der Au in Innsbruck beantworten, was aus ihrer Sicht Freundschaft und eine lebendige Erinnerungskultur bedeuten (Einblicke gibt es hier).
Ein besonderer Ort für eine außergewöhnliche Geschichte
Eröffnet wurde die Ausstellung am 27. Jänner 2025, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, im Beisein von Leokadias Sohn Jeffrey Wisnicki. Kuratiert von den Historikern Niko Hofinger und Dominik Markl, basierte die Ausstellung auf Leokadia Justmans autobiografischem Bericht, der zugleich das erste literarische Textzeugnis einer Holocaust-Überlebenden aus Tirol ist. Aufgrund des großen Interesses wurde die Ausstellung auf Initiative von LH Mattle um ein weiteres Jahr verlängert.
Die Präsentation im ehemaligen sogenannten „Gauleiter-Hofer-Zimmer“ des Landhauses hatte einen stark vermittelnden Schwerpunkt: Mit Fotos, Karten, Dokumenten und multimedialen Inhalten erzählte die Ausstellung von der Flucht und dem Überleben während der nationalsozialistischen Verfolgung. „Die Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen, aber es liegt in unserer Verantwortung, wie wir unsere Zukunft gestalten. Dafür braucht es Bewusstsein und kritische Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln unserer Geschichte. Mit den Ausstellungen im Tiroler Landhaus wollen wir auf vermittelnde Art und Weise einen lange verschwiegenen Täter-Ort der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen“, betont LH Mattle, der sich besonders für die Schulbesuche eingesetzt hatte.
Leokadias Geschichte lebt in Tirols Klassenzimmern weiter
Das Angebot für Schulklassen stellte die Frage „Wie überlebte Leokadia Justman?“ in den Mittelpunkt. Insgesamt nahmen knapp 2.500 SchülerInnen und rund 200 LehrerInnen an 114 Führungen in Kooperation mit ERINNERN:AT und der Pädagogischen Hochschule Tirol teil. Dazu gehörten auch Stadtrundgänge zu Denkmälern des Krieges und des Widerstands sowie zum jüdischen Teil des städtischen Westfriedhofs in Innsbruck. „Erinnerungskultur darf nicht an der Ausstellungstür enden. Gerade für junge Menschen bietet Leokadias Schicksal viele Anknüpfungspunkte. In einer Zeit, in der das Wissen um den Holocaust abnimmt, ist diese Vermittlung umso wichtiger“, erklärt LH Mattle.
Ausblick auf 2027: Ausstellung „Die Wahl haben“ im Landhaus
Mit der Ausstellung „Die Wahl haben“ richtet sich der Blick ab 2. Februar 2027 auf ein zentrales Thema: Demokratie, Wahlen und Mitbestimmung. Kuratiert wird die Ausstellung von Lisa Noggler, Leiterin des Museums im Zeughaus, und Katharina Walter, Leiterin der Kulturvermittlung bei den Tiroler Landesmuseen. Inhalt der Ausstellung sind die Entwicklung demokratischer Mitbestimmung, Wahlen und Grundrechte sowie Möglichkeiten der Partizipation. Das Angebot richtet sich speziell an junge Menschen und Schulklassen. Tages- und parteipolitische Inhalte sind ausdrücklich nicht vorgesehen.
„Die liberale Demokratie ist unser höchstes Gut. Sie lebt davon, dass Menschen mitreden, mitentscheiden und Verantwortung übernehmen können. Demokratie ist kein Geschenk, das man einmal erhält und dann auf ewig besitzt. Demokratie ist ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue verteidigen muss. Mit der Ausstellung ‚Die Wahl haben‘ wollen wir zeigen, wie sich Demokratie und Mitbestimmung entwickelt haben und warum sie für unser Zusammenleben in Tirol unverzichtbar sind“, erklärt LH Mattle. Das Landhaus soll damit auch künftig ein Ort sein, an dem Geschichte vermittelt wird und BesucherInnen zum Nachdenken eingeladen werden.
Das war die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“
Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzte als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und war von 27. Jänner 2025 bis 26. Oktober 2026 im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman zieren auch weiterhin den Festsaal im Landhaus.
Das Projekt war eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Weitere Informationen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ und „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ zur Verfügung.
Rückblick: Vom Zeitzeuginnengespräch bis zum Theaterstück
Rund 20 Veranstaltungen umfasste das offizielle Rahmenprogramm zur Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“. Bei zusätzlichen Veranstaltungen in den Bezirken wurde Leokadias Geschichte zum Schwerpunkt „Tirol erinnert“ aus weiteren Perspektiven beleuchtet. Zu den Höhepunkten des Rahmenprogramms zählten:
- „Lodzia und Marysia“: Der junge Tiroler Illustrator Alwin Hecher setzte Leokadias Geschichte in Form einer Graphic Novel bzw. eines 90-seitigen Comicromans grafisch um.
- Interdisziplinäre Konferenz: Die Universität Innsbruck und das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck widmeten sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Leokadia Justman.
- „Endzeit – Stimmen und Bilder“: Eine Theaterperformance eröffnete einen künstlerischen Zugang zur Erinnerung an Verfolgung und Überlebende.
- „Brechen wir aus“ (in Kooperation mit dem Tiroler Landestheater und dem Osterfestival Tirol): Die Sängerin Timna Brauer hauchte Leokadias Schicksal mit ihrem Ensemble neuen Atem ein und brachte eine szenisch-musikalische Lesung auf die Bühne.
- „Damals hieß ich Rita“: Im Zeitzeuginnengespräch berichtete die Holocaust-Überlebende Rozette Kats von ihren Erfahrungen während der NS-Zeit.
- „Mich kriegt ihr nicht!“: Die Buchvorstellung widmete sich dem Überlebensbericht von Józef Wi?nicki, Leokadias späterem Ehemann.
- ORF-„Lange Nacht der Museen“: Die Ausstellung war 2025 und 2026 Teil der österreichweiten Aktionsnacht.
- 40 KuratorInnenführungen: Rundgänge mit den Kuratoren ermöglichten vertiefende Einblicke in die Ausstellung und ihre historischen Hintergründe.
Quelle: Land Tirol
