Steiermark: Von der Behindertenhilfe in den Arbeitsmarkt - Inklusion braucht Chancen
Foto: Land Steiermark/Streibl,
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Tagung in Graz präsentierte erfolgreiche Modelle für die Beschäftigung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und fordert bessere Rahmenbedingungen.
Graz (17. Juni 2026).- Rund 4.000 Menschen mit Behinderung sind aktuell in Einrichtungen und Betrieben der Behindertenhilfe tätig. Sie erhalten ein Taschengeld, sind jedoch sozialversicherungsrechtlich nicht abgesichert. Wie es gelingen kann, Menschen mit Lernschwierigkeiten den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wurde heute Vormittag (17. Juni 2026) bei der Tagung „Inklusive Arbeit - Drei Perspektiven" in Graz vorgestellt. „Zwei Best-Practice-Beispiele haben eindrucksvoll gezeigt, wie Menschen mit Lernschwierigkeiten erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können”, betont Siegfried Suppan, Anwalt für Menschen mit Behinderung, der die Tagung gemeinsam mit People First Steiermark veranstaltete.
Konkret präsentierten die Volkshilfe Steiermark, die seit Oktober 2023 in einem Kindergarten in Hart bei Graz eine Frau mit Lernschwierigkeiten beschäftigt, sowie die UMS Friedhofservice & Grabpflege GmbH, die seit 2018 drei Friedhofsgärtner mit Lernschwierigkeiten beschäftigt, ihre Erfahrungen. Im Rahmen des gemeinsamen Projekts „inArbeit” mit Jugend am Werk Steiermark zeigen sie, wie inklusive Arbeitsverhältnisse erfolgreich entstehen können. Über das Projekt „inArbeit” von Jugend am Werk Steiermark konnten seit 2018 ingesamt 25 Menschen mit Lernschwierigkeiten in den verschiedensten Bereichen am ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen.
Was es auf beiden Seiten braucht, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten am ersten Arbeitsmarkt gut ankommen, erklärte Thomas Marka, Projektleiter bei People First Steiermark: „In erster Linie braucht es die Bereitschaft des Unternehmens, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen und natürlich Unterstützung direkt am Arbeitsplatz.” Bislang gibt es nur wenige Erfahrungswerte, da bisher kaum Menschen aus der Behindertenhilfe in den regulären Arbeitsmarkt wechseln konnten. Vorbehalte gegenüber solchen Beschäftigungsmodellen erschweren es zusätzlich, diese Benachteiligung nachhaltig zu beseitigen.
„Die Tagung soll aufzeigen, dass genau das möglich ist, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen für beide Seiten geschaffen werden. Dazu braucht es sowohl seitens des Landes Steiermark als auch des Bundes entsprechende gesetzliche und finanzielle Vorkehrungen. Die vorgestellten Projekte sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung, dem jedoch weitere folgen müssen", betonen die Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter.
Statements der Partner:
„Die Volkshilfe Steiermark versteht Diversität als wertvolle Bereicherung für die gesamte Organisation. Sie fördert ein wertschätzendes Miteinander und schafft einen Mehrwert für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Kinder und Familien gleichermaßen. Daher stehen wir als Betriebsführerin solchen inklusiven Beschäftigungsmodellen sehr positiv gegenüber und unterstützen diese gerne. Gleichzeitig sind uns in der praktischen Umsetzung oft die Hände gebunden, da entsprechende gesetzliche und förderrechtliche Rahmenbedingungen im Bereich der Kinderbildung und -betreuung derzeit fehlen. Es wäre wünschenswert, künftig passende Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehr Flexibilität ermöglichen und Betrieben den Weg zu inklusiven Beschäftigungsmodellen erleichtern", so Renate Pfleger, Leiterin des Volkshilfe-Sozialzentrums Graz-Umgebung.
Geschäftsführer Andreas Konezky von der UMS Friedhofservice & Grabpflege GmbH zu seinen Erfahrungen: „Für uns ist es selbstverständlich, Menschen mit Behinderung eine echte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Sie möchten ihren Beitrag leisten, Verantwortung übernehmen und Teil eines funktionierenden Teams sein - genau das leben wir in unserem Betrieb. Durch die Zusammenarbeit mit Organisationen wie Jugend am Werk gelingt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese Unterstützung im Hintergrund ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Inklusion funktioniert besonders gut, wenn das gesamte Team offen ist und zusammenhält - und genau das erleben wir täglich. Ich bin überzeugt, dass alle Seiten davon profitieren, wenn die betrieblichen Möglichkeiten vorhanden sind. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch mehr Projektplätze entstehen und auch für Saisonbetriebe bessere Lösungen gefunden werden, damit noch mehr Menschen diese Chance erhalten.”
„Unser Ziel muss es sein, dass jeder Mensch mit Behinderung, der einer bezahlten Arbeit am Arbeitsmarkt nachgehen möchte, dies unabhängig von Art und Schwere der Behinderung tun kann. Mit dem Ansatz von ‚inArbeit‘ haben wir gezeigt, dass dies erfolgreich möglich ist und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Es ist unumgänglich, dass eine solche Möglichkeit allen Personen zur Verfügung steht, die diesen Weg gehen wollen. Es ist hoch an der Zeit, dass diese Möglichkeit im Rahmen des Steiermärkischen Behindertengesetzes allen Anspruchsberechtigten eröffnet wird. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auch volkswirtschaftlich auszahlt”, unterstreicht Andreas Pepper, Bereichsleiter für Arbeit und Beschäftigung bei Jugend am Werk.
Quelle: Land Steiermark
