Wien: Neues Energiesystem mach Alt-Erlaa fit für die Zukunft

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Wien

24 Jul 19:00 2026 von Redaktion International Print This Article

Mit der umfassenden energetischen Sanierung des Wohnparks Alt-Erlaa setzen die GESIBA und die Alt-Erlaa AG (AEAG) gemeinsam mit der Stadt Wien einen entscheidenden Schritt zur Dekarbonisierung des großvolumigen Wohnbaus. Das Projekt verbindet die thermische Modernisierung der Gebäude mit einer innovativen, erneuerbaren Wärmeversorgung und zeigt, wie große Bestandsquartiere erfolgreich klimafit gemacht werden können.

Der Wohnpark Alt-Erlaa zählt mit seinen 3.182 Wohnungen und mehr als 9.000 Bewohnerinnen und Bewohnern zu den größten Wohnanlagen Österreichs. Die Anlage gilt seit Jahrzehnten als Meilenstein des sozialen Wohnbaus. Nun beginnt ein neues Kapitel: Die bestehende Wärmeversorgung auf Erdgasbasis wird schrittweise durch ein innovatives Energiesystem ersetzt, das auf Geothermie, Wärmepumpen und Wärmerückgewinnung basiert.

Ein Leuchtturm der Wiener Wärmewende

„Im Wohnpark Alt-Erlaa zeigt Wien gerade im ganz großen Stil, wie die Energiewende funktioniert“, sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. „Hier werden über 3.000 Wohnungen auf einmal saniert und 780 Erdsonden für CO2-frei Heizen und Kühlen in den Boden gesetzt. Das ist ein Paradebeispiel für sozialen Klimaschutz. Denn diese Technologie schont nicht nur die Umwelt, sondern langfristig auch das Geldbörserl der Mieterinnen und Mieter. Der Wohnpark Alt-Erlaa ist ein Signal für ganz Wien: Wenn Dekarbonisierung in einem so riesigen Komplex möglich ist, dann ist sie überall möglich. Egal ob Altbau oder Neubau – es gibt für jedes Haus eine Lösung. Bis 2040 wollen wir die Stadt komplett von fossilem Gas befreien. Alt-Erlaa ist der beste Beweis dafür, dass diese Vision auch Realität wird.“

„Mit der energetischen Sanierung vom Wohnpark Alt-Erlaa schlagen wir ein neues Kapitel der Wiener Wohnbauerfolgsgeschichte auf. Eine Dekarbonisierung in dieser Größenordnung ist im geförderten Wohnbau eine weltweite Pionierleistung! Raus aus der fossilen Wärmeversorgung bedeutet Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit für Generationen. Gleichzeitig wird durch die Sanierung der Energieverbrauch massiv reduziert. Der Wohnpark Alt-Erlaa steht damit auch in Zukunft für leistbares und qualitätsvolles Wohnen mit höchster Wohnzufriedenheit, für eine Bewohner*innenanzahl einer österreichischen Kleinstadt“, betont Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch.

Erneuerbare Energie statt fossiler Heizkessel

Herzstück des Projekts ist die vollständige Umstellung der Wärmeversorgung. Rund 780 Erdwärmesonden erschließen künftig die im Untergrund gespeicherte Energie. Ergänzt wird das System durch 18 Luftwärmetauscher sowie die Nutzung der Abwärme aus der Wohnungsabluft, die künftig in den Heizkreislauf zurückgeführt wird.

Gleichzeitig werden 38 Gaskessel durch insgesamt 60 Wärmepumpen ersetzt. Ein hydraulischer Abgleich aller Wohnungen, die Einregulierung der bestehenden Abluftanlagen sowie die Reduktion der Vorlauftemperatur sorgen dafür, dass das neue Energiesystem besonders effizient betrieben werden kann.

„Alt-Erlaa war bei seiner Errichtung vor 50 Jahren ein visionäres Wohnbauprojekt. Mit dieser umfassenden Sanierung übernimmt die Wohnanlage erneut eine Vorreiterrolle – diesmal als Modell für die klimaneutrale Transformation großer Wohnquartiere“, erklärt AEAG-Vorstand Paul Steurer. „Die Kombination aus thermischer Sanierung, Geothermie, Wärmepumpen und intelligenter Gebäudetechnik zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in bestehenden Wohnanlagen steckt.“

Bezirksvorsteher Gerald Bischof ergänzt: „Der Wohnpark Alt-Erlaa prägt seit 50 Jahren das Leben vieler Menschen in Liesing und steht für hohe Wohnqualität. Die thermische Sanierung ist eine wichtige Investition in die Zukunft der Anlage. Sie trägt dazu bei, die bisher schon hohe Attraktivität des Wohnparks langfristig zu sichern.“

Weniger Energieverbrauch, mehr Wohnkomfort

Parallel zur Heizungsumstellung werden auch umfangreiche Maßnahmen an der Gebäudehülle umgesetzt. Dazu zählen der architektonisch abgestimmte Fenstertausch, die Verbesserung der Wärmedämmung an Außenwänden und Kellerdecken sowie weitere energetische Optimierungen. Dadurch sinkt der Endenergiebedarf für Heizung und Warmwasser um rund 78 Prozent. Die COâ??-Emissionen werden – abhängig vom eingesetzten Strommix – um 90 bis 100 Prozent reduziert.

Die wirtschaftliche Umsetzung dieses zukunftsweisenden Projekts wird maßgeblich durch Förderungen des Wohnfonds Wien, der den überwiegenden Teil der Fördermittel bereitstellt, sowie der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) ermöglicht. Insgesamt werden rund 50 Prozent der Kosten der Sanierungsmaßnahmen durch Förderungen gedeckt. Damit schaffen sie die Grundlage für die umfassende energetische Modernisierung und den Umstieg auf eine erneuerbare Wärmeversorgung. Für die Mieterinnen und Mieter entstehen dadurch keinerlei Mehrbelastungen. Im Gegenteil: Durch die thermischen Sanierungsmaßnahmen ist langfristig mit einer deutlichen Reduktion der Heizkosten zu rechnen. Das Projekt verbindet damit wirksamen Klimaschutz mit leistbarem Wohnen und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit.

Modell für die Zukunft des Wohnbaus

Das Projekt wurde durch umfassende Voruntersuchungen abgesichert. Geotechnische Erkundungen bis in 200 Meter Tiefe, Heizlastberechnungen, Gebäudesimulationen sowie erfolgreiche Tests mit abgesenkter Vorlauftemperatur bestätigen die technische Machbarkeit.

Begleitet wird das Projekt durch intensive Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, einen eigenen Infopoint, eine Musterwohnung sowie eine sozialwissenschaftliche Begleitung. Damit soll die Transformation gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestaltet werden.

Fakten zum Projekt:

  • 3.182 Wohnungen mit über 9.000 Bewohner*innen
  • rund 780 Erdwärmesonden
  • 18 Luftwärmetauscher
  • Nutzung der Abwärme aus der Wohnungsabluft
  • Ersatz von 38 Gaskesseln durch 60 Wärmepumpen
  • Hydraulischer Abgleich aller Wohnungen
  • Vorbereitung der sommerlichen Temperierung (Free Cooling)
  • Reduktion des Endenergiebedarfs um rund 78 Prozent
  • Verringerung der COâ??-Emissionen um bis zu 100 Prozent bei Versorgung mit Ökostrom

Quelle: Stadt Wien



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