Burgenland: Bibermanagement Burgenland neu aufgestellt

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Bibermanagerinnen Tanja Spreitzer-Polleres und Carina Eisenwagner, LH-Stv.in Anja Haider-Wallner sowie Elke Schmelzer und Josef Schuh vom Vorstand des Naturschutzbundes Burgenland (v.l.).
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
01 Mai 04:00 2026 von Redaktion Salzburg Print This Article

LH-Stv.in Haider-Wallner: bessere Zusammenarbeit mit Gemeinden, neues Team und höheres Budget für wirksames Konfliktmanagement

Das Bibermanagement im Burgenland wird gezielt ausgebaut. Grundlage dafür ist das Feedback, das Naturschutzlandesrätin Anja Haider-Wallner im Gespräch mit BürgermeisterInnen und anderen Stakeholdern eingeholt hat. Neues Personal, mehr Geld sowie zusätzliche Maßnahmen sollen sowohl dem Schutz des Bibers als auch den Interessen von Gemeinden, Privatpersonen sowie der Land- und Forstwirtschaft gerecht werden. Finanziell wird das Bibermanagement durch das LE-Projekt „Maßnahmen zum Schutz des Bibers“ mit 180.000 Euro gestützt. Zusätzlich stellt das Land 2026 rund 50.000 Euro für Präventivmaßnahmen bereit – eine Erhöhung um etwa 20.000 Euro gegenüber den Vorjahren. In diese Förderung neu aufgenommen werden unter anderem Vergrämungsmaßnahmen, insbesondere in sensiblen Bereichen der Infrastruktur. „Der Biber leistet einen wichtigen Beitrag zur Renaturierung, zur Artenvielfalt und zum Wasserrückhalt in der Landschaft“, betont Haider-Wallner. „Gleichzeitig nehmen wir die Rückmeldungen aus den Gemeinden sehr ernst. Unser Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und praktikable Lösungen vor Ort zu ermöglichen.“

Durch das Aufstauen von Wasser schaffen Biber wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie CO?-Senken. Angesichts häufiger Trockenperioden ist der natürliche Wasserrückhalt auch für Landwirtschaft und Mikroklima von zunehmender Bedeutung. Wo die ökologische Funktion des Bibers auf intensive menschliche Nutzung trifft, kann es aber zu Konflikten kommen – etwa im Wasserbau, bei Infrastruktureinrichtungen oder in der Land- und Forstwirtschaft. Gerade für Gemeinden ist sachkundige Unterstützung entscheidend.

Vor diesem Hintergrund setzt das Land Burgenland verstärkt auf fachliche Kompetenz und praxisnahe Lösungen. Mit Carina Eisenwagner und Tanja Spreitzer-Polleres übernimmt ein Expertinnen-Duo vom Naturschutzbund Burgenland zentrale Aufgaben im Umgang mit dem streng geschützten Biber. Beide sind Absolventinnen des Masterstudiums „Wildtierökologie und Wildtiermanagement“ an der Universität für Bodenkultur Wien und haben sich in ihrer beruflichen Laufbahn auf Wildtiere mit Konfliktpotenzial spezialisiert.

Fokus auf Prävention und bessere Information für Gemeinden

Ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung liegt auf niederschwelliger Prävention und besserer Information. Schon jetzt zeigt sich, dass in über 70 Prozent der Fälle einfache Maßnahmen – etwa das Absenken von Dämmen oder der Einbau von Drainagerohren – ausreichen, um Probleme nachhaltig zu entschärfen. Diese Möglichkeiten sind noch nicht allen Betroffenen bekannt.

Um Konflikten frühzeitig gegenzusteuern, werden heuer aus dem burgenländischen Landschaftspflegefonds 50.000 Euro bereitgestellt. Gefördert werden insbesondere:

  • Baumschutzgitter und Elektrozäune
  • Drainagierungen und technische Lösungen im Wasserbau
  • neue Maßnahmen wie Vergrämung
  • individuelle Lösungen für besonders betroffene Standorte

Begleitend wird eine neue Informationsbroschüre erarbeitet, die sich an Gemeinden richtet und konkrete Best-Practice-Beispiele bündelt. Im Bereich landwirtschaftlicher Flächen, die immer wieder von Überschwemmungen betroffen sind, klärt das Bibermanagement zudem über Förderungen und Möglichkeiten der Verpachtung oder des Verkaufs auf.

„Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation“, so Haider-Wallner. „Nur gemeinsam gelingt es, den ökologischen Wert des Bibers zu schützen und tragfähige Lösungen für alle Betroffenen zu schaffen.“ Gleichzeitig appelliert sie an die Gemeinden, vorhandene Unterstützungsangebote auch aktiv zu nutzen: „Wer Probleme ortet, sollte sich rasch melden und auch bereit sein, an Lösungen mitzuarbeiten.“

Klare Regeln und abgestuftes Vorgehen bei Konfliktfällen

Einer pauschalen Freigabe zur Bejagung, wie sie in anderen Bundesländern diskutiert wird, erteilt Haider-Wallner eine klare Absage. Der Biber ist europaweit streng geschützt und in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU verankert. Auch im Burgenland gilt ein klarer rechtlicher Rahmen: Maßnahmen wie Dammentfernungen oder Eingriffe in die Population erfordern eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung – ausgenommen ist lediglich Gefahr in Verzug.

Das burgenländische Bibermanagement folgt einem bewährten, dreistufigen Ansatz, der nun weiter geschärft wird:

  • Prävention: Information, Beratung und lokale Schutzmaßnahmen
  • Eingriffe in den Lebensraum: etwa Dammabsenkungen oder Drainagen
  • Eingriffe in die Population: ausschließlich als letztes Mittel und unter strengen Auflagen

„Eine pauschale Bejagung wäre kein nachhaltiger Lösungsansatz, sondern würde bestehende Probleme nur kurzfristig in die Zukunft verschieben“, stellt Haider-Wallner abschließend klar. „Biberpopulationen regulieren sich selbst – und wo Tiere entnommen werden, siedeln sich bald neue an.“


Quelle: Land Burgenland



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