Salzburg: Täglich fünf Stunden online - Salzburgs Jugend gefangen am Bildschirm
Foto akzente Salzburg
Umfassende Beratung und Information durch Einrichtungen des Landes / Experten diskutieren Maßnahmen gegen Handysucht
(LK) Das Smartphone ist allgegenwärtig in der Welt von Salzburgs Kindern und Jugendlichen. Exzessive Handynutzung wird aber zunehmend zum Problem. Teilweise mehr als fünf Stunden täglich verbringt die Jugend am mobilen Bildschirm. Über die problematische Nutzung von Smartphone und Co. haben sich heute rund 35 Expertinnen und Experten des Landes mit Fachkräften aus Suchthilfe, Elternberatung und Sozialarbeit beim von akzente Salzburg organisierten Forum Suchtprävention ausgetauscht.
LR Wolfgang Fürweger mit Erna Karl (Leiterin PSD - Mitte), Marietta Oberrauch und Gerald Brandtner (beide von akzente Salzburg) und Christoph Pieh (Donau-Universität Krems - ganz rechts) beim Start des Forums Suchtprävention.
Der Kopf ist gesenkt und die Daumen tippen am Bildschirm. Vor allem in den Morgenstunden kann man unzählige Kinder und Jugendliche im Bundesland mit dieser Körperhaltung in Bus und Bahn beobachten. Laut Zahlen des Sozialministeriums von 2021/22 nutzt ein Drittel der Schülerinnen und Schüler das Smartphone täglich drei bis vier Stunden. Bei 38 Prozent sind es sogar mehr als fünf Stunden. Immer mehr zeigen dabei ein problematisches Nutzungsverhalten - inklusive Kontrollverlust, Abhängigkeit bis hin zur Vernachlässigung des realen Lebens.
Fürweger: „Handysucht: ein ernstes Problem.“
Für Soziallandesrat Wolfgang Fürweger steht fest: „Die allumfassende Präsenz von Smartphone und sozialen Medien verändert uns – und für manche wird deren Nutzung zum Problem. Als Land lassen wir Kinder und Jugendliche und Angehörige im Umgang mit digitalen Medien nicht allein. Wie bei jeder Sucht gilt auch hier: nicht wegschauen, sondern frühzeitig handeln und sich Hilfe bei Expertinnen und Experten holen. Um detaillierte Informationen zur Handysucht zu erhalten, wird es im Suchtbericht 2025 erstmals eine Analyse der Thematik geben.“
Einsamkeit als Suchtauslöser
Organisiert wird das Forum Suchtprävention von akzente Salzburg. „Das Thema der Handysucht von Kindern und Jugendlichen ist seit Jahren in unserer Arbeit mit Schulen oder Jugendzentren präsent. Als Präventions- und Informationsstelle sind die Motive der Sucht für uns besonders interessant. Hauptsächlich sind die jungen Menschen aufgrund der Einsamkeit stundenlang am Handy. Dieses Phänomen wird auch bei Senioren beobachtet. Erwachsene können aber ihr Verhalten besser steuern als Kinder und Jugendliche; deshalb ist es gut, wenn es hier Anreize und klare Regeln gibt, Pausen bei der Nutzung des Handys einzulegen“, sagt der Leiter der Fachstelle Suchtprävention bei akzente, Gerald Brandtner.
Nutzungsverhalten entscheidend
In ihrer täglichen Arbeit bemerken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Psychosozialen Dienstes (PSD), dass das Bewusstsein in der Bevölkerung zur Handysucht noch nicht so ausgeprägt ist wie bei klassischen Süchten. „Die entscheidende Frage ist, ab wann das Nutzungsverhalten so ist, dass es das Leben negativ beeinträchtigt. Etwa, wenn man Schule, Arbeit, Freunde, Hobbys oder Familie vernachlässigt. Wenn Personen zum PSD kommen, reflektieren wir in einem ersten Schritt das Nutzungsverhalten des Smartphones. ,Wann verwende ich es und wie geht es mir dabei?‘“, informiert die Leiterin des PSD, Erna Karl.
Hilfe und Beratung durch das Land
Wenn Eltern bemerken, dass ihre Kinder mehrere Stunden täglich am Bildschirm ihres Handys verbringen, rät Erna Karl professionelle Einrichtungen zu kontaktieren. „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in der CDK oder auch das Ambulatorium ,Am Ball‘ in Salzburg-Lehen sind hier erste Anlaufstellen“, so Karl und ergänzt: „Bei Suchterkrankungen ist es für Betroffene zentral andere Bewältigungsstrategien außerhalb der Sucht zu entwickeln. Hier kommt für Erwachsene der PSD ins Spiel. Wir beraten Betroffene und auch Angehörige unabhängig, niederschwellig und kostenlos. Wir übernehmen die Koordination der Behandlungsmaßnahmen und ermöglichen eine längerfristige Therapie. So erhalten die Klientinnen und Klienten eine umfassende Begleitung auf dem Weg zurück ins neue Leben.“
Quelle: Land Salzburg
