Österreich: Nichts eitel Wonne beim Elektroauto
Foto: Gerhard Lustig
Gute Ladeinfrastruktur, undurchsichtiger Tarifdschungel. Der Verein „Mein Auto“ fordert eine rasche landesweite Harmonisierung der Ladestrom-Tarife.
Die Neuzulassungen rein elektrisch betriebener Fahrzeuge sind auch 2025 gestiegen und liegen mittlerweile bei rund 22 Prozent. Getrieben werden diese Zahlen weiterhin stark durch gewerbliche Zulassungen: starke Argumente sind der Vorsteuerabzug sowie die Befreiung vom Sachbezug. 2026 kann zudem ein Investitionsfreibetrag von 22 Prozent geltend gemacht werden. Darüber hinaus steigt auch Jahr für Jahr die Modellvielfalt der E-Autos. Waren es zu Beginn vor allem hochpreisige Fahrzeuge, setzen nun viele Hersteller auf günstige Einstiegsmodelle, die netto vielfach bereits unter 20.000 Euro zu haben sind.
Im Winter schmelzen Reichweite und Ladegeschwindigkeit
Die Medaille hat aber auch ein paar Kehrseiten, die bei den Käufern für mitunter großen Ärger sorgen. Da wäre zunächst einmal die Reichweite. Die ist zwar jedes Jahr gestiegen und nach dem WLTP-Zyklus bei mittlerweile – modellabhängig – über 700 Kilometern angekommen, die Praxis sieht allerdings oftmals anders aus. Gerade im Winter schmilzt ein erheblicher Teil dieser Reichweite dahin, wie auch großangelegte, unabhängige Tests gezeigt haben. Wer dann noch auf der Autobahn unterwegs ist, muss sich oft mit knapp über der Hälfte der WLTP-Angabe zufriedengeben. Gleiches gilt für die Ladegeschwindigkeit, auch hier erreichen etliche Fahrzeuge das angegebene Maximum bei weitem nicht oder nur kurz, was zu einer deutlich längeren Standzeit führt. Gerade bei Firmenfahrzeugen ein großes Problem.
Gute Ladeinfrastruktur, undurchsichtiger Tarifdschungel
Die Ladeinfrastruktur ist in Österreich mittlerweile sehr gut ausgebaut, an den Hauptverkehrsrouten mangelt es auch nicht an DC-Schnellladern mit immer höheren Leistungen von mittlerweile 400 kW, selbst 1.000 kW dürften bald realisiert sein, wenngleich die entsprechenden Fahrzeuge noch fehlen. Und dennoch gibt es ein großes Ärgernis im öffentlichen Ladenetz. Undurchsichtige Tarifmodelle treiben so manchen E-Mobilisten zur Verzweiflung. Dank Roamingverträgen der Anbieter im In- und Ausland kann man mittlerweile zwar fast mit jeder Karte bei jeder Ladestation laden, der dahinter verrechnete Preis bleibt aber oft verborgen und scheint erst auf der Rechnung als böse Überraschung auf.
Erinnerungen an Mobilfunk-Roaming-Abzocke
Das erinnert ans Roaming der Mobilfunkanbieter bei Nutzung im Ausland Anfang der 2000er-Jahre, auch hier wurden die Nutzer teils abgezockt. Die EU hat bereits 2007 Preisobergrenzen eingeführt und die Telefontarife schrittweise gesenkt, ehe 2017 das komplette Aus der zusätzlichen Gebühren innerhalb der EU eingeläutet wurde. Wenn Österreich und die EU dem E-Auto weiter Rückenwind verschaffen möchten, sollte man auch die Betreiber öffentlicher Ladestationen in die Pflicht nehmen und für Regulierung sorgen. Was auch für die Tarife gilt, die oft ohne lange Vorwarnung munter runter und vor allem wieder raufwandern. Zudem sollte gerade jetzt mit Argusaugen darauf geachtet werden, dass die Anbieter sich nicht in den Windschatten der krisenbedingt steigenden Spritpreise hängen und damit ein zusätzliches Körberlgeld verdienen.
Quelle: OTS
