Österreich: Brustkrebs-Kongress in Wien - Langzeitstudie belegt Erfolg von intraoperativer Radio-Therapie

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Brustkrebs-Kongress in Wien: Langzeitstudie belegt Erfolg von intraoperativer Radio-Therapie
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Brustkrebs-Kongress in Wien: Langzeitstudie belegt Erfolg von intraoperativer Radio-Therapie
Foto: Felix Sedlmayer
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Brustkrebs-Kongress in Wien: Langzeitstudie belegt Erfolg von intraoperativer Radio-Therapie
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21 Mär 21:00 2019 von OTS Print This Article

Wien (OTS) - Brustkrebs ist noch immer die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in der westlichen Welt: In Österreich wird statistisch gesehen jede 8. Frau im Laufe ihres Lebens mit dieser Diagnose konfrontiert. Im Rahmen der International Breast Cancer Conference im Austria Center Vienna werden u. a. die 10-Jahres-Daten einer Studie vorgestellt, in der durch spezielle Bestrahlung das Wiederauftreten von Krebs auf nur 1 % der Fälle reduziert werden konnte.

Im Jahr 2016 erkrankten in Österreich 5.646 Menschen an Brustkrebs. „Mit Mammographie und Sonographie stehen uns bei Brustkrebs im Vergleich zu anderen Krebsarten hervorragende Möglichkeiten der Früherkennung zur Verfügung. Und der frühzeitig erkannte Tumor hat seine Schrecken längst verloren,“ erklärt Prof. Dr. Felix Sedlmayer, Leiter der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie in Salzburg.

Besonders schonend: intraoperative Radio-Therapie (IORT)

An der Uniklinik Salzburg wird mit der intraoperativen Radio-Therapie (IORT) eine besonders erfolgreiche Methode praktiziert: Das Tumorbett wird noch während der Operation für 10 Minuten mit Elektronen bestrahlt, die tief ins Gewebe eindringen. Diese Therapie hat sich als besonders schonend erwiesen, da z. B. keine Haut oder nicht betroffenes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird und die anschließende Dauer der Ganzbrust-Bestrahlung in vielen Fällen verkürzt oder bei sehr geringem Risiko eines Wiederwachstums auch entfallen kann.

Langzeitdaten belegen: Erneute Tumorbildung nur bei 1 % der Patienten

Seit 1998 wurden insgesamt 3.600 Patientinnen und Patienten mit IORT behandelt, wobei sie vorwiegend als sogenannter Tumorbett-Boost vor einer nachfolgenden Ganzbrustbestrahlung zum Einsatz kam. Bei den so behandelten Patientinnen lag das Rezidivrisiko, das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors in der betroffenen Brust, auch nach 10 Jahren unter 3 %. Deshalb erhalten seit 2011 innerhalb einer in Salzburg initiierten Langzeitstudie (HIOB) Patientinnen aller Risikogruppen im Anschluss an die IORT eine auf drei Wochen verkürzte Ganzbrust-Bestrahlung. Während des diesjährigen Kongresses werden erste Langzeit-Daten zu Tumorkontrolle und kosmetischem Ergebnis präsentiert, wobei die bislang beobachteten Rezidivraten unter 1 % liegen. „Studien-Daten zur IORT über einen so langen Zeitraum liegen nur sehr selten vor, zur Kombination mit einer verkürzten Ganzbrust-Bestrahlung gab es bis dato überhaupt keine Datenlage. Umso mehr freuen wir uns, den Beweis für eine hohe Wirksamkeit dieses methodischen Ansatzes erbracht zu haben.“ In einem zweiten Beitrag werden Langzeitdaten zu einer anderen österreichischen Studie präsentiert (ABCSG 8A), die den Wert einer zusätzlichen Bestrahlung bei Patientinnen mit einem niedrigen Risikoprofil untersuchte. „Das Risiko einer erneuten Tumorbildung ist ohne Bestrahlung dreimal höher,“ berichtet Sedlmayer. „Strahlentherapie bleibt also ein wichtiger Baustein nach brusterhaltender Operation, wird aber kontinuierlich auf die individuelle Situation – je nach Risiko eines Rückfalles – angepasst.“

Strahlentherapie effektiv gegen erneute Tumorbildung

Je nach Art des Tumors umfasst der moderne personalisierte Behandlungspfad zusätzliche medikamentöse Maßnahmen: Hormonrezeptorpositve Tumore bilden die Mehrzahl der Mammakarzinome, gegen die antihormonelle Therapien hochwirksam sind. Die sogenannten HER2neu positiven Karzinome bilden Proteine, die als Wachstumssignale für die Krebszellen dienen. Bei diesen Tumoren kommen erfolgreich Medikationen zum Einsatz, die diese Proteine unterdrücken. Eine dritte Gruppe bilden die triple-negativen Tumore, die weder durch antihormonelle noch durch HER2-gerichtete Maßnahmen beeinflussbar sind: Hier werden neben „klassischen“ Chemotherapien Immuntherapien beforscht, etwa mittels sog. Checkpoint-Inhibitoren, die verhindern, dass der Krebs sich gegenüber den Wächterzellen des Immunsystems „tarnt“ und so ungestört weiterwachsen kann. Trotz dieser zunehmenden Individualisierung fällt auf, dass alle Therapieformen in der Regel durch Bestrahlung ergänzt werden. „Die brusterhaltende Operation ist mittlerweile die Regel und die Strahlentherapie setzt dort an, wo der Chirurg aufhört. Zur Vorbeugung von Rezidiven ist sie noch immer die wirksamste Methode,“ erläutert Sedlmayer. „Mittlerweile gelingt es uns, auch bei Patientinnen, bei denen keine Heilung gelingt, viele Krankheitsbilder zu chronifizieren und so nicht nur das Leben der Patienten erheblich zu verlängern, sondern auch die Lebensqualität zu steigern.“

Über die International Breast Cancer Conference

Im Rahmen der International Breast Cancer Conference (IBCC) beschäftigen sich von 20.-23. März 3.000 Medizinerinnen und Medizinier im Austria Center Vienna mit der Primärtherapie von Brustkrebs im Frühstadium.


Quelle: OTS



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