Niederösterreich: LH Mikl-Leitner bei Bischofsweihe und Amtseinführung von Josef Grünwidl
„Wir brauchen die christlichen Werte heute mehr denn je“
In einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen geraten sei, „brauchen wir die christlichen Werte heute mehr denn je“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am heutigen Samstag in ihrer Ansprache im Anschluss an die Bischofsweihe und Amtseinführung des neuen Erzbischofs der Erzdiözese Wien, Josef Grünwidl. Gerade jetzt brauche es „Menschen, die zuhören und Mut machen – nicht mit einfachen Antworten, sondern mit echter Nähe“, so die Landeshauptfrau. Der neue Erzbischof stehe für diese Nähe: „Du bist mit Herz und Seele eine Stimme des Glaubens, der Zuversicht und der Verantwortung.“
An der feierlichen Amtseinführung im bis auf den letzten Platz besetzten Stephansdom nahmen u. a. auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, die Bundesminister Gerhard Karner und Claudia Bauer, der apostolische Nuntius Erzbischof Pedro Lopez Quintana sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Ökumene und der Religionsgemeinschaften in Österreich sowie alle Bischöfe der österreichischen Bischofskonferenz teil. Nach dem Gottesdienst und vor dem Segen durch den neuen Erzbischof erfolgten Ansprachen durch die niederösterreichische Landeshauptfrau sowie den Bürgermeister von Wien, Michael Ludwig.
In ihrer Rede sprach die Landeshauptfrau von einem „besonderen Tag für die Erzdiözese Wien, für die Kirche in unserem Land, für Niederösterreich und Wien“. Mit Josef Grünwidl werde ein Priester zum Erzbischof bestellt, „der in den Pfarren und Gemeinden Niederösterreichs tief verwurzelt ist“, betonte sie: „Du kennst die Regionen unseres Landes, und du kennst vor allem die Menschen und ihre Sorgen, ihre Hoffnungen, ihre Freude.“ Grünwidl sei seiner Heimat „stets eng verbunden geblieben“, so Mikl-Leitner: „Niederösterreich kennt dich als guten Hirten, als einen Menschen, der zuhört, der begleitet, der tröstet und Orientierung gibt.“
Das Bundesland Niederösterreich stehe zu seinen christlichen Wurzeln, Traditionen und Werten, hielt Mikl-Leitner in ihrer Ansprache weiters fest. „Dort, wo Pfarren lebendig sind, wachsen Nächstenliebe, Zusammenhalt, Ehrenamt und Verantwortung füreinander“, betonte sie. Der christliche Glaube sei in Niederösterreich „Kompass und Richtschnur, wenn wir Verantwortung übernehmen für unsere Kinder und Familien, für die Schwächsten unserer Gesellschaft und für ein solidarisches Miteinander.“
„Ein Neubeginn ist immer auch ein Moment des Dankes“, hielt Mikl-Leitner fest und dankte in diesem Zusammenhang Grünwidls Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn „für dein Vorbild im Glauben, für deine Menschlichkeit, deine geistige Tiefe und für die Brücken, die du gebaut hast.“ Dem neuen Erzbischof versicherte sie, dass das Land Niederösterreich auch in Zukunft ein verlässlicher Partner der Erzdiözese sein werde.
Er habe Josef Grünwidl als „klugen, besonnenen und weltoffenen Seelsorger“ kennen gelernt, sagte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Grünwidl sei „Gottesmann und Menschenfreund in einer Person“, betonte Ludwig. Er heiße Josef Grünwidl „herzlich als neuen Erzbischof von Wien willkommen“ und freue sich „auf die gute Zusammenarbeit“, so der Bürgermeister.
„Für euch bin ich Bischof – mit euch bin ich Christ“, zitierte Josef Grünwidl den heiligen Augustinus in seiner Ansprache nach der Bischofsweihe. Kirche sei „immer mehr als ihre sichtbare Gestalt“, sie definiere sich nicht nur über Strukturen oder Statistiken, sondern Kirche sei „mehr“, zeigte sich der neue Erzbischof überzeugt: „Kirche ist ein Instrument Gottes“, und als solches solle sie „die Melodie Gottes zum Klingen bringen“.
Josef Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs im niederösterreichischen Wullersdorf auf. Er besuchte das Erzbischöfliche Gymnasium Hollabrunn, danach studierte er Theologie in Wien. Sein Diakonatsjahr absolvierte er in Perchtoldsdorf, am 29. Juni 1988 wurde er zum Priester geweiht. Von 1988 bis 1991 war er Kaplan in der Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien und von 1991 bis 1993 Kurat der Dompfarre Wiener Neustadt. 1995 wurde er Sekretär des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn. Von 1998 bis 2014 wirkte Grünwidl als Pfarrer in Kirchberg am Wechsel sowie in den umliegenden Gemeinden Feistritz, St. Corona und Trattenbach. Zusätzlich war er von 2007 bis 2014 Dechant des Dekanats Kirchberg am Wechsel. 2014 kam er in die Pfarre Perchtoldsdorf, wo er bis 2023 als Pfarrmoderator tätig war und ab 2016 auch Dechant des Dekanats Perchtoldsdorf war. Im Jänner 2023 wurde zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd, bevor ihn Papst Franziskus am 22. Jänner 2025, nach dem altersbedingten Rücktritt von Erzbischof Schönborn, zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Wien ernannte. Am 17. Oktober ernannte ihn Papst Leo XIV. zum neuen Erzbischof von Wien.
Quelle: Land Niederösterreich
