Oberösterreich: LR Steinkellner - Staudenknöterich, Riesenbärenklau und Ragweed sorgen für Probleme

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Mähen, Absaugen und Entsorgen invasiver Neophyten
Foto: Land OÖ/Direktion Straußenbau und Verkehr,
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Staudenknöterich entlang von Bahnlinien. Das Wurzelsystem des Staudenknöterich reicht oft 2-3 m tief in den Boden.
Foto: Land OÖ/Direktion Straußenbau und Verkehr,
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Riesenbärenklau im Bereich einer Brücke
Foto: Land OÖ/Direktion Straußenbau und Verkehr,
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Ragweed-Pflanze
Foto: Land OÖ/Direktion Straußenbau und Verkehr,
05 Sep 21:00 2022 von Redaktion Salzburg Print This Article

Invasive Neophyten gefährden die Infrastruktur

Als Neophyten ("Neu-Pflanzen") bezeichnet man Pflanzenarten, die nicht von Natur aus in Europa heimisch sind. Sie gelangten als Samen oder Pflanzen nach Mitteleuropa und konnten sich aufgrund geeigneter Umweltbedingungen in der freien Natur ansiedeln und ausbreiten. „Nicht nur wertvolle Pflanzen und Gewächse wie Kartoffeln oder Mais haben sich so in der heimischen Natur angesiedelt. Ebenso haben Problemgewächse in der heimischen Naturlandschaft Wurzeln geschlagen, die zunehmend die heimische Fauna bedrohen und auch zum Problemfall im Bereich der Infrastruktur heranwachsen“, unterstreicht Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner.

StaudenknöterichDer japanische Staudenknöterich wächst in Mitteleuropa vorwiegend an Bach- und Flussufern, an Waldrändern und leider zunehmend auch entlang von Straßen und Bahndämmen. Durch die Wuchshöhe von bis zu 4 Metern und das ausgeprägte Wurzelsystem, das nicht selten 2-3 Meter tief in den Boden reicht, wird die Pflanze zunehmend zum Problem für Kunstbauten und andere Infrastruktureinrichtungen. Der Staudenknöterich überwuchert zunehmend Straßenböschungen und Bahndämme, sein Wurzelwerk dringt oft tief in Entwässerungssysteme und Rohrleitungen ein, was zu Problemen bei der Wasserableitung führt, teilweise werden Rohrleitungen und Drainagen auch durch die starken Wurzeln zerstört. Ebenfalls im Bereich von Brücken und im Straßenbereich, hier vor allem bei den Randsteinen, kann es zu Schäden kommen. Genauso sind Erosionsschäden an Wasserläufen möglich. Für Verkehrsteilnehmer kann der Staudenknöterich durch das rasante Wachstum und die hohe Wuchshöhe und die sich ergebende Sichtbehinderung ebenfalls zum Problem werden. Der Japanische Knöterich war ursprünglich nur in Japan, China und Korea heimisch. Er wurde im 19 Jahrhundert als Tier- und Bienenfutter nach Euro importiert. Welche rasante Ausbreitung und vor allem welche Schäden der Knöterich mittlerweile verursacht, ahnte damals wohl kaum jemand. Da Fraßfeinde größtenteils fehlen, da viele Wildtiere den Staudenknöterich nicht als Nahrung annehmen, kann er sich im Wesentlichen ungehindert ausbreiten. Die Ausbreitung erfolgt fast ausschließlich durch die Ausläufer seiner Rhizome. Diese vermehren sich sehr ungestüm, auch das kleinste Rhizomstück treibt weiter aus. Rhizomteile können leicht durch Flüsse und Bäche aber auch im Reifenprofil von Fahrzeugen verfrachtet werden und treiben am neuen Standort sofort wieder aus. Dort wo sich die Pflanze einmal festgesetzt und größere Bestände gebildet hat, ist eine Bekämpfung nahezu unmöglich.

Seit dem Jahr 2017 wird bei der Oö. Straßenverwaltung ein konsequentes Monitoring des Staudenknöterichs betrieben. Bestände der Pflanze an Landesstraßen wurden in der Oö. Straßendatenbank erfasst. Die Bestandsdaten dienen dem Monitoring sowie der Koordinierung von Bekämpfungsmaßnahmen. Derzeit sind 440 Standorte mit Staudenknöterich an Landestraßen erfasst, mit Beständen von wenigen Quadratmetern bis zu mehreren 1000 m². Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln z.B. Blattherbiziden wie Glyphosat ist auf Straßenbegleitgrün verboten, wäre aber gegen den Staudenknöterich ohnehin wirkungslos. Daher werden die Knöterichbestände vor allem durch mechanisches Entfernen der Pflanzen, möglichst mit dem gesamten Wurzelwerk sowie durch konsequentes Abmähen mit Entsorgung des Mähgutes bekämpft. Wichtig ist dabei, dass das Mähgut entweder verbrannt wird oder in einer Hochtemperatur-Kompostierung verwertet wird. Eine herkömmliche Kompostierung muss vermieden werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass der erzeugte Kompost noch wuchsfähige Pflanzenteile enthält und so unabsichtlich zur Verbreitung des Knöterichs beiträgt. In den letzten Jahren war es durch den konsequenten Kampf gegen den Staudenknöterich möglich, die kleineren Bestandsflächen nachhaltig von der Pflanze zu befreien. Große Bestände können hingegen kaum mehr entfernt werden, hier beschränkt man sich auf die Verhinderung der weiteren Ausbreitung.

"In den letzten Jahren rücken die Probleme mit dem Staudenknöterich im Straßenbereich und an Bahndämmen vermehrt in den Blickpunkt. Die Pflanze führt zu baulichen Schäden und verdrängt zunehmend die heimische Flora. Deshalb wird der Staudenknöterich umgangssprachlich auch als die pflanzliche Pest des Jahrhunderts bezeichnet", so Steinkellner.

Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)Ebenfalls ein invasiver Neophyt, der zunehmend zum Problem für die Straßen- und Bahninfrastruktur wird, ist der Riesenbärenklau, der vor allem wegen seiner enormen Wuchshöhe von bis zu 5 Metern bei einem Stängel-Durchmesser bis zu 10 cm ein Problem darstellt. Der Bärenklau wurde ursprünglich als Bienenweide aus dem Kaukasus importiert und kommt ebenfalls bevorzugt an Waldrändern und im Uferbereich von Gewässern vor, breitet sich aber ebenfalls zunehmend im Bereich von Infrastrukturanlagen aus. Die Verbreitung des Bärenklaus erfolgt vor allem durch Windverfrachtung der Samen, aber auch im Reifenprofil von Fahrzeugen sowie durch Verbringung samenhaltiger Erde. Im Vergleich zum Staudenknöterich erfolgt die Verbreitung des Riesenbärklaus langsamer und auch der Wuchs ist weniger schnell und aggressiv, sodass die Gefahr für die Infrastruktur eher gering ist. Problematisch können hingegen die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sein, da die die Pflanze, insbesondere der Pflanzensaft phototoxische Inhaltsstoffe enthält, die zu Hautentzündungen bis hin zur Blasenbildung führen können. Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus erfolgt wie beim Staudenknöterich durch konsequentes Abmähen mit Entsorgung des Mähgutes.

Ragweed (Ambrosia artemisiifolia )Ein weiterer invasiver Neophyt, der sich zunehmend, vor allem auch an Straßenrändern ausbreitet ist das Ragweed, auch Beifußambrosie oder Beifußblättriges Traubenkraut genannt. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Amerika und wurde im Rahmen von Saatgutlieferungen nach Europa eingeschleppt. Die Weiterverbreitung erfolgt vor allem durch Pollenflug. Ragweed blüht relativ spät, von Juli bis September. Ragweed breitet sich von Osteuropa auch Richtung Österreich auch. Im Vergleich zu Niederösterreich und dem Burgenland ist die Verbreitung in Oberösterreich und dem westlichen Österreich aber noch vergleichsweise gering. Für die Straßeninfrastruktur stellt Ragweed kein nennenswertes Problem dar. Allerdings ist für Fußgeher und Radfahrer ein gewisses Gefahrenpotential gegeben. Die Pflanze stellt nämlich vor allem für Allergiker ein Problem dar. Die Pflanze hat ein sehr hohes Allergiepotential, da die Pollen sowohl Inhalationsallergene, als auch Kontaktallergene sein können. Bei Allergikern können beispielsweise bei Inhalation sowohl allergische Augenentzündungen oder Asthma bzw. bei Hautkontakt auch Hautekzeme oder Nesselfieber ausgelöst werden. Ein Monitoring der Ragweed-Standorte erfolgt durch die Gesundheitsbehörden. Standorte können unter www.ragweedfinder.at abgerufen werden.


Quelle: Land Oberösterreich



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