Innsbruck: Was kostet Kultur?

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Gemeinden sollten bei den Bundesförderungen im Bereich Kultur einen höheren Stellenwert bekommen: Bürgermeister Georg Willi, Kulturstadträtin Uschi Schwarzl und Kulturamtsleiterin Isabelle Brandauer (re.).
Foto: A. Steinacker
12 Apr 08:00 2024 von Redaktion International Print This Article

Studie schlüsselt Kultursubventionen von Bund bis Gemeinden auf

Wie viel investiert die öffentliche Hand die Kulturförderung? Wohin fließen die Gelder des Bundes – und wohin nicht? Wieviel geben Länder und Gemeinden aus? In welche Bereiche wird am meisten Geld gesteckt und wie viel Kultur fördert Innsbruck im Österreich-Vergleich? Antworten auf diese und andere Fragen liefert eine von der Stadt Innsbruck in Auftrag gegebene Studie des KDZ (Zentrum für Verwaltungsforschung). Unter die Lupe genommen wurden die Bundes-, Landes- und Gemeindeausgaben des Jahres 2022, als Datenbasis dienten der Kunst- und Kulturbericht 2022 des Bundes sowie Zahlen der Statistik Austria zu Finanzierungshaushalten und Rechnungsabschlüssen der Länder und Gemeinden desselben Jahres.

Von Wien bis Innsbruck

Unter 1 Prozent der staatlichen Netto-Einnahmen oder 510 Millionen Euro investierte der Staat Österreich 2022 in Kulturförderung. 25 Prozent dieser Ausgaben hatten einen Bundeslandbezug, nach Tirol flossen davon 6 Millionen – in Wien blieben 58. Das Land Tirol gibt rund 4 Prozent seiner Finanzleistung mit Hauptaugenmerk auf Musik, Darstellende Kunst, und sonstige Kunst- und Kulturpflege (v.a. Veranstaltungszentren) für Kultur aus. Im Österreich-Vergleich werden zwischen 61 Euro in Burgenland und 193 Euro in Wien netto und pro Kopf ausgegeben – in Tirol sind es knapp über 100 Euro.

Österreichs Gemeinden investieren insgesamt 520 Millionen Euro in Kulturförderung, am meisten Geld fließt in Musikpflege (Erhaltung, Finanzierung und Betrieb der Musikschulen) und Heimatpflege (Altstadterhaltung, Ortsbildpflege, etc.). Museen spielen auf Gemeindeebene eine kleinere Rolle, dafür sind Bibliotheken wichtiger. Salzburger und Tiroler Gemeinden stecken mit 100 Euro pro Einwohner am meisten in Kulturförderung (am wenigsten das Burgenland mit 45 Euro).

„Wir können es uns nicht leisten, nicht in Kultur zu investieren. Vor allem in den Gemeinden gehen Gelder nicht nur an große Häuser und Institutionen, sondern auch kleine Vereine und Einrichtungen wie Musikschulen, die allen offenstehen“, erklärt Bürgermeister Georg Willi. Gleichzeitig zeige die Studie, so das Stadtoberhaupt, dass Länder in absoluten Werten am meisten Ausgaben haben, jene der Gemeinden sind aber in Relation zu ihrer Finanzkraft höher: „Von den Bundesgeldern bleiben viele in Wien, die gehen zum Beispiel an Bundesmuseen – das ist auch richtig so, aber ich finde, es würde sich lohnen hier noch einmal in alle Töpfe zu schauen: Länder und vor allem Gemeinden könnten jeden Euro mehr gezielt vor Ort investieren.“

Innsbruck österreichweit an zweiter Stelle

Im Ranking der Ausgaben der Landeshauptstädte pro Kopf liegt Innsbruck an zweiter Stelle. 8 Prozent der städtischen Finanzkraft fließen in Kunst und Kultur, mehr sind es mit 9 Prozent nur in der Stadt Salzburg. Im Jahr 2022 betrugen die Kulturausgaben Innsbrucks 7,4 Prozent der Gesamtausgaben der Stadt. 2018 betrugen sie noch 6,1 Prozent.

„Ich bin stolz auf die Vielfalt und die Qualität der Innsbrucker Kulturszenen. Neben den großen Institutionen, wie Landestheater oder Musikschule, behandeln wir jährlich fast 400 Finanzierungsansuchen und schließen den Fair Pay-Gap im Angestelltenbereich auf 80 Prozent. Ziel muss es sein, das Kultursubventionsbudget zu indexieren und den Finanzierungsfokus des Bundes auch auf die Kulturstadt Innsbruck zu lenken,“ so Kulturstadträtin Mag.a Uschi Schwarzl.

Theorie und Praxis

„Das Kulturamt versteht sich als Servicestelle für die Kulturschaffenden und wickelt jährlich über 400 Subventionsansuchen ab“, berichtet Kulturamtsleiterin Dr.in Isabelle Brandauer: „Wir haben in den letzten Jahren intensiv an der Kommunikation nach außen gearbeitet und informieren beispielsweise über ein Infoblatt und die städtische Webseite über alle Antragsfristen für die Einreichungen. Zusätzlich werden alle städtischen Kulturausgaben seit 2021 in einem jährlichen Kulturausgabenbericht transparent veröffentlicht.“

Neben Subventionen unterstützt das Kulturamt auch mit Preisen und Stipendien. Zur Förderung von Tätigen im Kulturbereich vergibt die Stadt Innsbruck jährlich je zwei Stipendien (Haupt- und Förderstipendium) in den Bereichen Literatur, Bildende Kunst und Komposition. Für die Hilde-Zach-Literaturstipendien kann man sich bis 24. Juni bewerben, für die Kunststipendien bis 15. Juli, für die Kompositionsstipendien noch bis 15. April. Die Einreichfrist für das Streetart-Stipendium, das seit 2022 alle zwei Jahre ausgeschrieben wird, ist der 27. Mai.

Die Einreichung von Projekten für die Kunst- und Kulturinnovationsförderung „stadt_potenziale innsbruck 2024“ ist von 22. April bis 1. Juli möglich. Mit diesem Fördertopf unterstützt die Stadt Innsbruck seit 2008 zeitgenössische Kunst- und Kulturarbeit, die sich mit den Themen „Stadt“ im Allgemeinen und „Innsbruck“ im Besonderen beschäftigt, und unterstützt Impulse aus den freien Kulturszenen. Gefördert werden Kunst- und Kulturprojekte, die vor allem spartenübergreifend bzw. interdisziplinär sind.


Quelle: Stadt Innsbruck



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