Tirol: Nachbesprechung zum Lawinen-Wochenende

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Tirol

26 Feb 15:37 2026 von Redaktion Salzburg Print This Article

LH Mattle: „Tirol kann Einheimischen und vor allem Gästen nicht die Eigenverantwortung abnehmen“

  • Landeshauptmann hat zu Nachbesprechung über die vergangenen Einsätze eingeladen und nimmt Gäste sowie Bevölkerung in die Pflicht
  • Sicherheitslandesrätin, Bergrettung Tirol, Polizei, Lawinenwarndienst, Lawinenkommissionen und Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement ziehen Bilanz
  • Land Tirol geht auf Tourismusverbände und Seilbahnbetriebe zu, um ausländische Gäste und TouristInnen künftig noch besser zu erreichen
  • Ausnahme AT-Alert: positive Bilanz mit rund einer Million erreichter Endgeräte, Mobilfunkbetreiber in der Pflicht für technisch einwandfreie Abwicklung
  • Dankbarkeit und Wertschätzung: Ehrenamt als tragende Säule der Sicherheitsstruktur

Nach einem intensiven Einsatzwochenende, über 250 Lawinenabgängen, rund 40 damit verbundene Einsätze und über 500 ausgerückten Einsatzkräften, lud Landeshauptmann Anton Mattle zu einer Nachbesprechung. Sicherheitslandesrätin Astrid Mair, der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Ekkehard Wimmer, Landespolizeidirektor Helmut Tomac, der Leiter des Lawinenwarndienstes des Landes Tirol, Patrick Nairz, Harald Riedl, zuständig für die Lawinenkommissionsangelegenheiten im Land Tirol, und Elmar Rizzoli, der Leiter des Tiroler Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement, zogen Bilanz. In einem sind sich alle Beteiligten einig: Die Berge verlangen nach Respekt, Vorsicht und Verantwortung. „Tirol ist ein sicheres Land, die Behörden und hauptberufliche sowie ehrenamtliche Einsatzkräfte halten der Bevölkerung den Rücken frei. Das Land kann aber den Einheimischen und vor allem den Gästen die Eigenverantwortung nicht abnehmen. Jeder und jede trägt Verantwortung für sich selbst, aber eben auch für jene Einsatzkräfte, die bei einem Lawinenabgang ausrücken. Deshalb habe ich kein Verständnis für Personen, die die unüberhörbaren Warnungen und Empfehlungen ignorieren. Wer ohne Erfahrung und trotz hoher Lawinengefahr das freie Gelände betritt, gefährdet sich und andere“, mahnt LH Mattle neuerlich und schließt sich damit den Appellen der Tiroler Bergrettung an. Deren Landesleiter weist auf die große Belastung für die ehrenamtlich tätigen Bergretter hin: „Die Belastung für die Kameradinnen und Kameraden ist an einem solchen Wochenende enorm. Und wir müssen feststellen, dass wenn man in einer solchen Situation in den freien Skiraum fährt, einem das Gespür, die Ausbildung und die Erfahrung fehlt“, sagt Wimmer. Die Alpinpolizei bearbeitete am Wochenende rund 60 alpine Einsatzereignisse, wie Landespolizeidirektor Tomac ausführt: „Insgesamt sehen wir eine sehr professionelle und gute Zusammenarbeit zwischen Alpinpolizei, Bergrettung, Flugpolizei, anderen Einsatzorganisationen und dem Land Tirol.“ Für große Anteilnahme sorgt nach wie vor der Verlust von 10 Verstorbenen in Tirol, die im Februar Lawinenereignissen zum Opfer gefallen sind. „Jeder Verlust ist einer zu viel. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen. Diese traurige Bilanz zeigt einmal mehr, wie ernst man die Warnungen der Lawinenkommissionen und des Lawinenwarndienstes des Landes Tirol nehmen muss“, erklärt dazu LRin Mair.

Wirksamkeit von Lawinenwarnungen am Prüfstand

Die Kommunikationskanäle, mit denen Lawinenkommissionen und das Land Tirol auf die aktuelle Lawinensituation hinweisen, sind vielfältig und reichen von klassischen Medien über die Land Tirol App bis hin zu Social Media Plattformen. Allein die Webseite des Lawinenwarndienstes, www.lawinen.report, wurde vergangene Woche mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Durch die AT-Alert-Gefahreninformation stiegen die Zugriffszahlen in kurzer Zeit rasant an. Wir erfassten 130.000 Aufrufe des Lawinenreports. „Kaum jemand in Tirol kann wohl behaupten, dass er oder sie nicht von der großen Lawinengefahr gewusst hat. Vielfach mangelt es nicht an der Information, sondern am Bewusstsein und der Akzeptanz. WintersportlerInnen sind angehalten, sich bereits bei der Planung von Skitouren und Ähnlichem über die aktuelle Lawinensituation zu informieren und ihr Verhalten den vor Ort vorherrschenden Bedingungen anzupassen“, erklärt Riedl. Unerfahrene Personen unterschätzen häufig die Gefahr. VariantenfahrerInnen werden durch unsere klassischen Kanäle tendenziell weniger leicht erreicht. „Wir bedienen über sämtliche Informationskanäle moderne Schnittstellen und laden alle Tourismusverbände und Seilbahnen ein, möglichst früh diese Informationen über ihre hauseigenen Kommunikationskanäle weiter zu streuen. Diesbezüglich appellieren wir natürlich an alle Beherbergungsbetriebe und Vermieter, ihre Gäste auf Gefahren aufmerksam zu machen und für die aktuelle Lawinensituation zu sensibilisieren. Wir führen bereits Gespräche mit den Tourismusverbänden und Seilbahnunternehmen, wie die Kommunikation in diesem Bereich noch stärker ausgebaut werden kann“, sagt Nairz.

Ausnahme AT-Alert: Eine Million erreichte Endgeräte

In Tirol gibt es aktuell 1.025 Sirenen, die für den Zivilschutzalarm genutzt werden. Für Behörden-Warn-Meldungen wurde mit dem AT-Alert durch das Innenministerium, den Landeswarnzentralen und den Mobilfunkbetreibern im Jahr 2024 auch eine sogenannte „Cell Broadcast“-Technologie technisch umgesetzt. Damit können Meldungen an alle Mobiltelefone innerhalb ausgewählter Handy-Funkzellen verschickt werden. Vergangenes Wochenende wurde dieser Dienst im Rahmen einer Gefahreninformation erstmals für eine Lawinenwarnung verwendet. „Aufgrund der außergewöhnlichen Gesamtlage wurde vergangenes Wochenende mit der AT-Alert-Gefahreninformation auf die große Lawinengefahr hingewiesen. Der AT-Alert ist aber kein gängiges Warninstrument für Lawinenwarnungen, sondern zeigt, wie herausfordernd das Lagebild am Wochenende war“, versichert Rizzoli, dass die Anwendung des AT-Alerts nicht leichtfertig oder inflationär erfolgt. Auch die 245 Tiroler Lawinenkommissionen waren aufgerufen, dem Land Tirol ihre Wahrnehmungen zur AT-Alert-Gefahreninformation zu übermitteln. „Es zeigt sich ein durchwegs positives Bild, auch wenn sehr kritisch gesehen wird, dass mittlerweile auf solche Mittel zurückgegriffen werden muss, um auf die Lawinensituation aufmerksam zu machen. Die AT-Alert-Gefahreninformation hat Aufmerksamkeit erzeugt, ersetzt aber nicht die Eigenverantwortung“, schildert Rizzoli. Offen angesprochen wurde bei der Nachbesprechung auch die technische Verlässlichkeit des AT-Alerts. „Schätzungen zufolge wurden mit der AT-Alert-Gefahreninformation über eine Million Endgeräte erreicht. Bei einem großen Teil der Endgeräte ist sie also entsprechend angekommen. Die Behörden-Warnung wurde durch das Land Tirol nachweislich ordnungsgemäß ausgelöst. Bis die Warnung das Endgerät erreicht, gibt es aber technische Unabwägbarkeiten, die im Gespräch mit den Mobilfunknetzbetreibern angesprochen werden müssen. Ab dem Auslösen hat das Land Tirol keinen Einfluss mehr auf die technischen Komponenten des AT-Alerts, da auf das allgemeine Handynetz zugegriffen wird. Bislang fehlt es seitens der Handynetzbetreiber an der entsprechenden Datenlage und an einer notwendigen Fehleranalyse, die wichtige Aufschlüsse geben würden“, so Rizzoli. Die Landesregierung wird sich dem annehmen, sich mit einem Schreiben an die Mobilfunknetzbetreiber wenden und zu technischen Gesprächen mit dem Land Tirol einladen. Künftig will man weiterhin an den Warnungen durch die lokalen Lawinenkommissionen und den Lawinenwarndienst des Landes Tirol sowie Informationen mittels Presseaussendungen, in den gängigen Medien, durch die Land-Tirol-App und auf den Social-Media-Plattformen festhalten.


Quelle: Land Tirol



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