Kärnten: Corona-Auswirkungen auf Kinder, Jugendliche und Familien: So hilft Kärnten

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Foto: LPD Kärnten/Jannach
16 Mai 12:00 2021 von Redaktion Salzburg Print This Article

LH Kaiser, LHStv.in Prettner sowie Kinder- und Jugendanwältin Liebhauser präsentierten Ergebnisse einer Studie – Zentrale Stelle soll durch Hilfeleistungen lotsen – An Schulen kommen mehr Dienstposten und Stunden für Hilfe und Förderung

Klagenfurt (LPD). Die Corona-Pandemie hat alle Bereiche unseres Lebens getroffen, ganz stark vor allem auch Kinder, Jugendliche und Familien. Kärnten hat viele Angebote, um hier zu helfen. Es sollen aber noch weitere geschaffen und vor allem soll der Zugang zu Hilfe und Unterstützung niederschwelliger gestaltet werden. Das betonten heute, Samstag, Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser und Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner in einer Pressekonferenz. Am heutigen „Internationalen Tag der Familie“ präsentierten sie zudem mit Kinder- und Jugendanwältin Astrid Liebhauser die Ergebnisse einer Studie zu den Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche. Und so hilft Kärnten: Das Land wird eine zentrale Stelle schaffen, welche die Menschen durch alle Hilfeleistungen lotsen soll. In den Schulen werden Dienstposten und Schulstunden für entsprechende Unterstützungs- und Fördermaßnahmen aufgestockt.

Laut Kaiser ging aus der von Land Kärnten, Bildungsdirektion Kärnten sowie Kinder- und Jugendanwaltschaft beauftragten Studie unter anderem hervor, dass Strukturen und Regelmäßigkeiten ein Dreh- und Angelpunkt seien, um zu helfen. In diesem Zusammenhang verwies er auf den am Montag wieder in allen Schulstufen beginnenden Präsenzunterricht. Neu an der Studie sei, dass es nicht um die Ich-Perspektive der Kinder und Jugendlichen gehe, sondern, dass man Lehrerinnen und Lehrer nach deren Einschätzungen über Veränderungen bei den Schülerinnen und Schülern gefragt habe. Von den rund 70.000 Schülerinnen und Schülern in Kärnten würden demnach 9.000 besondere Aufmerksamkeit benötigen. „Es geht hier um genaues Hinschauen und um offene Ohren“, so Kaiser, der allen Pädagoginnen und Pädagogen, die an der Studie teilgenommen haben, herzlich dankte.

Die Fördermaßnahmen im Schulbereich würden sich in drei Etappen gliedern: Die erste davon sei bereits mit Beginn des Schuljahres eingeleitet worden und umfasse zum Beispiel 50 zusätzliche Dienstposten, um ein effektives Distance Learning zu gewährleisten. Zusätzlich seien die Dienstposten für die außerschulische Lernförderung auf zehn aufgestockt und weitere zehn Dienstposten für Sprachfördermaßnahmen eingesetzt worden. In der zweiten Etappe werden ab Montag laut Kaiser die Beratungslehrerinnen und -lehrer um zusätzliche 50 Stunden pro Woche aufgestockt. Für die CORONA-Förderstunden würden 63 Dienstposten dazukommen. Zudem werde die Bildungsdirektion beauftragt, alle vorhandenen Unterstützungssysteme auf COVID-Entlastungsmaßnahmen zu fokussieren. Eine zentrale Stelle werde den „Sozialraum Schule“ systematisch erheben. Ab September solle es in der dritten Etappe zu einer weiteren Aufstockung bei den Beratungslehrerinnen und -lehrern kommen. Außerdem werde es zusätzliche Sprachfördermaßnahmen, die Fortführung der außerschulischen Lernförderung und den vorgezogenen Ausbau der Schulsozialarbeit – inklusive schulübergreifender, also mobiler, Zuständigkeit – geben.

„Für die Ausweitung der Schulsozialarbeit wird das Land 600.000 Euro in die Hand nehmen“, so Kaiser. Ihm geht es darum, dass sämtliche Ebenen zur Unterstützung der Kinder, Jugendlichen und Familien ineinandergreifen. „Wir haben uns auch an die zuständige Bundesregierung gewendet, weil bei der psychotherapeutischen Versorgung dringend ein Schwerpunkt für Kinder und Jugendliche zu setzen ist“, erklärte Kaiser.

Sozialreferentin Prettner verwies auf das bereits große Hilfsangebot in Kärnten, das aber vielfach nicht angenommen werde. „Wir müssen den Menschen die Hemmschwelle nehmen, noch niederschwelliger werden und noch zielgenauere Hilfestellungen bieten“, sagte sie. Daher solle demnächst eine zentrale Stelle wie ein Lotse durch die Leistungen führen. „Das soll den Menschen lange Wege und ein Herumfragen ersparen, die Leistungen sollen sichtbarer und noch treffsicherer werden“, so Prettner.

Das Land wolle vor allem auch auf zusätzliche mobile Angebote setzen. So werde ein mobiler Familiencoach eingerichtet, der in Familien beratend tätig wird, bevor die belastende Situation eskaliert. In mehreren Stunden pro Woche sollen hier Perspektiven aufgezeigt werden, wenn Eltern nicht mehr weiterwissen. Weiters werden laut Prettner vier mobile Psychologinnen Familien, Betriebe und Lehrwerkstätten aufsuchen. Zielgruppe seien hier 14- bis 25-Jährige. „Man geht also nicht zur Beratung, sondern sie kommt in Form von therapeutischer Arbeit zu einem“, erklärte Prettner den Ansatz. Für die Altersgruppe der 0- bis Dreijährigen gebe es bereits die „Frühen Hilfen“, die man in Kärnten flächendeckend anbieten wolle.

Über Details aus der Studie informierte Kinder- und Jugendanwältin Liebhauser. Rückmeldungen von 1.281 Pädagoginnen und Pädagogen aus allen Schultypen seien eingeflossen. Gefragt habe man sie, welche Veränderungen bei Kindern und Jugendlichen ab der fünften Schulstufe in Bezug auf Unterricht, Leistung und psychologische Gesundheit wahrgenommen werden. So habe die Hälfte der Befragten eingeschätzt, dass es bei Anwesenheit, Pünktlichkeit, Erledigung von Arbeitsaufträgen oder der Qualität des zwischenmenschlichen Kontakts etwas oder viel schlechter geworden sei als vor der Pandemie bzw. den Lockdowns. Außerdem seien Leistungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Wissensstand und Lernmotivation kritisch eingeschätzt worden. Als besonders gefährdet würden die Pädagoginnen und Pädagogen Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status sehen. „Die Schere geht also weiter auseinander“, so Liebhauser.

Laut Studie seien auch die intensive Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler, depressive Stimmungen, sozialer Rückzug und Schlafprobleme genannt worden. 1,5 Schülerinnen und Schüler pro Klasse bzw. acht Prozent sehe man als schwer oder nicht mehr erreichbar. „Auf alle Klassen hochgerechnet sind das sehr viele Schülerinnen und Schüler, die wieder in Alltag, Schule und Bildung gebracht werden müssen“, so Liebhauser.

Einen hohen Bedarf an Unterstützung und Supervision hätten aber auch die Lehrerinnen und Lehrer für sich selbst angegeben. Als wesentlich würden sie die Schulpsychologie als niederschwellige Beratung vor Ort ansehen. Auch seien mehr Beratungslehrerinnen und -lehrer sowie Jugendcoaches gefordert worden. „Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Bewegung, Begegnung und Normalität. Wir müssen ihnen gemeinsam Mut und Lust auf die Zukunft machen“, betonte die Kinder- und Jugendanwältin.




Quelle: Land Kärnten



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