Österreich: Tödliche Balkanroute - 28 Gräber ertrunkener Geflüchteter von Kardinal Laszlo Nemet in Serbien eingeweiht
Foto: David Pichler/SOS Balkanroute
Foto: David Pichler/SOS Balkanroute
Foto: David Pichler/SOS Balkanroute
Foto: David Pichler/SOS BALKANROUTE
Der Erzbischof von Belgrad findet klare und kritische Worte: "Gott ist barmherziger als all unsere Vorschriften, Gesetze und die Grenzpolizei"
Der Grenzfluss Drina trennt Bosnien-Herzegowina und Serbien, doch für immer mehr Geflüchtete trennt er Leben von Tod.
Genau auf diesen Umstand wurde am Dienstag bei einer interrreligiösen Gedenkfeier in der serbischen Grenzstadt Loznica hingewiesen. Bei dieser wurden 28 Grabsteine und Grabstätten für Geflüchtete am orthodoxen städtischen und dem islamischen Friedhof eingeweiht. Der Gedenkort wurde mit Spenden aus Österreich und Deutschland auf eine gemeinsame Initiative der zivilgesellschaftlichen Organisationen SOS Balkanroute, Djeluj.ba und Leavenoonebehind errichtet.
Auch Baby unter Todesopfern
Unter den 19 nicht-identifizierten und 9 identifizierten ertrunkenen Geflüchteten ist auch das 9 Monate alte syrische Baby Lana Hilal, die im August 2024 gemeinsam mit ihren Eltern ihr Leben in der Drina verloren hat. „Lanas Tod steht symbolisch für die extreme Verletzlichkeit von Menschen auf der Flucht – und für ein System, das sie ohne Schutz zurücklässt“, sagte Petar Rosandi? von SOS Balkanroute.
Auf dem Islamischen Friedhof wurde auch ein erschütternder Brief von Muhammed Hilal, dem Onkel von Lana, verlesen. „Obwohl seit unserer Tragödie fast eineinhalb Jahre vergangen sind, ist der Schmerz noch immer da, als wäre alles erst gestern geschehen“, erinnerte sich Muhammed.
Kardinal: „Gott ist barmherziger als die Grenzpolizei“
Die Gedenkfeier, bei der auch das österreichische Pfarrnetzwerk Asyl vertreten war, wurden vom serbischen Kardinal und Erzbischof von Belgrad Ladislav Nemet und dem Belgrader Imam Tafa El Beriša geleitet.
„Jeder Mensch hat einen grenzenlosen Wert. Wären Lana und die Verstorbenen an einem anderen Ort geboren worden, hätte sie sicherlich frei nach Europa kommen können. Kriege, Gewalt und Klimaveränderungen führen zu Migration. Ob man sie legal oder illegal nennt, ändert nichts an der Würde der Menschen. Gott ist weitaus barmherziger als all unsere Gesetze, Vorschriften und die Grenzpolizei
“, stellte Kardinal Laszlo Nemet klar. Er verglich das Engagement der Flüchtlingshelfer:innen mit jenem aus dem Buch Tobit, wo der Jude Tobit, der in Ninive in der Fremde lebte, sich seiner toten Landsleute annahm und sie begrub.
4 Friedhöfe und 95 Grabsteine errichtet
Die zwei neu gestalteten Friedhöfe in der serbischen Stadt Loznica sind Teil der jahrelangen Gedenkarbeit, die der lokale bosnische Flüchtlingshelfer Nihad Suljic gemeinsam mit SOS Balkanroute vor zwei Jahren mit der Errichtung der Friedhöfe in Bijeljina und Zvornik gestartet hat.
Mittlerweile wurden in Bosnien und Serbien 95 verwitterte Holzmaarkierungen, mit dauerhaften Grabsteinen ersetzt, 4 Friedhöfe gestaltet sowie 3 Denkmäler in Slowenien, Serbien und Bosnien aufgestellt - im Andenken an alle verstorbenen Geflüchteten auf der Balkanroute.
Schätzungen zufolge gibt es auf beiden Seiten des Flusses mehr als hundert Gräber – und dies betrifft ausschließlich die Körper, die vom Wasser angespült wurden. Die tatsächliche Zahl der Opfer auf der Balkanroute ist deutlich höher, da viele Leichen nie gefunden wurden.
Quelle: OTS
