Österreich: AIT: Voltera bringt KI ins Stromnetz und gewinnt beim Houskapreis 2026
Foto: B&C Privatstiftung/Gregor Hofbauer
Innovatives Netzmanagement-System des AIT Austrian Institute of Technology ermöglicht sichere Integration erneuerbarer Energien
Großer Erfolg für das AIT Austrian Institute of Technology: Das Forschungsprojekt „Voltera“ gewann beim renommierten Houskapreis 2026 in der Kategorie „Außeruniversitäre Forschung“. Die am AIT entwickelte Technologie zeigt, wie künstliche Intelligenz und physikalische Modellierung zusammenwirken können, um Stromnetze fit für die Energiewende zu machen. Die Preisverleihung fand gestern Abend im MuseumsQuartier in Wien statt.
Intelligente Netze für eine erneuerbare Zukunft
Mit dem rasanten Ausbau von Photovoltaik, Wärmepumpen, Batteriespeichern und Elektrofahrzeugen stehen insbesondere Niederspannungsnetze zunehmend unter Druck. Voltera setzt genau hier an: Das System analysiert in Echtzeit den Zustand von Stromnetzen und berechnet dynamisch, wie viel Energie sicher aufgenommen oder abgegeben werden kann. Dadurch können erneuerbare Energien effizient integriert werden, ohne die Stabilität der Netze zu gefährden.
Kern der Technologie ist die Kombination aus deterministischer Netzberechnung und künstlicher Intelligenz. Auch in Bereichen ohne direkte Messinfrastruktur kann Voltera den Netzzustand präzise rekonstruieren und optimale Betriebsgrenzen für Anlagen wie Photovoltaik-Systeme oder Batteriespeicher ableiten. In realen Anwendungen konnte so unter anderem die Spannungsstabilität deutlich verbessert und Netzungleichgewichte reduziert werden.
„Mit Voltera zeigen wir, wie datengetriebene Methoden und physikalisches Systemverständnis zusammenwirken können, um die Energiewende aktiv zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, Netzbetreibern ein Werkzeug an die Hand zu geben, das nicht nur präzise Analysen liefert, sondern auch unmittelbar in den Betrieb integriert werden kann. Damit schaffen wir die Grundlage für ein sicheres, flexibles und nachhaltiges Energiesystem“, sagt Projektleiter Bharath Varsh Rao.
IT stärkt Europas Energieinfrastruktur durch angewandte Forschung
Das AIT Austrian Institute of Technology war als Projektkoordinator maßgeblich an der Entwicklung von Voltera beteiligt und verantwortete die Konzeption sowie Umsetzung zentraler Analyse-, Optimierungs- und KI-Methoden. Das System wurde in mehreren nationalen und europäischen Forschungsprojekten entwickelt und erfolgreich in realen Verteilnetzen getestet.
„Projekte wie Voltera zeigen, wie wir Forschung gezielt in konkrete Anwendungen für die Energieinfrastruktur überführen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für ein leistungsfähiges, resilienteres Energiesystem in Europa – und schaffen gleichzeitig ein Umfeld, in dem Spitzenforschung und attraktive Arbeitsplätze Hand in Hand gehen“, betont Brigitte Bach, Geschäftsführerin und Sprecherin der Geschäftsführung des AIT.
Zweite Auszeichnung für AIT: Green Manikin unter den Preisträgern
Neben Voltera wurde ein weiteres AIT-Projekt beim Houskapreis 2026 ausgezeichnet: Green Manikin, eine innovative Mixed-Reality-Trainingslösung für die Erste-Hilfe- und Notfallausbildung. Die Technologie verbindet reale medizinische Handgriffe mit immersiven digitalen Einsatzszenarien und ermöglicht dadurch besonders realitätsnahe Trainings.
Mithilfe von Greenscreen-Technologie sehen Lernende ihre eigenen Hände und reale Geräte nahtlos in virtuelle Umgebungen eingebettet. Ergänzt wird das System durch KI-gestützte Sprachinteraktion, die eine realistische Kommunikation im Einsatz simuliert. Studien zeigen, dass Green Manikin zentrale Belastungs- und Verhaltensparameter nahezu auf dem Niveau realer Übungen abbildet und klassische Virtual-Reality-Trainings übertrifft. Die Lösung wird derzeit im Rahmen einer Ausgründung als Spin-off des AIT weiterentwickelt und adressiert einen internationalen Markt.
Über den Houskapreis
Der Houskapreis wurde 2005 von der B&C Privatstiftung ins Leben gerufen und gilt als größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung in Österreich. Ausgezeichnet werden Projekte mit hoher Innovationskraft und klar erkennbarem wirtschaftlichem Nutzen. Ziel ist es, exzellente Forschung sichtbar zu machen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken.
Quelle: OTS
