Vom Schwund zum Zerfall: Gletscherbericht des Alpenvereins zeigt dramatische Entwicklung

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Vom Schwund zum Zerfall: Gletscherbericht des Alpenvereins zeigt dramatische Entwicklung
Foto: ÖAV Gletschermessdienst/B.Zagel
13 Mär 17:34 2026 von OTS Print This Article

Rückzug der Gletscher erfordert rasches Handeln

94 von 96 beobachteten Gletschern ziehen sich zurück. Das ist die alarmierende Bilanz des Gletschermessdienstes des Österreichischen Alpenvereins. Alpeiner Ferner (Tirol) und Stubacher-Sonnblick-Kees (Salzburg) verzeichnen laut aktuellem Gletscherbericht 2024/25 die größten Verluste mit einem Rückgang von über 100 Metern. Auch an der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher, schreitet der Zerfall der Gletscherzunge weiter voran – und macht die Folgen des Klimawandels sichtbar. Diese Veränderungen in den Alpen müssten laut Alpenverein wachrütteln, um das eigene Verhalten zu hinterfragen und auch die Politik in die Pflicht zu nehmen.

Im Durchschnitt minus 20,3 Meter

Der aktuelle Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins belegt einmal mehr den langjährigen Trend: Die Gletscher in Österreich verlieren weiter massiv an Länge, Fläche und Volumen. Im Gletscherhaushaltsjahr 2024/25 zogen sich die 79 sowohl 2024 als auch 2025 vermessenen Gletscher im Mittel um 20,3 Meter zurück. Bei insgesamt 96 Gletschern wurde von den ehrenamtlichen Gletschermesserinnen und Gletschermessern die Änderungstendenz erhoben: 94 von ihnen haben sich weiter verkleinert, nur zwei blieben nahezu unverändert. Damit liegt der aktuelle Wert zwar unter den beiden Vorjahren, zählt aber – an achter Stelle – noch immer zu den höchsten der 135-jährigen Messreihe.

Zu warm und zu trocken

Grund für diese Entwicklung waren erneut gletscherungünstige Witterungsbedingungen: ein schneearmer und warmer Winter und ein außergewöhnlich warmer Frühsommer mit einem Juni, der um fast 5 °C zu warm war. Die Temperaturen lagen an den ausgewerteten Hochgebirgsstationen um 2 °C über dem langjährigen Jahresdurchschnitt. Gleichzeitig wurde ein Niederschlagsdefizit von 24,5 Prozent verzeichnet. Diese Bedingungen setzten den Gletschern weiter zu. „Viele Gletscher verlieren nicht nur an Länge, sondern treten zunehmend in eine Phase des strukturellen Zerfalls ein. Freigeschmolzene Felsstufen, abreißende Eisbereiche und in sich zusammenstürzende Gletscherzungen prägen immer mehr das Erscheinungsbild“, erläutert Andreas Kellerer-Pirklbauer, der gemeinsam mit Gerhard Lieb (beide Universität Graz) den Gletschermessdienst des Alpenvereins leitet.

Gerhard Lieb ergänzt: „Dass der mittlere Rückzug heuer etwas unter den Rekordwerten der Vorjahre liegt, darf nicht missverstanden werden. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Serie extrem gletscherungünstiger Jahre setzt sich fort, und viele Gletscher verlieren inzwischen so viel Substanz, dass sie auf Wetterphasen mit kurzfristiger Abkühlung, wie es etwa im Juli 2025 der Fall war, kaum noch reagieren.“

Alpeiner Ferner verliert 114,3 Meter – Pasterze bald zweigeteilt

Die größten Rückzugswerte wurden laut aktuellem Gletscherbericht am Alpeiner Ferner (Stubaier Alpen/Tirol) mit minus 114,3 Metern, am Stubacher-Sonnblick-Kees (Granatspitzgruppe/Salzburg) mit minus 103,9 Metern und am Krimmler Kees (Venedigergruppe/Salzburg) mit minus 90,3 Metern gemessen. An der Pasterze am Großglockner (Glocknergruppe/Kärnten) wurde an der Hauptzunge ein Rückzug von 54 Metern gemessen. Damit war die Pasterze österreichweit „nur“ auf Platz 8, in Kärnten jedoch wieder unter den großen Gletscherverlierern. Auch wenn die „Hufeisenbruch“ genannte Eisverbindung zum höhergelegenen Riffelwinkel noch besteht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gletscherzunge in den nächsten Jahren abreißt. Der größte Gletscher Österreichs wäre damit zweigeteilt und die immer noch mächtige Gletscherzunge würde als Toteiskörper langsam aber sicher abschmelzen.

Drastische Veränderungen durch den Klimawandel

Im Alpenraum zeigt sich der Klimawandel besonders deutlich. Die fortschreitende Erwärmung führt zu mehr Wetterextremen und Naturgefahren, der Wasserhaushalt verändert sich, die alpine Infrastruktur ist zunehmend gefährdet und mit dem Verschwinden der Gletscher ändert sich das Landschaftsbild tiefgreifend:

„Die Gletscher schmelzen – und mit jedem neuen Bericht wächst die Dringlichkeit. Der Klimawandel ist in den Alpen längst Realität, und wir erleben seine Folgen nicht irgendwann, sondern jetzt“, sagt Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins. „Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern.

Resignation sei keine Option, betont Slupetzky. Die Veränderungen in den Alpen müssten wachrütteln, um das eigene Verhalten zu hinterfragen und die Politik in die Pflicht zu nehmen. Es brauche dringend eine effektive Klimapolitik, die nicht zu Lasten des Naturschutzes gehe.



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Quelle: OTS



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