Salzburg: Der forschende Blick auf Salzburgs Bräuche und Rituale

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Michael Josef Greger erforscht Bräuche und Rituale in Salzburg.
Foto: Land Salzburg/Stefan Mayer
11 Jän 15:00 2024 von Redaktion Salzburg Print This Article

Salzburger Landesinstitut für Volkskunde zeichnet auf, untersucht und analysiert Kultur-Besonderheiten im Land

(LK) Seit wann Halloween in Salzburg verbreitet ist, was Hostien in der Salzach zu suchen haben, was die Faszination von „Sound of Music“ ausmacht, woher das Aperschnalzen stammt und welche uralten Handwerkskünste gerade einen Hype erleben. Solchen Fragen geht das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde mit wissenschaftlicher Genauigkeit auf den Grund, inzwischen seit mehr als vier Jahrzehnten.

Rituale und Bräuche im Land erforschen und dabei die Sicht von innen und außen berücksichtigen, gehört zum Spezialgebiet der 1983 gegründeten Salzburger Landesinstituts für Volkskunde (SLIVK). Auch welche Trachten und Kleider getragen werden und wurden, untersuchen Leiter Michael Josef Greger und seine Forschungskollegin Vivienne Marquart.

Greger: „Rituale bestätigen Werte.“

„Rituale helfen Gruppen, ihre Normen und Werte zu bestätigen. Bräuche machen Zeit erlebbar und messbar“, erklärt Greger, der sich und das Institut als Drehscheibe zwischen Forschung und interessierter Öffentlichkeit sieht. „Uns ist die Vermittlung wichtig, in Radiosendungen, Diskussionen, Vorträgen, Seminaren, aber auch in unseren Publikationen“, so der Volkskundler, nach Eigendefinition „europäischer Ethnologe“. „Wir sind mittlerweile eines der österreichischen Zentren, die sich mit der Geschichte der Volkskunde in Österreich und deren Forscherinnen und Forscher auseinandersetzen. Unser Archiv birgt historische Schätze aus Nachlässen von Wissenschaftlern, die einzigartig sind“, so Greger.

Wie Bräuche entstehen

In dem vom Institut zusammengestellten Kalender der Religionen erfährt man zum Beispiel, dass der Halloween-Brauch erstmals während der US-amerikanischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Land auftauchte, aber nicht vor den 1990er-Jahren überhaupt in Salzburg Verbreitung fand.

Von Hostien in der Salzach

Aufgezeichnet und untersucht werden im SLIVK sowohl die Praxis als auch die Herkunft der Salzburger Bräuche. Neben den zahlreichen Perchten-, Krampus- und Glöcklerläufen rund um Weihnachten und Neujahr werden auch unbekanntere Traditionen wie das „Himmelbrotschutzen“ in Oberndorf dokumentiert. Zu Fronleichnam wird da ein Kranz mit vier gesegneten Hostien von einer Zille aus der Salzach übergeben. „Ein Schutzritual gegen die vielfältigen realen Gefahren, denen die Salzachschiffer als einer der zentralen Salzburger Wirtschaftsmotoren jahrhundertelang ausgesetzt waren“, erklärt Greger.

Dauerbrenner und Mythen

In Seminaren, im Radio oder in Vorträgen geben die Kulturwissenschaftler ihr Wissen weiter, zuletzt über das im bayerisch-Salzburger Grenzraum mit Begeisterung ausgeübte Aperschnalzen. Und natürlich in Buchform. So ist dem Mythos und Tourismus-Phänomen „Sound of Music“ ein umfangreicher Sammelband des Instituts gewidmet. „Darin kann man nicht nur Wissenswertes aus der Lebensgeschichte der ‚echten‘ Familie Trapp nachlesen. Sondern auch, welche Bedeutung erfolgreiche Medienprodukte auf den Wandel von Selbst- und Fremdbildern, den Tourismus und damit unser Alltagsleben in Salzburg haben“, sagt Greger.

Typisch Salzburg

Mehrfach ausgezeichnet wurde die Reihe „Bräuche im Salzburger Land. Zeitgeist, Lebenskonzepte, Rituale, Trends, Alternativen“. Die informativen Artikel österreichischer und deutscher Kulturforscher zu Salzburger Bräuchen und Festen als regionale Eigenheiten im europäischen Vergleich können inzwischen unter www.brauch.at online abgerufen werden.

Zeitgeist verändert Berufe

Eine Studie zum Salzburger Handwerk läuft gerade, 50 qualitative Interviews mit aktiven Handwerkerinnen und Handwerkern unterschiedlichsten Alters aus 28 Branchen wurden dafür geführt – mit Maßschuhmachern über Kunststoff-Technikerinnen bis hin zum Surfboard-Shaper, der seine Bretter an die Crème de la Crème des Surfsports weltweit verkauft. Auch eine Steinmetz-Meisterin und die letzte Salzburger Kürschnerin waren dabei. „Als Wissenschaftler interessiert uns , wie sich gesellschaftliche Strömungen wie die ‚political correctness‘ auf Gewerbe auswirken“, so Greger, was sich etwa im Pelzhandwerk zeigt. Es gibt gleichzeitig auch eine Renaissance beim Holzhandwerk. „Ein Lungauer Wagnermeister muss aufgrund von Überbelegung sogar Lehrlinge ablehnen“, erzählt Greger. Seine trendigen und handgefertigten Holzprodukte sind wieder „in“.


Quelle: Land Salzburg



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