Salzburg: -Schulkoffer Elektrosmog- klärt auf

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Foto: www.neumayr.cc
21 Nov 18:35 2018 von Redaktion Salzburg Print This Article

Interview mit Umweltmediziner Gerd Oberfeld

Smartphones, WLAN und andere technische Errungenschaften erleichtern in vielerlei Hinsicht unseren Alltag, zählen aber auch zu den häufigsten Elektrosmog-Quellen. „Damit Kinder und Jugendliche lernen, bewusster mit diesem Faktor umzugehen, hat das Land im ‚Schulkoffer Elektrosmog‘ viele wertvolle Tipps und Unterrichtsmaterialien zusammengetragen“, so Gesundheitsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl.

Der „Schulkoffer“ wurde von der Landessanitätsdirektion unter Federführung von Gerd Oberfeld und in Kooperation mit Pädagogen entwickelt und kann seit Kurzem kostenlos von den Schulen ausgeliehen werden. Er soll Pädagogen helfen, das Thema mit Schülern über Spiele und Versuche, die den unsichtbaren Elektrosmog sicht-, hör- und erlebbar machen, zu erarbeiten.

Sensibilisieren und aufklären

Es soll auch über dessen mögliche gesundheitliche Auswirkungen gesprochen werden und wie man sich ein möglichst gesundes Lebensumfeld erhalten kann. Zielgruppe sind in erster Linie Pädagogen beziehungsweise Kinder und Jugendliche der 3. bis 6. Schulstufe. Aber auch für alle anderen Altersstufen sowie in der Erwachsenenbildung ist die Unterrichtshilfe einsetzbar.

Umweltmediziner: „Schon kleine Maßnahmen helfen“

Das Landes-Medienzentrum (LMZ) sprach mit Umweltmediziner Gerd Oberfeld unter anderem über Elektrosmog-Quellen im Alltag und wie man trotzdem gut schlafen kann.

LMZ: Was sind die häufigsten Elektrosmog-Quellen, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind?

Oberfeld: Ganz unterschiedlich. Beispiele sind elektrische Leitungen in der Wand, viele Nachttischlampen, 12-Volt-Trafos in elektrischen Geräten am Kopfende vom Bett, Smartphones, WLAN, ungeerdete Laptops mit Betrieb am Stromnetz, Internetwürfel (Netcubes) sowie Mobilfunkantennen und Magnetfelder.

LMZ: Schon viele junge Menschen haben Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme. Kann das auch die Folge von Elektrosmog sein?

Oberfeld: Für Schlaf- und Konzentrationsstörungen gibt es grundsätzlich viele Ursachen. Relevante und vor allem meist gut vermeidbare Ursachen sind dabei auch Belastungen durch Elektrosmog.

LMZ: Wie sollte der gesunde Schlafplatz aussehen?

Oberfeld: In vielen Fällen können kleine Maßnahmen ausreichen. Konkret sollten elektrische Geräte, Lampen und Leitungen im Nahbereich des Bettes – bis ein Meter Abstand – vermieden werden oder während des Schlafes zum Beispiel mit einem Netzabkoppler, der nach einer Messung der elektrischen Felder im Sicherungskasten eingebaut wird, spannungsfrei geschalten werden. WLAN und Internetwürfel sollten durch direkte Kabelanbindungen ersetzt werden und bis dahin zumindest in der Nacht mit Hilfe einer Zeitschaltuhr ausgeschaltet sein. Das Smartphone sollte wegen der Apps, die sich immer wieder mit dem Mobilfunknetz verbinden, in der Nacht ausgeschaltet oder auf Flugmodus gestellt sein.

LMZ: Stichwort Handy, Computer und Spielkonsolen: Worin liegen Ihrer Meinung nach die Probleme, wenn Kinder und Jugendliche zu viel Zeit mit elektronischen Geräten verbringen?

Oberfeld: Je früher Kinder mit elektronischen Spielen in Kontakt kommen, umso größer ist das Risiko, dass sich daraus ein Suchtverhalten und eine Abhängigkeit entwickeln. Zudem fehlt dann die Zeit zur körperlichen Bewegung, zum Training der Feinmotorik und für kreative Beschäftigungen sowie für soziale Interaktionen. Diese Tätigkeiten sind für eine gesunde Gehirn- und Sozialentwicklung von zentraler Bedeutung. Es liegt an uns Erwachsenen, die richtigen Weichen zu stellen.

LMZ: Ihr Tipp an Eltern und Kinder, um bewusster mit dem Thema Elektrosmog umzugehen?

Oberfeld: Wie gesagt, in vielen Fällen können kleine Maßnahmen ausreichen, die Belastungen durch Elektrosmog zu reduzieren. Mitunter braucht es auch die Hilfe baubiologischer Messtechniker oder eines Elektrikers, der zum Beispiel einen Netzabkoppler installiert. Wer sich mehr mit dem Thema befassen möchte, dem sei der Ratgeber „Elektrostress im Alltag“ ans Herz gelegt. Diesen hat das Land Salzburg in Zusammenarbeit mit Diagnose Funk entwickelt. Er enthält in übersichtlicher Form die Informationen zu wichtigen Elektrosmog-Quellen und wie diese reduziert werden können.


Quelle: Land Salzburg



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