Steiermark: Girls’ Day 2026 - Berufswahl wird vielfältiger
Foto: Land Steiermark/Melanie Laimer
Foto: Land Steiermark/Melanie Laimer
Viele Aktionen in der Steiermark – und erstmals ein Boys’ Day im Landesdienst!
Graz (14. April 2026).- Der Girls' Day 2026, der heuer am 23. April bereits zum 23. Mal stattfinden wird, setzt erneut in der gesamten Steiermark Impulse, um Jugendlichen neue Perspektiven zu eröffnen – praxisnah, vielfältig und frei von Rollenklischees. Dabei öffnen 148 Unternehmen ihre Türen für 782 Schülerinnen aus 85 Schulen und ermöglichen Einblicke in technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe.
Der Girls' Day wird seit 2004 von der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft im Auftrag des Landes Steiermark organisiert. Heute ist er Teil eines umfassenden Netzwerks an Maßnahmen, die zeigen, dass die Bemühungen Mädchen auch für traditionell männlich dominierte Berufsfelder zu begeistern, Früchte tragen.
Die Zahlen zeigen die klare und erfreuliche EntwicklungDas Berufswahlspektrum von Mädchen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich erweitert. Während 2004 noch 74,4 % der Mädchen einen der zehn häufigsten Lehrberufe wählten, waren es 2020 60,8 %, 2025 gar nur mehr 55,0 %. Diese Entwicklung steht für eine zunehmend vielfältige und selbstbestimmte Berufswahl. Immer mehr Mädchen entscheiden sich für Lehrberufe außerhalb der klassischen Top-10. Während früher die Berufswahl stark auf wenige Lehrberufe konzentriert war, entscheiden sich Mädchen heute für ein deutlich breiteres Spektrum.
Der Lehrberuf Metalltechnik zählt seit 2014 konstant zu den vier beliebtesten Lehrberufen von Mädchen und erreichte 2024 Platz 3. Elektrotechnik ist in der Steiermark seit 2020 unter den Top-10-Lehrberufen von Mädchen und liegt seit 2023 auf Rang 7. Parallel dazu steigt auch der Frauenanteil in höheren technischen Schulen (HTL) sowie in Studienrichtungen wie Informatik und Ingenieurwissenschaften kontinuierlich.
Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom unterstreicht die Bedeutung des Girls‘ Day und das Aufbrechen verfestigter Geschlechterrollen für den Wirtschaftsstandort: „In jedem steirischen Bezirk gibt es Unternehmen, die sich beim Girls Day beteiligen und jungen Mädchen und Frauen ihr Unternehmen vorstellen. Denn die Wirtschaft kann es sich nicht leisten, dieses unglaubliche Potential, das in jungen Frauen steckt, einfach liegen zu lassen. Denn ein Beruf fragt nicht nach dem Geschlecht, sondern nach den Fähigkeiten. Warum jemand nur wegen seinem Geschlecht gewisse Berufe schlechter ausüben soll, das konnte mir noch niemand schlüssig erklären.“
Zum zweiten Mal nimmt auch das Land Steiermark als Arbeitgeber am Girls‘ Day teil und bietet jungen Frauen die Möglichkeit, einen Tag lang in die Tätigkeiten von drei Abteilungen (Abt. 15 - Energie, Wohnbau Technik, Abt. 17 - Landes- und Regionalentwicklung, Abt. 10 - Versuchsstation für Spezialkulturen) hineinzuschnuppern.
Erstmals der Boys' Day im Landesdienst stattGleichzeitig wird das Angebot heuer erweitert. Erstmals findet auf Initiative von Frau Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom ein Boys' Day im Landesdienst statt. Mit dem Boys‘ Day soll eine weitere Initiative gestartet werden, nicht nur einzementierte Rollenbilder junger Mädchen aufzubrechen, sondern auch jungen Burschen neue Möglichkeiten zu ermöglichen. Exemplarisch dafür steht Valentin Strohmaier, der nach seiner Berufsausbildung nun als Pädagoge im LUV-Kindergarten in einer eher weiblich dominierten Branche arbeitet.
„Berufsbilder wie die ‚Kindergartentante oder Krankenschwester‘ sind traditionell mit Frauen verbunden. Ich bin froh, dass sich hier schon etwas getan hat und zunehmend auch junge Männer in weibliche Berufsbilder drängen. Wir wollen diese Entwicklungen stärken und führen daher heuer auf meine Initiative hin im Landesdienst erstmals auch einen Boys‘ Day ein. Denn auch junge Burschen haben es sich verdient, nicht von Geschlechterklischees in ihrer Berufswahl eingeschränkt zu werden“, so Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom.
Valentin Strohmaier, Kindergartenpädagoge im Betriebskindergarten des Landesbediensteten-Unterstützungsvereins: „Ich habe als Mann in der Elementarpädagogik bisher nur positive Erfahrungen gesammelt. Männliche Elementarpädagogen haben hier eine wertvolle Rolle, denn Kinder brauchen unterschiedliche Vorbilder. Es geht dabei nicht darum, in ein Rollenbild zu passen, sondern die Kinder in ihrer Kindheit zu begleiten. Dieser Beruf ist mehr als nur ein Job, er ist eine tägliche Aufgabe und große Bereicherung. Ich kann nur allen Burschen empfehlen: Traut euch, diesen Beruf auszuprobieren!“
„Der Girls´ Day und der Boys´ Day haben ein gemeinsames Ziel,“ so Wolfgang Obendrauf, Regionalverantwortlicher für den Boys´ Day in der Steiermark, „die alternative Berufsorientierung für alle. Viele Mädchen werden am Girls´ Day technische Berufe erkunden. Die Burschen bleiben über. Darum organisieren wir auch an diesem Tag Boys` Day Workshops und Einrichtungsbesuche. 17 Schulen haben bereits steiermarkweit für den 23. April 29 Einrichtungsbesuche mit 189 Teilnehmern gebucht. Wir erwarten weiteren Zuwachs.“
Den Schwerpunkt bildet aber weiterhin der Girls‘ Day. Er ist längst ein fixer Bestandteil der steirischen Bildungslandschaft und der steirischen Unternehmen. Das Feedback der Unternehmen aus den Jahren zuvor ergab, dass die Mehrheit der weiblichen Mitarbeiterinnen den Girls´ Day kennen oder auch bereits selbst am Girls´ Day teilgenommen haben. 2025 gaben 21 Unternehmensvertreterinnen und Vertreter an, dass sie durch den Girls´ Day einen weiblichen Lehrling im Unternehmen aufnehmen konnten.
Weitere Statements zur Initiative„Der Girls´ Day ist für mich weit mehr als ein einzelner Aktionstag – er ist ein wichtiger Baustein, um Mädchen frühzeitig für die Chancen technischer Berufe zu begeistern“, so Gabi Lechner, Vizepräsidentin WKO Steiermark und Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft. „Unsere Betriebe in der Steiermark stehen vor großen Herausforderungen: Der Fachkräftebedarf steigt, gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Pension. Wenn wir diese Lücke schließen wollen, brauchen wir das Talent junger Frauen noch viel stärker in Technik, Digitalisierung und Zukunftsbranchen. Wir wissen aus vielen Gesprächen mit Betrieben und jungen Menschen: Oft scheitert eine technische Karriereentscheidung nicht an fehlender Begabung, sondern an fehlenden Informationen und Vorbildern. Genau hier setzen wir als Wirtschaftskammer an – mit Angeboten wie dem Talentcenter, dem Center of Excellence oder unseren Skills-Initiativen. Wir wollen Mädchen und junge Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, Klischees zu hinterfragen und ihre Stärken selbstbewusst einzusetzen. Der Girls´ Day zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie groß die Neugier und Begeisterung ist, wenn junge Frauen reale Einblicke in Betriebe und technische Berufe bekommen. Diese Begeisterung müssen wir nutzen und weiter stärken. Denn jede junge Frau, die sich für einen technischen Lehr- oder Studienweg entscheidet, ist ein Gewinn – für sie selbst, für unsere Betriebe und für den Wirtschaftsstandort Steiermark.“
„Der Girls' Day zeigt, wie wirkungsvoll Berufsorientierung sein kann, wenn Schule und Betrieb zusammenwirken. Jugendliche brauchen reale Einblicke, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Berufswahl ist kein einmaliger Moment, sondern ein Prozess, der Orientierung, Erfahrung und Reflexion erfordert“, betont Michaela Marterer, Geschäftsführerin der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft. Für sie liegt der Schlüssel vor allem in der Kombination unterschiedlicher Angebote: „Berufsorientierung gelingt dann besonders gut, wenn Jugendliche unterschiedliche Zugänge haben – vom Workshop über digitale Formate bis hin zum direkten Einblick im Betrieb. Genau diese Vielfalt macht den Girls' Day so wirksam.“
„Rund um den Girls' Day finden in den steirischen AMS-BerufsInfoZentren (BIZ) verstärkt „tech4girls" Workshops sowie Angebote im Rahmen von „Berufe haben kein Geschlecht" statt. Junge Frauen und Mädchen erhalten die Möglichkeit, neue Tätigkeiten auszuprobieren, ihr Potenzial zu entdecken und sich über gut bezahlte, zukunftsorientierte Berufe zu informieren. Für viele Mädchen ist es ein echtes Aha-Erlebnis, wie breit die Berufswelt ist und welche Chancen außerhalb der klassischen „Frauenberufe" auf sie warten. Das FIT Programm (Frauen in Handwerk und Technik) des AMS unterstützt Mädchen und Frauen dabei, sich frühzeitig für technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe zu orientieren und Ausbildungs- und Berufsperspektiven zu entwickeln. Die starke Teilnahme steirischer Unternehmen zeigt deutlich: Berufe haben kein Geschlecht. Wer Rollenbilder aufbricht, gewinnt! Unternehmen profitieren von mehr Diversität, neuen Perspektiven und weiblichen Fachkräften. Gleichstellung am Arbeitsmarkt ist kein Randthema - sie entscheidet darüber, wie viel Potenzial wir als Gesellschaft nutzen“, meint dazu Magret Nößler, AMS Steiermark, Koordination FiT (Frauen in Handwerk und Technik).
„Seit über 20 Jahren gibt es diesen besonderen Tag mit dem Ziel, junge Mädchen für technische Berufe, Ausbildungen und Studiengänge zu begeistern. Jahr für Jahr blicken uns junge Frauen von Fotos und Werbeplakaten entgegen, die im Blaumann in einer Werkstatt oder weit oben auf einem Gerüst mit einem Bauhelm stehen. Sie zeigen, dass Frauen in den klassischen „Männerberufen" angekommen sind. Aber scheinbar noch lange nicht in allen Berufen. Denn egal ob man die Lehrlingsstatistiken oder die Frauenquote bei technischen Studien ansieht, es gibt noch immer sehr viel Luft nach oben. Genau deshalb ist der Girls` Day jedes Jahr so bedeutend: er bietet hunderten Mädchen eine hervorragende Möglichkeit, technische Berufe kennenzulernen und somit das Spektrum der Berufswahl zu erweitern und neue Perspektiven zu eröffnen“, bekräftigt Alexandra Hörmann, Bereichsleitung Bildung der AK.
Daher wird der Girls´ Day mit dem digitalen Format des Online-Abenteuers ergänzt, dass seit 7. April auf der Website des Girls´ Day gespielt werden kann. Auch unter dem Motto „Girls´ Day meets Boys´ Day – weil Beruf kein Geschlecht kennt“ führt das Abenteuer durch die drei Räume Handwerk/Technik, Naturwissenschaften und Soziales und bietet interessante Rätsel und Aufgaben sowie wertvolle Informationen für die Berufsorientierung für Mädchen und Jungs.
Quelle: Land Steiermark
