Salzburg: Bundesländer fordern finanzielle Absicherung der Fachhochschulen
Foto: Land Salzburg/Franz Neumayr
Konferenz der Wissenschaftslandesrätinnen und -landesräte zeigt die ernste Lage der Fachhochschulen auf / Einführung eines Promotionsrechts soll geprüft werden
(LK) Erstmals trafen sich heute die Wissenschaftslandesrätinnen und -landesräte aller neun Bundesländer unter dem Vorsitz von Vorarlberg zu einer Fachkonferenz in Salzburg. Es wurde dabei über die aktuellen Herausforderungen in der Forschung und Wissenschaft, besonders hinsichtlich der Fachhochschulen, diskutiert. Eine zentrale Forderung an den Bund ist die finanzielle Absicherung. Zudem wurde beschlossen, dass die Einführung eines Promotionsrechts geprüft wird.
Landesrätin Daniela Gutschi mit der Vorsitzenden der Wissenschaftslandesrätinnen und -landesräte Barbara Schöbi-Fink (Vorarlberg, l.) und Landesrätin Cornelia Hagele (Tirol, r.). Sie fordern die finanzielle Absicherung der Fachhochschulen.
Die Landesreferentinnen und -referenten unterstreichen in ihrer Erklärung nach der Konferenz die Bedeutung der Fachhochschulen als regionale Zukunftssicherung. In den letzten 30 Jahren haben sich diese von reinen Ausbildungsstätten zu Hochschulen für angewandte Wissenschaften entwickelt, die heute internationale Standards in Lehre und Forschung erfüllen. Damit Innovation und tertiäre Bildung nicht nur in Ballungszentren, sondern in allen Regionen Österreichs garantiert sind, müsse das „Erfolgsmodell Fachhochschule“ jedoch dringend reformiert werden.
Prekäre Finanzlage gefährdet Qualität
Aktuell sehen sich die Fachhochschulen mit einer massiven Unterfinanzierung konfrontiert. Seit der Gründung ist ein realer Wertverlust der Fördersätze von rund 30 Prozent gegenüber dem Verbraucherpreisindex beziehungsweise sogar 50 Prozent gegenüber dem Tariflohnindex eingetreten. Da zudem eine Basisfinanzierung für die gesetzlich vorgeschriebene Forschung fehlt, sind die Einrichtungen zu 100 Prozent auf Drittmittel angewiesen, was eine nachhaltige Personalplanung nahezu unmöglich macht.
Die Bundesländer fordern daher vom Bund:
- Wertsicherung: Eine automatische Indexierung der Studienplatzfinanzierung sowie eine Sockel-Valorisierung von mindestens sieben Prozent für das Jahr 2026.
- Forschungsbasis: Die Einführung einer auf Kriterien basierten Strukturfinanzierung für Forschung und Entwicklung in der Höhe von zehn Prozent, um Kernpersonal und allgemeine Betriebsausgaben abzusichern.
Gutschi: „Fachhochschulen sind regionale Innovationsmotoren.“
Wissenschaftslandesrätin Daniela Gutschi: „Die enge Vernetzung der Bundesländer ist entscheidend, damit wir im Wissenschafts- und Forschungsbereich mit einer Stimme sprechen und rasch wirksame Lösungen umsetzen können. Fachhochschulen brauchen Planungssicherheit und verlässliche Finanzierungsrahmen, um ihre Rolle als regionale Innovationsmotoren auch in Zukunft erfüllen zu können. Nur wenn wir uns als Länder gemeinsam positionieren, schaffen wir die notwendige Stabilität für Lehre, Forschung und Personalentwicklung.“
Promotionsrecht soll geprüft werden
Österreichische Fachhochschulen leiden laut den Wissenschaftslandesrätinnen und -landesräten auch darunter, dass sie kein Promotionsrecht haben. Das bedeutet: Talente wechseln für ihre Doktorarbeiten (Dissertationen) an Unis oder ins Ausland, und Fachhochschulen werden in europäischen Netzwerken von Doktoratsprogrammen ausgeschlossen. Gefordert werden daher ein rascher Abschluss der Prüfung eines Promotionsmodells wie es im Regierungsprogramm bereits geplant ist und folglich die Einführung eines eigenständigen Promotionsrechts für die Fachhochschulen. Als positives Beispiel nennen die Landesrätinnen und Landesräte das Nachbarland Bayern, wo es ein solches Promotionsrecht bereits an einigen Fachhochschulen gibt.
Schöbi-Fink: „Verlässliche und zeitgemäße Rahmenbedingungen“
Barbara Schöbi-Fink, Landesrätin für Wissenschaft und Weiterbildung in Vorarlberg, betonte im Rahmen der Pressekonferenz nach der Sitzung: „Fachhochschulen sind für unsere Länder weit mehr als Ausbildungsstätten. Sie sind Motoren für Fachkräftesicherung, Innovation und regionale Entwicklung. Wenn wir wollen, dass diese Stärke in allen Regionen Österreichs erhalten und weiter ausgebaut wird, dann braucht es auf Bundesebene verlässliche und zeitgemäße Rahmenbedingungen. Genau deshalb war es wichtig, dass die Länder hier erstmals gemeinsam an einem Tisch sitzen.“
Flexibilität statt Bürokratie: Abschaffung der Programm-Akkreditierung
Neben der finanziellen Absicherung drängen die Länder auf den Abbau bürokratischer Hürden. Das derzeitige System der Einzel-Akkreditierung von Studiengängen wird als „Innovationsbremse“ kritisiert, da Genehmigungsverfahren oft mindestens neun Monate dauern. In dynamischen Feldern wie künstlicher Intelligenz oder Cybersecurity führt dies dazu, dass Lehrpläne bereits zum Start wieder veraltet sind.
Mehr Autonomie hilft im Kampf gegen Fachkräftemangel
Gefordert wird daher der Übergang zu einer Systemakkreditierung. Etablierte Fachhochschulen sollen künftig das Recht erhalten, Studiengänge sowie Weiterbildungsformate wie Mikro-Credentials autonom einzurichten, sofern ihr Qualitätsmanagementsystem erfolgreich überprüft wurde. Dies würde nicht nur Kosten sparen, sondern es den Hochschulen ermöglichen, schneller auf den Fachkräftemangel in der Wirtschaft zu reagieren.
Bund bei Entwicklungs- und Finanzierungsplan säumig
Abschließend betonten die Landesrätinnen und -räte, dass ein neues, planungssicheres Finanzierungsmodell (FH-Entwicklungs- und Finanzierungsplan 2026–2030) unabdingbar ist, um die Innovationskraft der Regionen nicht zu gefährden. Ein solches hat der Bund zwar bereits angekündigt, bisher liegt aber noch kein konkreter Vorschlag auf dem Tisch.
Hagele: „Qualität und Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren“
Cornelia Hagele ist in der Tiroler Landesregierung für Wissenschaft zuständig. „Unsere Fachhochschulen sind der Motor für Innovation und Fachkräfte in den Regionen. Ohne eine solide Finanzierung und mehr Autonomie riskieren wir deren Qualität und Wettbewerbsfähigkeit. Der Bund muss jetzt handeln: Wir brauchen eine automatische Wertsicherung, eine verlässliche Forschungsbasis und das Promotionsrecht für forschungsstarke Fachhochschulen. Nur so sichern wir zukünftige Chancen und Wohlstand – quer durch alle Bundesländer Österreichs“, so Hagele.
Quelle: Land Salzburg
