Tirol: Gegen das Vergessen - Veranstaltungen im April
Die neue Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ im Landhaus fußt auf Justmans autobiografischem Bericht – dem ersten literarischen Textzeugnis einer Holocaust-Überlebenden aus Tirol.
Copyright: Land Tirol/Christanell
Seit 2025 kann die Ausstellung von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr im Tiroler Landhaus besichtigt werden.
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Begleitprogramm zur Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ – Ausblick auf die nächsten Veranstaltungen
- Buchpräsentation „Nie mehr still“ am 16. April in Innsbruck
- Erinnerungskultur auch in den Bezirken: Fluchtgeschichten am 23. April im Ötztal
- Weitere Veranstaltungen: „Lange Nacht der Forschung“ und Musiktheaterabend in Innsbruck
- Programm und Veranstaltungskalender zu „Tirol erinnert“ unter tirol.gv.at/erinnern
Eine Buchpräsentation, Geschichten von ZeitzeugInnen und ein Musiktheaterabend im Landhaus – auch im April ergänzt ein vielseitiges Programm die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ im Landhaus. Im Mittelpunkt stehen eine literarische Spurensuche in Innsbruck und ein historischer Abend im Ötztal, dessen Bergwelt einst zum Zufluchtsort für Holocaust-Überlebende wurde. Für Kulturreferent LH Anton Mattle ist es ein besonderes Anliegen, die Geschichte von Leokadia Justman auch außerhalb der Landeshauptstadt zu erzählen: „Erinnerungskultur muss auf die Menschen zugehen. Mit Veranstaltungen in Innsbruck und den Regionen wollen wir noch mehr Menschen für die Vergangenheit im eigenen Land sensibilisieren. Leokadias Schicksal bietet hier viele Möglichkeiten zum Anknüpfen – und zum Nachdenken.“ Seit dem Start 2025 haben knapp 5.900 BesucherInnen (Stand 3. April 2026) die Ausstellung im Landhaus besichtigt.
Literarische Spurensuche: Lesung aus dem Buch „Nie mehr still“ in Innsbruck
Eine fesselnde Familiengeschichte und die Reise zu sich selbst: Sandra Pioro präsentiert am Donnerstag, 16. April (19.30 Uhr), in der Wagner’schen Buchhandlung in Innsbruck ihr autobiografisches Werk „Nie mehr still“. Darin erzählt die Schriftstellerin vom bewegenden Schicksal ihres Vaters Samuel Pioro, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachte er einige Zeit im Lager Reichenau in Innsbruck – und traf dort wahrscheinlich Leokadia Justman. Sandra Pioro gibt Einblicke in ihre Spurensuche, spricht über das Schweigen der Vergangenheit und über ihre Selbstfindung: als Tochter eines Überlebenden, als Künstlerin und als jüdische Frau. Auch sie hat eine persönliche Bindung zu Innsbruck: Als Schauspielerin coacht Sandra Pioro die „Rote-Nasen-Clowndoctors“. Anmeldungen sind bis 15. April unter [email protected] möglich. Der Eintritt kostet 9 Euro bzw. 7 Euro mit Wagner- oder Ö1-Karte.
Flucht und Überleben im Ötztal
Zwei Spuren der Überlebensgeschichte von Leokadia Justman führen ins Ötztal: das Schicksal des jüdischen Ehepaars Rosi und Eugen Ginzel, später Trauzeugen von Leokadia, und ihres polnischen Fluchthelfers Jerzy Rybarczyk. Die Ötztaler Bergwelt erscheint dabei als Ort der Zuflucht – aber auch als Schauplatz existenzieller Entscheidungen. Die Veranstaltungsreihe „Tirol erinnert“ rückt diese Überlebensgeschichten am 23. April gemeinsam mit den Ötztaler Museen in den Mittelpunkt. Moderiert wird der Abend von Edith Hessenberger. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im Turmmuseum Oetz statt, eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Ausblick: Weitere Programmpunkte im April
Neben diesen beiden Veranstaltungen stehen weitere Kulturabende am Programm: Die Justman-Werkstatt in Innsbruck lädt am 24. April zur „Langen Nacht der Forschung“. WissenschaftlerInnen des Justman-Forschungsprojekts rund um Kurator Dominik Markl laden Interessierte – vor allem auch Familien und junge Gäste – an den Karl-Rahner-Platz 1 in Innsbruck ein. Dort können die BesucherInnen anhand von Dokumenten, Fotos und Online-Ressourcen in die Forschung zu Justman eintauchen und mit Experten darüber sprechen. Wenige Tage später, am 29. April, verspricht ein Musiktheaterprojekt einen abwechslungsreichen Abend im Landhaus. Die Militärmusik Tirol und Sängerin Elisabeth de Roo widmen sich dem Widerstand gegen das NS-Regime und bieten historischen Persönlichkeiten eine musikalische Bühne.
Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“
Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ergänzt als Sonderpräsentation die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden (Ausnahmen: 20. Februar, 6. März, 10. April, 19. Juni, 26. Juni, 18. September, 13. November, 20. November 2026).
Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN:AT des OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.
Quelle: Land Tirol
