Österreich: Handelsabkommen mit Mercosur-Staaten fix - Was das für die österreichische Landwirtschaft bedeutet

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Rindfleischproduktion in Österreich
Foto: Land schafft Leben
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Zuckerproduktion in Österreich
Foto: Land schafft Leben
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Rindfleisch-Importe
Foto: Land schafft Leben
09 Jän 21:00 2026 von OTS Print This Article

Das Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten wurde heute beschlossen, am Montag wird es unterzeichnet. Unter anderem können dadurch festgelegte Mengen südamerikanischer Lebensmittel zu reduzierten Zöllen importiert werden. Der Verein Land schafft Leben erklärt, wie sich das auf die österreichische Landwirtschaft auswirken kann.

Die Verhandlungen um das Freihandelsabkommen zwischen den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay und der Europäischen Union sind nach mehr als 25 Jahren abgeschlossen. Speziell aus der Agrar-Branche hagelt es Kritik, auch in Österreich. Heimische, kleinstrukturierte Betriebe können im Preiskampf gegen Importware nicht mithalten. „Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern fürchten einmal mehr um ihre Zukunft“, erläutert Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben, die aktuelle Diskussion, „Wenn beim Lebensmitteleinkauf der Preis der einzig wichtige Faktor ist, steht es schlecht um unsere Landwirtschaft. Österreich wird es niemals zum billigsten Preis geben, das geht sich mit unseren hohen Produktionsstandards nicht aus. Wir können unseren Bäuerinnen und Bauern nicht eine Auflage nach der anderen erteilen und gleichzeitig billiger produzierte Lebensmittel aus dem Ausland importieren.Kritische Beispiele sind Rindfleisch und Zucker: Hierzulande wird Rindfleisch unter hohen Tierwohlstandards produziert, der CO2-Fußabdruck ist dabei so gering wie sonst nirgends in der EU. Im Ackerbau gelten strenge Pflanzenschutzmittelauflagen, die auch die Zuckerrübenproduktion schwieriger machen. Das spiegelt sich im Preis wider. Rindfleisch und Zucker aus Südamerika können häufig zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Hannes Royer dazu: „Das argentinische Steak wird uns nicht im Kühlregal im Supermarkt begegnen, sondern oft anonym auf dem Teller im Restaurant. Der brasilianische Zucker versteckt sich häufig in verarbeiteten Produkten. Das verdeutlicht einmal mehr, was längst überfällig ist: Wir brauchen eine durchgängige, verpflichtende Herkunftskennzeichnung.

Mitgründerin von Land schafft Leben Maria Fanninger führt weiter aus: „Es ist wichtig, Handelsbeziehungen einzugehen, aber das heißt nicht, dass unsere hochwertige österreichische Produktion darunter leiden darf.“ Sie ruft Konsumentinnen und Konsumenten sowie Gastronomiebetriebe dazu auf, sich die Folgen ihrer Kaufentscheidungen bewusst zu machen: Jedes Mal, wenn wir uns für Fleisch oder Zucker aus dem Ausland entscheiden, tun wir das auf Kosten unserer Landwirtschaft, unseres Lebensraumes, der Umwelt, von Mensch und Tier. Gerade jetzt, wenn Lebensmittel aus Südamerika zu reduzierten Zöllen oder gänzlich zollfrei in die EU importiert werden können, macht es einen großen Unterschied, wenn man bewusst zu heimischer Ware greift. Davon hängt die Zukunft unserer österreichischen Bauernhöfe und somit unserer Versorgungssicherheit ab.“ Bei Rind- und Kalbfleisch etwa reicht der Selbstversorgungsgrad in Österreich an die 150 Prozent – „notwendig“ wären Importe dementsprechend nicht.

Nachteile: Preisdruck und Sorge vor niedrigeren Produktionsstandards

Um die Sorge der EU-Bäuerinnen und -Bauern vor einem erhöhten Preisdruck zu mildern, sieht das Abkommen für kritische landwirtschaftliche Erzeugnisse Beschränkungen vor. Beim Rindfleisch etwa darf nur eine gewisse Menge zu günstigen Konditionen eingeführt werden. Konkret bedeutet das: zwei zusätzliche Kontingente von insgesamt 99.000 Tonnen Rindfleisch zu einem vergünstigten Zollsatz. In Summe entspricht diese Importmenge laut WIFO 1,5 Prozent der Menge, die in der EU produziert wird. Trotzdem gilt: Importierte Lebensmittel aus den Mercosur-Staaten beeinflussen den europäischen Markt und somit auch die nationale Preisentwicklung – teilweise bereits geringe Importmengen. In Südamerika gelten meist weniger strenge Produktionsauflagen als in Österreich, etwa im Hinblick auf Tierwohl, Umwelt und Klima oder Arbeitsbedingungen. Dem Handelsabkommen zufolge müssen aber zumindest die Produkteigenschaften der importierten Lebensmittel EU-Standards einhalten, etwa in Bezug auf Rückstands-Grenzwerte von Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln oder etwa die Nicht-Verwendung von Hormonen in der Rindermast. Stark in der Kritik stehen außerdem großflächige Rodungen von südamerikanischem Regenwald, die Biodiversität und Klima negativ beeinflussen.

Vorteile: neue Absatzmärkte und reduzierte Abhängigkeiten

Nicht nur für andere Wirtschaftssektoren, auch innerhalb der Agrar-Branche bringt das Handelsabkommen Vorteile mit sich. Beispielsweise eröffnet der vereinfachte Export von Wein und anderen Spezialitäten in Mercosur-Staaten neue Marktchancen und kann sich positiv auf den Absatz und die Preisentwicklung auswirken. Geografische Herkunftsbezeichnungen der EU werden vor Nachahmung geschützt, unter anderem auch 13 österreichische Spezialitäten wie Tiroler Speck oder Steirisches Kürbiskernöl. Viele Wirtschaftsexpertinnen und -experten begrüßen das Abkommen: In Zeiten wachsender globaler Unsicherheiten seien stabile Handelsbeziehungen die Grundlage von Wohlstand und Sicherheit.


Quelle: OTS



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