Vizebürgermeisterin Karin Hörzing: Größtmögliche Unterstützung durch mobile Dienste im Alltag

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Linz

01 Nov 08:00 2018 von Print This Article

Bedarf für die nächsten Jahre gedeckt

Mobile Dienste in der SeniorInnenpflege und -betreuung: Alle drei Minuten startet eine mobile Betreuungsstunde

Die Garantie einer bedarfsorientierten Betreuung und Pflege der älteren Linzerinnen und Linzer ist gesellschaftlicher Auftrag und ein Schwerpunkt der Linzer Sozialpolitik, unabhängig von den steigenden Aufwendungen, die zur Aufrechterhaltung dieser Garantie notwendig sind. Neben der Vollversorgung mit stationären Pflegeeinrichtungen in allen Stadtteilen liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den mobilen Diensten, die möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden gewährleisten sollen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der mobilen Dienste bieten Hilfe und Unterstützung im Alltag – ob durch Essen auf Rädern, beim Einkaufen, im Haushalt und bei anderem mehr. Hauskrankenpflege sowie mobile Betreuung und Heimhilfe bilden die Schwerpunkte der mobilen SeniorInnenbetreuung. Angeboten werden sie von der Volkshilfe, der Caritas, dem Samariter-Bund, dem Roten Kreuz, dem Oberösterreichischen Hilfswerk, der Evangelischen Diakonie und dem Verein Miteinander. Die Stadt Linz ist für die Gesamtkoordination der mobilen Dienste, also für Auftragsvergabe, Controlling sowie Vor- beziehungsweise Mitfinanzierung, verantwortlich. Allein im Jahr 2018 werden laut der vorliegenden Prognose der Stadtforschung in Linz mehr als 170.000 Stunden von mobilen Diensten erbracht.

„Dies bedeutet, dass alle drei Minuten in Linz eine mobile Betreuungsstunde beginnt. Die größtmögliche Unterstützung durch mobile Hilfen im Alltag soll es den Seniorinnen und Senioren ermöglichen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu verbleiben“, erläutert Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Städtischer Auftrag: Soziale Sicherheit und selbstbestimmtes Leben im Alter gewährleisten

„Unser genereller Auftrag ist, soziale Sicherheit und selbstbestimmtes Leben im Alter zu gewährleisten. Durch die optimale Betreuung der älteren Menschen zu Hause hält sich die Nachfrage nach städtischen oder privaten Pflegeeinrichtungen auch künftig im Rahmen. Bis 2024 finden wir mit den zehn städtischen Linzer SeniorInnenzentren das Auslangen. Erst dann wird aus heutiger Sicht ein spürbarer Anstieg einsetzen und die Errichtung neuer Infrastruktur in diesem Bereich notwendig sein“, informiert Vizebürgermeisterin Hörzing auch über den aktuellen Bedarf an stationärer Pflege.

Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Nachfrage nach Pflegeplätzen sind die mobilen Dienste, die es den Seniorinnen und Senioren erlauben, länger in ihrer eigenen Wohnung zu verbleiben. Schnittstelle für all diese Angebote sind die Sozialberatungsstellen Kompass der Stadt Linz. Hier erfahren Betroffene und Angehörige, welche mobilen und stationären Angebote es für die jeweilige Lebenssituation gibt, bis hin zur Aufnahmeabwicklung für ein Pflegeheim.

Mobile Dienste: Hauskrankenpflege, mobile Betreuung und Hilfe

Bei den mobilen Diensten werden Hauskrankenpflege (HKP) und mobile Betreuung und Hilfe (MBH) unterschieden.

Hauskrankenpflege

Hauskrankenpflege wird ärztlich verordnet und von diplomiertem Personal durchgeführt. Aufgrund der ärztlichen Anordnung der Einsatzstunden hat die Stadt hier keine direkte Steuerungsfunktion in Bezug auf individuelle medizinische Betreuung. Es finden jedoch regelmäßige Besprechungen zwischen Einsatzleitungen und den Kompass-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter statt. Zudem werden jährliche Gespräche mit den Anbieterorganisationen geführt, in denen die Leistungsstunden festgelegt werden. Durch die gänzliche Finanzierung aus dem Strukturfonds des Landes stellt sich die Leistung für die Stadt kostenneutral dar. 2017 wurden 2.060 Klientinnen und Klienten in 40.783 Stunden betreut. Die Aufwendungen für die Hauskrankenpflege beliefen sich auf mehr als 1,5 Millionen Euro.

Die Hauskrankenpflege wurde in Linz bis Mitte des Jahres 2013 zur Gänze von der Linzer Volkshilfe getragen. Seitdem wurden diese Leistungen auf sieben Trägervereine aufgeteilt. Für 2018 wurde mittels Leistungsstundenvereinbarung mit den Trägervereinen ein Ausmaß von 44.000 Stunden festgelegt.

Quelle: Magistrat Linz – Soziales, Jugend und Familie

Die Hauskrankenpflege ermöglicht die medizinische Betreuung zu Hause. Sie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der stationären Bereiche wie etwa der Krankenanstalten. Fachkundige Beratung sowie Hilfestellung beim Organisieren von Heilbehelfen und Pflegematerial erleichtern den Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen die Betreuung zu Hause. Die Klientinnen und Klienten werden in sozialer Hinsicht beraten und begleitet.

Mobile Betreuung und Hilfe

Während die Hauskrankenpflege vom Land vollfinanziert wird, verhält es sich bei der mobilen Betreuung und Hilfe, die von HeimhelferInnen (HH) und FachsozialbetreuerInnen Altenarbeit (FSBA) erbracht wird, anders. Hier werden die Kosten je zur Hälfte von Stadt und Land getragen.

Betreuungsausmaß und -inhalt werden im Zuge eines Hausbesuches der Kompassmitarbeiterinnen mit den Klientinnen und Klienten sowie mit Angehörigen vereinbart. Die Betreuungsleistungen werden von einer zuständigen Hilfsorganisation durchgeführt und reichen von Kurzzeitbesuchen (20 bis 30 Minuten) bis zu mehr als 90 Betreuungsstunden im Monat.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde die mobile Betreuung und Hilfe in Linz massiv ausgebaut, dementsprechend entwickelten sich auch die Einsatzzeiten und Personalstärken dynamisch nach oben. Seit 2012 kann in Linz von einer Vollversorgung gesprochen werden. Laut Leistungsvereinbarungen für das Jahr 2018 werden bis zu 55.500 Stunden durch Heimhilfe bei der Unterstützung in der Haushaltsführung und bei Aktivitäten des täglichen Lebens geleistet. Die Fachsozialbetreuerinnen und -betreuer Altenarbeit sind bis zu 125.700 Stunden für die soziale Betreuung und Pflegehilfe nach dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz im Einsatz. Zusammen erbringen beide Dienste bis zu 181.200 Einsatzstunden.

Quelle: Magistrat Linz – Soziales, Jugend und Familie

Die Leistungen der Trägervereine erfolgen auf Basis eines Rahmenvertrags, in dem Leistungsstundenkontingente festgelegt sind. Ausgehend von diesem Rahmenvertrag wird jährlich mit jedem Verein eine Leistungsvereinbarung für das nächstfolgende Jahr ausverhandelt.

Kostenentwicklung

Die Finanzierung der mobilen Dienste erfolgt aus Mitteln der öffentlichen Hand (Stadt und Land OÖ), die Klientinnen und Klienten haben sozial gestaffelte Kostenbeiträge (die vom Land OÖ auf Basis des Netto-Haushaltseinkommens verordnet werden) zu leisten.

„Allein im Jahr 2017 betrugen die Aufwendungen von Stadt und Land für mobile Dienste jeweils 2,7 Millionen Euro, die Klientinnen und Klienten trugen etwa 2,3 Millionen Euro bei“, rechnet Vizebürgermeisterin Karin Hörzing vor.

Quelle: Magistrat Linz – Soziales, Jugend und Familie

In Summe wurden im Jahr 2017 164.984 Einsatzstunden für die Fachsozialbetreuung Altenarbeit und Heimhilfe verrechnet. Insgesamt (inkl. KlientInnenbeiträge) kostete 2017 eine Einsatzstunde in Linz durchschnittlich 46,06 Euro. Davon entfielen auf die Stadt Linz 16,14 Euro und ebenso viel auf das Land OÖ. 

Gestaffelte Beiträge

Die Beiträge der Klientinnen und Klienten werden durch die Sozialhilfeverordnung des Landes in der Regel jährlich angepasst. Die seit 1. Jänner 2018 gültigen Beiträge sind in 16 Stufen gestaffelt und reichen von zwei Euro bis zu 38,80 Euro je Einsatzstunde für Klientinnen und Klienten ohne Pflegegeldbezug bzw. von 7,50 Euro bis zu 44,30 Euro je Einsatzstunde für Klientinnen und Klienten mit Pflegegeldbezug. Im Gegensatz zur stationären Betreuung gibt es hier keine echten Vollzahlerinnen bzw. Vollzahler.

Hauskrankenpflege wird von diplomiertem Personal durchgeführt, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Heimhelferinnen und Heimhelfer unterstützen bei der Haushaltsführung und Aktivitäten des täglichen Lebens, während im Rahmen der so genannten Fachsozialbetreuung „Altenarbeit“ neben der sozialen Betreuung auch Pflegehilfe nach dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz geleistet wird. Die frühere Abgangsdeckung wurde durch normierte Leistungspreise ersetzt. In Rahmenverträgen werden Stundenkontingente bestellt, die nach einem vom Land errechneten Normpreis abgegolten werden.

Umfang und Struktur der Betreuung

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 2.081 Klientinnen und Klienten betreut und dabei 164.984 Einsatzstunden verrechnet. Im Monatsdurchschnitt wurden etwa 1.250 Klientinnen und Klienten betreut und 13.740 Einsatzstunden geleistet.

Eine Auswertung der Altersstruktur der betreuten Personen der mobilen Dienste des Dezember 2017 zeigt, dass der Großteil (63 Prozent) der betreuten Personen bereits über 80 Jahre alt ist. Dies zeigt folgende Aufstellung:

Grafik und Tabelle: Stadtforschung Linz

Aufteilung in sieben Versorgungssprengel

Die Stadt Linz beschäftigt selbst keine FachsozialbetreuerInnen Altenarbeit und Heimhilfe, sondern kauft die Leistung von sieben verschiedenen Vereinen zu. Zu diesem Zweck wurde Linz in Versorgungssprengel untergliedert, die jeweils von einem Verein betreut werden.

Bedarf an mobilen Diensten (Fachsozialbetreuung Altenarbeit und Heimhilfe) bis 2021 gedeckt

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist in Linz in den nächsten Jahren mit einem stagnierenden Bedarf an mobiler Hilfe (Fachsozialbetreuung Altenarbeit und Heimhilfe) zu rechnen, der erst ab etwa 2021 zunächst leicht und ab Mitte des Jahrzehnts stärker anzusteigen beginnt.

Für 2018 ist mit den Betreuungsvereinen ein Maximalkostenrahmen von 181.200 zu leistenden Betreuungsstunden vereinbart. Aus derzeitiger Sicht sollte mit diesem Volumen für die nächsten Jahre das Auslangen zu finden sein.

In der Grafik wird neben der von der Stadtforschung errechneten Bedarfsentwicklung auch der Korridorbereich (Minimal- und Maximalgrenzen) dargestellt. Quelle: Stadtforschung Linz

Auch bei einer Aufteilung der Dienste Fachsozialbetreuung Altenarbeit und Heimhilfe bewegt sich Linz jeweils in diesem Vorhersagebereich. Infolge des Grundsatzbeschluss des Linzer Gemeinderates wurden für 2018 mit den Betreuungsvereinen 125.700 Jahresstunden für Fachsozialbetreuung Altenarbeit und 55.500 Stunden für Heimhilfe vereinbart. Erst ab 2021 steigen die Leistungskurven an:

Erste Anlaufstelle für mobile Dienste: Sozialberatungsstellen Kompass

In den Sozialberatungsstellen Kompass bietet die Stadt Linz kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, allgemeine Sozialberatung speziell auch für Seniorinnen und Senioren an. Informiert wird über Möglichkeiten zur mobilen Altenbetreuung, zur Hauskrankenpflege, über die Anmeldung für Linzer Seniorenheime und über sämtliche regionale Hilfsangebote. In Linz wird dieses Service in den Beratungsstellen Kompass Nord im Neuen Rathaus, Kompass Ost im SZ Franckviertel, Kompass Süd im SZ Neue Heimat und Kompass Auwiesen (im Stadtteilzentrum) angeboten. Je nach Wohnadresse werden mobile Dienste durch die einzelnen Vereine zugeteilt und von diesen geleistet, um die Wegstrecken möglichst gering halten zu können.

Weiteres Paradebeispiel für mobile Dienste: „Essen auf Rädern“

Neben der Fachsozialbetreuung Altenarbeit und der Heimhilfe ist die Aktion „Essen auf Rädern“ eine weitere wichtige Sozialleistung und ein Paradebeispiel für mobile Dienste, die älteren Menschen einen möglichst langen Verbleib in den eigenen vertrauten vier Wänden ermöglichen.

Mehr als 1.000 Kundinnen und Kunden im Jahr

Von den 1.018 Kundinnen und Kunden im Jahr 2017 bestellte etwa ein Drittel täglich bei „Essen auf Rädern“, 50 Prozent nutzen die soziale Dienstleistung von Montag bis Freitag. Der Großteil, immerhin fast die Hälfte, ist in einem Alter von über 85 Jahren. 687 Kundinnen und Kunden werden vom Roten Kreuz beliefert, 331 vom Arbeiter-Samariterbund.

„Essen auf Rädern“ ist eine Aktion im Auftrag der Stadt Linz, die seit 1973 besteht. Seit 2015 gibt es eine Neuerung bei der Bestellmöglichkeit, die den Kundinnen und Kunden sowie deren Angehörigen eine erleichterte Nutzung bringt. Durch eine Anbindung an die Homepage www.linz.at können Abmeldungen und Änderungswünsche über das Internet abgewickelt werden. Seit dem letzten Jahr gibt es zudem eine Neuerung für Kundinnen und Kunden, die Freitagmittag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Durch die Anbindung der Krankenhäuser an das Bestellsystem kann für die Seniorinnen und Senioren vom Krankenhaus direkt für das kommende Wochenende bestellt werden.

Haus- und Heimservice

Mit dem Haushaltsservice wird Unterstützung bei der allgemeinen Reinigung im Haushalt angeboten. Der Kostenbeitrag für diese Dienstleistung ist je nach Einkommen gestaffelt. Dieser Dienst wird in Linz unter anderem von der Linzer Volkshilfe und dem Hilfswerk OÖ angeboten.

24-Stunden-Pflege

Nicht im Rahmen der Fachsozialbetreuung Altenarbeit und Heimhilfe erfolgt die so genannte 24-Stunden-Betreuung. Sie entlastet gleichzeitig die stationären Pflegeeinrichtungen. Die 24-Stunden-Betreuung wird teilweise durch Zuschüsse des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz finanziert.

Waren es 2013 nur 541 Linzerinnen und Linzer, die in der einschlägigen Statistik aufschienen, so stieg die Anzahl bis 2016 auf 682 Personen an und zeigte sich 2017 mit 646 Personen leicht rückläufig. Möglicherweise ist die Zahl derer, die tatsächlich eine 24-Stunden-Betreuung haben, noch ein wenig höher. Sofern jemand seine 24-Stunden-Betreuung ausschließlich selbst bezahlt und nicht um diesen Ministeriumszuschuss ansucht, scheint er/sie in der Statistik nicht auf.


Quelle: Stadt Linz



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