Österreich: E-Control - Fünf Jahre Krisenbewältigung

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E-Control: Fünf Jahre Krisenbewältigung
Foto: Anna Rauchenberger / E-Control
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17 Mär 21:00 2026 von OTS Print This Article

Nicht nur die Konsument:innen waren gefordert – Mehr Auf als Ab bei den Preisen – Krisensituation gut gemeistert – Rolle von Gas hat sich geändert –Große Herausforderungen f. Netze

Am 25. März 2021 hat das derzeitige Vorstandsteam der E-Control, Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, seine Arbeit aufgenommen. „Die vergangenen fünf Jahre waren nicht nur für uns als Regulierungsbehörde sehr herausfordernd, sondern für die gesamte Energiewirtschaft und nicht zuletzt auch für die Konsument:innen. Zusammengefasst kann man ohne Übertreibung sagen, dass in den vergangenen fünf Jahren die Krisenbewältigung im Fokus stand.“, zieht Vorstand Wolfgang Urbantschitsch, dessen Vertrag nach zwei Funktionsperioden nicht noch einmal verlängert werden kann, Bilanz. Und er betont: „Auch jetzt stehen wir wieder vor herausfordernden Zeiten. Heute wollen wir aber in erster Linie noch einmal zurückschauen.“ Und er beginnt mit einem Rückblick auf den Endkundenmarkt.

Turbulente Zeiten liegen hinter uns – oder auch nicht

„Dass es am Energiemarkt in den letzten fünf Jahren turbulent zugegangen ist, zeigt sich am Auf und Ab der unterschiedlichen Angebote für Endkund:innen, aber auch an der Preisentwicklung. Die Preissituation reflektiert die verschiedenen Umbrüche der letzten fünf Jahre.“, erläutert Wolfgang Urbantschitsch eine Situation, die wohl jede Konsument:in während der letzten fünf Jahre in der eigenen Geldbörse bemerken musste. Und weiter: „Heute beobachten wir wesentlich volatilere Preisentwicklungen im Vergleich zu den Jahren von 2015 bis 2020.“ Ein Teil der Volatilität war durchaus vorherzusehen, aber die aktuelle geopolitische Situation verstärkt diese noch.

Nicht nur eine Krise, sondern gleich zwei

In den letzten fünf Jahren galt es, gleich zwei Krisen zu bewältigen, die beide prägende Einschnitte am Energiemarkt gebracht haben: Zunächst die Covid-Pandemie, die dazu führte, dass der Energieverbrauch aber auch die Preise massiv gesunken sind, und im Februar 2022 löste der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eine Energiepreiskrise in ganz Europa aus. „Erste Preisauswirkungen haben wir aber bereits Mitte 2021 gesehen. Zu dem Zeitpunkt hatte das strategische Zurückhalten von russischen Gaslieferungen bereits spürbare Effekte auf die Großhandelsmärkte. Zunächst wurde vor allem Gas deutlich teurer, in Folge auch Strom. Ende 2021 und insbesondere mit dem Beginn des Krieges im Februar 2022 stiegen die Preise im Sommer rasant - aber nur kurzfristig - auf über 600 EUR/MWh für Strom und über 200 EUR/MWh für Gas an. An einzelnen Handelstagen kam es zu einer Verzehnfachung des üblichen Preises am Terminmarkt, da eine allgemeine Gasmangellage befürchtet wurde. Die Spitze wurde im August 2022 erreicht.“, blickt Urbantschitsch auf schwierige Zeiten zurück.

Die Situation an den Märkten beruhigte sich erst im Laufe des Jahres 2023 wieder: Neue Lieferwege für Gas wurden etabliert, indem Flüssiggasterminals in Europa neu aufgebaut bzw. erweitert wurden. Der historische Ost-West-Gasfluss kam in diesem Zusammenhang nahezu vollständig zum Erliegen und verläuft heute durch den Stopp russischer Gasimporte im Dezember 2024 in umgekehrter Richtung. LNG-Importe und mehr Pipeline-Gas aus Norwegen, Afrika sowie Zentralasien konnten ausgefallene russische Lieferungen kompensieren.

„Aktuell gibt es neuerlich eine Beunruhigung der Energiemärkte. Die Gaspreise liegen aktuell etwa bei 50 ?/MWh. Das hat kurzfristig noch wenig Einfluss auf die Strompreise. Sollten aber die Gaspreise auch im kommenden Winter höher bleiben als zuletzt, so ist hier mit wesentlichen Auswirkungen auch auf den Strompreis der Haushalte zu rechnen. Die nächsten Wochen werden wohl entscheidend sein, ob dieses Szenario eintritt oder nicht.“, wirft Urbantschitsch einen Blick in die Zukunft, bevor er weiter Bilanz zieht.

Es wurde viel getan, um die Preise zu stabilisieren

Die oben erwähnten Entwicklungen stabilisierten auch den Stromgroßhandel. Vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten lagen die Preise für Year-Ahead Base-Produkte bei unter 90 EUR/MWh für Strom und etwa 35 EUR/MWh für Gas. „Diese Preise waren zwar noch über dem Vorkrisenniveau, stellten im Großhandel im Vergleich zu den letzten Jahren aber eine Normalisierung dar. Derzeit sieht die Lage leider wieder anders aus.“, bedauert Urbantschitsch.

Mehr Auf als Ab bei den Preisen

Weil Strom- und Gaslieferanten in der Krise zu deutlich höheren Preisen einkaufen mussten, wurden diese Extrakosten weitergegeben, was auch bei den Endkund:innen zu erheblichen Preissteigerungen führte. Preise für Neukundenangebote stiegen zu Beginn der Krise extrem an und erreichten im September und Oktober 2022 ihr Maximum. „Laut dem Tarifkalkulator der E-Control kostete das günstigste Neukundenangebot für Strom über 42 Cent/kWh und für Gas über 25 Cent/kWh für den Energieanteil. Die Bestandskundenverträge waren aufgrund einer verzögerten Preisanpassung und der längerfristigen Beschaffung in der Hochphase der Krise daher günstiger als Neukundenangebote, was den Wettbewerb auf dem Endkundenmarkt weiter einschränkte. Die Preissprünge der Energiepreiskrise von 2022 wirkten sich hier zwar nicht derart direkt aus, beeinflussen aber dafür Jahre später noch die Preise vieler Kund:innen.“, erläutert Urbantschitsch die vergangene Preissituation. Der Preis für Bestandskundenverträge stieg bei den großen Lieferanten ab Anfang 2023 deutlich an. Diese erreichten erst verzögert, im April 2023, mit durchschnittlich knapp 24 Cent/kWh für Strom und 12 Cent/kWh für Gas Höchststände.

Unterstützung auf Zeit

Um die enormen Preisausschläge für Energie abzufedern und die Kund:innen finanziell zu entlasten, ergriff die österreichische Regierung eine Reihe von Maßnahmen. Dazu gehörten die Senkung der Energieabgaben und der Stromkostenzuschuss, der den Arbeitspreis bis zu einem Verbrauch von maximal 2.900 kWh mit bis zu 30 Cent/kWh unterstützte.

„Diese schwierigen Zeiten, vor allem auch was die Preise für Endkund:innen betrifft, haben wir im Moment zwar hinter uns gelassen. Derzeit sehen wir sowohl für Neukund:innen als auch für Bestandskund:innen wieder deutlich attraktivere Preise. Geopolitische und klimatische Instabilitäten sowie die Transformation des Energiesystems werden aber auch in den kommenden Jahren die Preise beeinflussen und zu Volatilitäten führen. Ein Faktor wird dabei auch sein, wie lange der Krieg im Nahen Osten andauert. Die beste Option für Kund:innen bleibt weiterhin, Einsparpotenziale wahrzunehmen, ihren Energieverbrauch im Auge zu behalten und regelmäßig den Strom- oder Gasanbieter zu wechseln.“, rät Urbantschitsch einmal mehr.

Krise traf auch die Angebote

Nicht nur die Preise selbst, sondern auch die Anzahl der Anbieter und das Produktangebot für Neukund:innen wurden von der Energiekrise stark beeinflusst. 2020 und 2021 erreichte die Anzahl der österreichweit anbietenden Lieferanten einen Höchststand. Bei Strom gab es über 55 Lieferanten, die Neukundenprodukte anboten, bei Gas mehr als 25. „Mit der aufkommenden Krise reduzierte sich die Anzahl der Lieferanten allerdings schlagartig. Viele große Lieferanten zogen sich rein auf „ihre“ lokalen Netzgebiete zurück. Bereits Ende 2021 gab es österreichweit nur noch zehn Gaslieferanten. 2022 sank die Anzahl weiter auf drei. Der österreichweite Wettbewerb auf dem Gasmarkt kam dadurch faktisch zum Erliegen. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich bei Strom: Anfang 2022 zogen sich zahlreiche Lieferanten aus dem österreichweiten Wettbewerb zurück, sodass nur noch 20 Lieferanten verblieben. Ende 2022 sank die Zahl weiter auf unter 15.“, erinnert sich Urbantschitsch an herausfordernde Zeiten.

Zwischen 2021 und 2023 zogen sich insgesamt 14 Strom- und 11 Gaslieferanten vollständig aus dem Endkundengeschäft zurück. Die Zahl der österreichweit anbietenden Lieferanten erholte sich nur langsam und liegt weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. Ende 2025 gab es rund 40 österreichweit anbietende Stromlieferanten, mehr als ein Viertel weniger als noch Anfang 2021. Mehr als 15 „potenzielle“ Stromlieferanten, die bereits österreichweit tätig waren, sind bisher nicht wieder auf den österreichweiten Markt zurückgekehrt. Bei Gas gibt es Ende 2025 15 österreichweite Lieferanten und damit fast die Hälfte weniger als Anfang 2021, sowie sieben potenzielle Lieferanten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Neukundenangebote im Tarifkalkulator. Durch die Krise verringerte sich das Angebot für Kund:innen erheblich. 2021 konnten österreichische Kund:innen noch aus über 150 Strom- und fast 140 Gas-Neukundenangeboten wählen. Bis Mitte 2022 fiel das Angebot jedoch auf rund 20 bei Strom und 10 bei Gas. „Während sich das Produktangebot für Neukund:innen bei Strom in den Folgejahren, auch durch die Ausweitung von Spotmarkt- und Floaterprodukten, dem Vorkrisenniveau annäherte, stehen bei Gas auch Ende 2025 nur etwa 60 Neukundenangebote zur Verfügung. Die Anzahl an Neukundenprodukten hat sich bei Gas somit auf rund ein Drittel des ursprünglichen Angebotes reduziert.“, bedauert Urbantschitsch.

Wettbewerbsprobleme haben sich verschärft

Die Energiekrise hat bestehende Wettbewerbsprobleme auf dem österreichischen Endkundenmarkt verschärft, was sich – wie erwähnt – an der reduzierten Auswahl an österreichweit anbietenden Lieferanten und Neukundenprodukten bemerkbar gemacht hat.

Eine Taskforce, die gemeinsam mit der Bundeswettbewerbsbehörde ins Leben gerufen wurde, sollte die Wettbewerbssituation in und nach der Krise im Detail bewerten. Nach zwei Zwischenberichten wurde im Juni 2025 der Abschlussbericht veröffentlicht und die Arbeit der Taskforce vorerst abgeschlossen. Dabei wurden wichtige (krisenbedingte und strukturelle) Wettbewerbseinschränkungen am österreichischen Strom- und Gasmarkt festgestellt und Empfehlungen erarbeitet.

Viel Luft nach oben bei den Wechselzahlen

Nachfrageseitig gibt es in Österreich nur einen geringen Wettbewerbsdruck, denn die Wechselraten liegen im europäischen Vergleich im unteren Drittel. In der Krise führten fehlende Einsparpotenziale kurzfristig zu einem starken Rückgang der Wechselraten, bevor es wieder attraktiver wurde, zu günstigeren Neukundenprodukten zu wechseln. Die Wechselrate der letzten beiden Jahre war bei Strom höher als vor der Krise, was aus Wettbewerbssicht positiv zu beurteilen ist. Bei Gas gab es 2021 und 2022 ebenfalls einen Einbruch, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2023; seitdem liegt die Wechselrate etwas unter dem Vorkrisenniveau. Im Jahr 2025 wechselten 5,4% der Kund:innen ihren Strom- und 6,3% ihren Gaslieferanten. „Bei der Wechselrate sehen wir nach wie vor viel Luft nach oben. Aber nachdem in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 einige Unternehmen Preissenkungen angekündigt haben, erwarten wir uns, dass die Dynamik beim Lieferantenwechsel weiter zunimmt. Ein Vergleich der Strom- und Gastarife bleibt enorm wichtig. Mehrere hundert Euro im Jahr können beim Wechsel des Strom- und Gasanbieters nämlich sehr einfach eingespart werden.“, betont Urbantschitsch einmal mehr.

E-Control gab Konsument:innen Stabilität

Die Krisen der vergangenen Jahre hatten Einfluss auf viele Bereiche, auch innerhalb der E-Control. So war die Arbeit der Beratungsstelle der E-Control ebenfalls maßgeblich durch die Entwicklungen bzw. Verwerfungen auf den Energiemärkten geprägt. Bereits am Ende des Jahres 2021 machten sich steigende Gaspreise bei den Haushalten bemerkbar, die sich zur Beratung, aber auch mit Beschwerden, an die Beratungsstelle wandten. Die Konsument:innen waren zum Beispiel auf der Suche nach günstigeren Angeboten oder verlangten Aufklärung über die Preisgestaltungsmöglichkeiten ihrer Gaslieferanten.

Ab dem Jahr 2022 war die Energiepreiskrise auch in der Sparte Strom bemerkbar und die Beratungskontakte vervielfachten sich. Einige Energielieferanten, darunter auch große Energieversorgungsunternehmen, sprachen ihren Kund:innen gegenüber Kündigungen aus und legten neue Verträge vor, um so Preiserhöhungen durchzusetzen.

„Die Rekordzahlen an Beratungen bei der E-Control des Jahres 2022 wurden im Jahr 2023 noch einmal übertroffen. Unglaubliche 42.700 Beratungskontakte wurden abgewickelt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Preiserhöhungen bei fast allen Haushalten angekommen und die Beratungsstelle unterstützte auch viele Haushalte und kleinere Gewerbe, die mit Zahlungsschwierigkeiten konfrontiert waren oder denen bereits eine Abschaltung angedroht wurde. Die teilweise signifikanten Preissprünge bei den Strom- und Gaspreisen wurden durch Unterstützungsmaßnahmen der damals amtierenden Bundesregierung gedämpft. Auch zu diesen Maßnahmen und vor allem deren rechtmäßigen Umsetzung wurden zahlreiche Fragen an die Beratungsstelle gestellt. Eines steht fest - in unsicheren Zeiten war die E-Control DIE Konstante für die Konsument:innen.“, erinnert sich Urbantschitsch an die Zeiten extrem hoher Arbeitsbelastung bei den Kolleg:innen der Beratungsstelle.

2024 ist erstmals wieder Beruhigung eingetreten

Erst ab dem Jahr 2024 zeichnete sich – auch bei der Beratungsstelle – wieder Beruhigung ab. Wie erwähnt wurde die Angebotslandschaft der Energielieferanten wieder attraktiver. „Vielleicht machte sich mitunter auch ein gewisser Gewöhnungseffekt an das höhere Preisniveau bemerkbar. Nichtsdestotrotz kämpften immer noch viele Haushalte mit den deutlich höheren Preisen und das Angebot der Beratungsstelle wurde immer noch stark genützt.“, so Urbantschitsch. Ihm ist aber bewusst, dass natürlich auch die Kundenservices der Energielieferanten und Netzbetreiber in dieser Zeit mit einem erhöhten Anfrage- und Beschwerdevolumen zu tun hatten. „Viele Beschwerden, die an die Beratungsstelle der E-Control herangetragen wurden, bemängelten auch die schlechte Erreichbarkeit der eigenen Vertragspartner.“, erläutert er dazu.

Der Februar 2022 hat tiefe Einschnitte gebracht

Schon der Beginn der aktuellen Vorstandsperiode hat mit steigenden Strom- und Gaspreisen begonnen. „Wirklich dramatische Einschnitte hat allerdings der 24. Februar 2022 gebracht. Der Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat ganz Europa in eine tiefe Krise gestürzt. Mit diesem Tag wurde auch in der E-Control der Krisenstab einberufen und das interne Krisenteam wurde in Folge für mehr als zwei Jahre aktiv gehalten.“, erinnert sich der Vorstand der E-Control, Alfons Haber, an schwierige Zeiten.

Historisch betrachtet war Österreich ein Erdgastransitland für russisches Gas in die europäischen Nachbarstaaten. In Transportleitungen mit sehr hohen Kapazitäten wurden Gasmengen aus dem Osten von Russland, über die Ukraine und über die Slowakei im österreichischen Gasnetz Richtung Deutschland (und weiter nach Frankreich), Italien und auch in Richtung Ungarn und Slowenien durchgeleitet. „Das österreichische Gasnetz wurde entsprechend den Gasflüssen von Ost nach West ausgebaut. Große Speicherkapazitäten sorgten für einen Ausgleich des unterschiedlichen Gasverbrauchs in den Sommer- und Wintermonaten – bei gleichbleibenden Transportflüssen aus dem Osten. Diese Speicherkapazitäten wurden im letzten Jahrzehnt stark ausgebaut – auch auf Initiative von russischen Gasunternehmen.“, gibt Haber einen Einblick in historische Entwicklungen.

Gasflüsse haben sich massiv geändert

Die Gasflusssituation in Europa und in der EU hat sich in den letzten vier Jahren, also von 2022 bis 2025, drastisch geändert. Der Anteil der russischen Pipelinegaslieferungen in die EU am Gesamtverbrauch in der EU ist laut der Europäischen Kommission von mehr als 40% im Jahr 2021 auf rund 12% im Jahr 2025 gesunken. „Betrachtet man die gesamten Gasimporte in die EU, also sowohl über Leitungen in gasförmigem als auch LNG in flüssigem Zustand, so sieht man, dass der Hauptgaslieferant der Importe von über 300 Mrd m³ in die EU im Jahr 2025 Norwegen war, gefolgt von den USA, die sogar mehr lieferten als die etwa gleichauf liegenden Exportländer Algerien und Russland zusammen.“, erläutert Haber.

Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Gasversorgung

Neben den Marktteilnehmern, die auf die geänderte Markt- und Versorgungssituation zum großen Teil angemessen reagiert haben, gab und gibt es auch von Seiten der Behörden rechtliche Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der Gasversorgungssicherheit maßgeblich beitragen. „In ihrer Rolle beim Monitoring des Marktes und der Versorgungssicherheit sowie der Vorbereitung auf Krisenszenarien nimmt die E-Control dabei wichtige Aufgaben wahr. Und diese Aufgaben haben wir während der Krise selbstverständlich umfassend ausgeführt.“, betont Haber.

Einführung der strategischen Gasreserve

Die strategische Gasreserve in Österreich wurde im Frühjahr 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die daraus resultierende Gefahr von Lieferengpässen eingeführt. „Ihr Hauptziel war es, die Versorgungssicherheit, insbesondere für Haushalte und soziale Einrichtungen, auch bei einem Wegfall der russischen Gasimporte zu gewährleisten und hat sich aus unserer Sicht durchaus bewährt. Eine Sicherstellung der Gasversorgung war zum damaligen Zeitpunkt Priorität.“, ist Haber überzeugt. Insgesamt wurden mit der strategischen Gasreserve 20 TWh eingelagert.

Einführung weiterer Maßnahmen als Anreiz zur Speichernutzung

Zusätzlich zur Einführung der strategischen Gasreserve wurden noch weitere Maßnahmen zur Beanreizung der Gasspeichernutzung umgesetzt. Diese reichten von sogenannten immunisierten Gasspeichermengen über strengere Vorgaben zur Erfüllung des Gasversorgungsstandards bis hin zu einer Speicherverpflichtung für Gaskraftwerke.“, erläutert Haber weitere Aktivitäten während der Krisenzeit.

Umsetzung eines „Maßnahmenrechners“ durch die E-Control

Neben dem permanenten Monitoring der aktuellen Versorgungssicherheit, hat die E-Control ein eigenes Simulationstool zur Abschätzung der Gasversorgungssicherheit in der Zukunft entwickelt – den sogenannten Maßnahmenrechner. „Dieser Maßnahmenrechner ist ein Berechnungstool für verschiedenste Szenarien im Gasbereich. Hier simulieren wir einen Zeitraum von zwei, in der Zukunft liegenden Jahren auf Basis historischer Daten mit stärkerer Gewichtung der jüngeren Vergangenheit. Zudem werden Informationen aus den Abstimmungen der Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene berücksichtigt.“, erläutert Haber das Tool. Und weiter: „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich der Gasverbrauch in den kommenden Jahren schrittweise reduzieren wird. Und aus der Erfahrung haben wir gelernt, wie wichtig eine Diversifizierung der Importquellen und –routen ist, um die Abhängigkeiten der EU von einzelnen Lieferländern gering zu halten.“

Nicht nur der Gasbereich war betroffen

„In der E-Control waren aber natürlich nicht nur die Kolleg:innen aus der Gasabteilung gefordert, vielmehr musste auch immer die Stromversorgung im Blick behalten werden. Schließlich war das Stromsystem ebenfalls von den Entwicklungen im Gasbereich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine betroffen.“, betont Haber. Und er erläutert dazu, dass die Versorgung der Gaskraftwerke mit Strom vor allem auch im Winterhalbjahr sicherzustellen war. Die E-Control hat das bereits davor sehr gut entwickelte Krisenmanagement an die neuen Herausforderungen angepasst. Und Haber im Zusammenhang mit den Krisenjahren: „Dass es gelungen ist, sowohl die Strom- als auch die Gasversorgung ununterbrochen sicherzustellen, ist einerseits auf jahrelange Vorbereitungen zurückzuführen, aber vor allem auch auf die Anstrengung und der guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Das hat sich einmal mehr gezeigt, als mit 1. Jänner 2025 tatsächlich kein Gas mehr über die Ukraine nach Österreich gekommen ist, die Versorgung aber durchgehend gegeben war.“

Starke Netze unerlässlich

Die vergangenen fünf Jahre waren eine enorme Belastungsprobe – für Endkund:innen, aber auch für die Unternehmen und die Industrie und nicht zuletzt für all jene, die mit der Abarbeitung all dieser Themen beschäftigt waren. Und sie waren auch ein Stresstest für unser Energiesystem. Und dieser Test hat vor allem eines gezeigt: Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine Versorgungssicherheit, keine Energiewende und ein hohes Preisrisiko.“, betont Haber.

Ein Blick auf die Entwicklung der Investitionen in Stromverteiler- und Übertragungsnetze zeigt deutlich, wie stark der Handlungsdruck gestiegen ist. „So haben sich die Investitionen in unser Stromnetz zwischen 2020 und 2025 zu den Vorjahren deutlich erhöht.“, so Haber. Und er rechnet dazu vor: „Für den Zeitraum von 2025 bis 2034 sind nach Auskunft der Netzbetreiber 19,7 Mrd. Euro für die Verteilernetze und 9,8 Mrd. Euro für das Übertragungsnetz, also insgesamt 29,5 Mrd. Euro Investitionen geplant. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung der Gesamtinvestitionen gegenüber dem Vergleichszeitraum der vergangenen 10 Jahre.“

Die Gründe dafür sind klar....

Warum ein derartiger Ausbau notwendig ist, liegt auf der Hand. Dieser liegt einerseits in der kommenden Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärme. Der Ausbau erneuerbarer Energie erfordert andererseits ebenfalls leistungsfähige Netze. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden 500.000 PV-Anlagen an das Stromnetz angeschlossen. Mit den Investitionen werden künftige Verbräuche und die Einspeisung dezentraler Erzeugungen ermöglicht. „Österreich zählt weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Versorgungssicherheit und das soll auch so bleiben.“, betont Haber.

...müssen aber auch finanziert werden.

Die Kehrseite dieser Investitionen sind derzeit steigende Stromnetzentgelte, da die Kosten für den Ausbau fast gänzlich durch die Entnehmer zu tragen waren und auch durch die verstärkte Eigenerzeugung die Entnahmemengen gesunken sind. Zudem trug die Inflation zu weiteren Kostensteigerungen beim laufenden Betrieb bei. All dies führte dazu, dass das durchschnittliche Netzentgelt für Haushalte in der Höhe von 5,44 Cent/kWh im Jahr 2020 auf 9,28 Cent/kWh im Jahr 2025 (also rund 70% in fünf Jahren) gestiegen ist. „Mit dem neuen ElWG wird es zwar möglich sein, mit einem neuen Verrechnungssystem für Haushalte die Mengenentwicklungen zu stabilisieren, da der reine kWh-Verbrauch an Bedeutung bei der Verrechnung verlieren wird. Es ist aber auch weiterhin mittelfristig mit Tarifsteigerungen zu rechnen. Aber selbstverständlich wird die E-Control sehr genau auf die Kosteneffizienz achten.“, bereitet Alfons Haber auf die künftigen Entwicklungen bei den Netzentgelten vor.

Beim Gasnetz warten große Herausforderungen

Während die Stromnetze massiv ausgebaut werden, befinden sich die Gasnetze in einer Phase der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung. Die letzten fünf Jahre waren für den Gasbereich besonders herausfordernd, und zwar durch massive Preissteigerungen, starke Verbrauchsrückgänge sowie Unsicherheiten über die künftige Rolle von Gas.

„Sinkende Absatzmengen verteilen die Netzkosten auf weniger Verbrauch – das führt zu höheren Gasnetzentgelten. Gleichzeitig mussten in der Krise die Versorgung abgesichert und Speicher befüllt werden.“, betont Haber.

Insbesondere bei den Transitnetzen kam es zu einem fast kompletten Wegfall der bisherigen Transportleistungen. Die großen Gastransitmengen von Baumgarten in Niederösterreich in Richtung Arnoldstein an der Grenze zu Italien sind de facto nicht mehr gegeben. In Summe hat sich der Österreich-Durchschnittspreis für einen Musterhaushalt von 1,6440 Cent/kWh im Jahr 2020 auf 2,3493 Cent/kWh im Jahr 2026 erhöht, also rund 43% in sechs Jahren.

Energiesystem wird transformiert

In den letzten fünf Jahren ist die Weiterentwicklung des Stromsystems intensiv vorangetrieben worden. Im Bereich Netzanschluss hat die E-Control beispielsweise in den vergangenen Jahren zentrale Weichen für die Integration erneuerbarer Energien gestellt und den regulatorischen Rahmen weiterentwickelt. „Angesichts des seit 2022 stark gestiegen Interesses an Photovoltaik-Anlagen hat die E-Control Regelungen zu Netzzutritt und Netzzugang präzisiert, die Standardisierung und Digitalisierung der Anschlussprozesse bei Verteilernetzbetreibern vorangetrieben und ein quartalsweises Monitoring etabliert. Mit dem Aktionsplan Netzanschluss wurden Herausforderungen systematisch aufgearbeitet, konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung von Netzanschlüssen, insbesondere für Photovoltaikanlagen im Niederspannungsnetz, definiert und die Transparenz über Fortschritte und Engpässe erhöht. Damit wurde ein weiterer wesentlicher Beitrag zur sicheren, effizienten und zeitgerechten Integration neuer Stromerzeugungs- und Verbrauchsanlagen in das österreichische Stromnetz geleistet.“, ist Haber von der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen überzeugt. In den vergangenen fünf Jahren sind beinahe 8 GW PV, allerdings nur etwas über 1 GW an Windkraft zugebaut worden.

Der Ausbau der Erneuerbaren kann seit 2021 durchaus als Erfolg bezeichnet werden. So konnte die installierte Leistung von Erneuerbaren bis Ende 2024 deutlich gesteigert werden. In Summe ergab sich verglichen mit 2021 ein Zubau (netto) von 6.918 MW, wobei hier Pumpspeicherkraftwerke sowie thermische Kraftwerke nicht inkludiert wurden. Auch die erzeugten erneuerbaren Mengen konnten in diesem Zeitraum um 14.896 GWh gesteigert werden. Dies spiegelt den steigenden Einfluss von guten oder vergleichsweise schlechten Wasser-, Wind- und Sonnenjahren wider.

Energiegemeinschaften werden immer beliebter

„Das Interesse an Energiegemeinschaften nimmt immer weiter zu, und zwar sowohl was die Gründung als auch die Teilnahme betrifft. So waren Mitte 2025 bereits 3.868 Erneuerbare-Energiegemeinschaften (EEGs) in Betrieb. Und wir gehen davon aus, dass diese Zahl mittlerweile weiter deutlich angestiegen ist.“, zeigt sich Haber erfreut.

Neben den EEGs gab es Mitte 2025 noch 737 Bürgerenergiegemeinschaften (BEGs) und 5.043 Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEAs). Die meisten Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen gibt es im Netzgebiet Oberösterreich mit 1.197, gefolgt von Tirol mit 663 GEAs.

Neues Vorstandsduo steht vor neuen Herausforderungen

Mit 24. März endet die Vorstandsperiode des Vorstands in der bestehenden Zusammensetzung, ab 25. März steht ein neues Vorstandsduo an der Spitze der E-Control. „Dass die vergangenen fünf Jahre sehr herausfordernd waren, haben wir bereits mehrfach erwähnt. Aber auch die kommenden Jahre werden nicht minder spannend. Mit Ende 2025 ist das von allen Beteiligten lang ersehnte neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz beschlossen worden und in großen Teilen sofort in Kraft getreten. Dieses sieht für die E-Control eine Reihe von neuen Aufgaben und Kompetenzen vor und es gilt nun, alle Pflichten zeitnah umzusetzen. Und wir haben damit auch längst begonnen. Eines wird sich aber auch in Zukunft nicht ändern – es braucht auch weiterhin eine so starke, unabhängige Regulierungsbehörde, um allen Aufgaben in gewohnt professioneller Weise gerecht werden zu können.“, betont Alfons Haber abschließend.


Quelle: OTS



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