Salzburg: So lebendig ist Salzburgs Brauchtum um Weihnachten und Neujahr

vonRedaktion Salzburg
DEZEMBER 21, 2023

Foto: Brauchtumsgruppe Jung Alpenland

Foto: Franz Neumayr

Foto: Brauchtumsgruppe Jung Alpenland

Frautragen, Schützen, „Perchtl“, Glöckner oder Kraxenträger / Ein Blick auf besondere Bräuche in allen Bezirken

(LK) Die Tage rund um Weihnachten und Neujahr sind in Salzburg geprägt von vielen unterschiedlichen Traditionen in den Familien und den Gemeinden. Nicht fehlen darf in der Regel ein geschmückter Christbaum, der Besuch der Christmette oder Glücksbringer zu Silvester. Diese Vielfältigkeit an Brauchtum zwischen Abtenau und Zell am See ist einzigartig und prägt das Land.

Die Adventszeit, Weihnachten und die Zeit des Jahreswechsels ist eine mystische Zeit mit allerhand Bräuchen, Traditionen und Volksweisheit. Ein fester Bestandteil sind dabei die vier Raunächte, beginnend mit der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember, wo die Haussegnung mit der Rauchpfanne vorgenommen wird. Hier ein Überblick über acht weitere Bräuche aus den Bezirken im Advent bis zum Dreikönigstag am 6. Jänner.

Anglöckler ziehen durch Dörfer

Typisch für den Advent in Salzburg ist das Anglöckeln, teils mit einer überlieferten Tradition. „Der Begriff kommt dabei nicht vom Wort Glocke, sondern vom Anklopfen an die Türen und Fenster. An den drei Donnerstagen im Advent ziehen die Anglöckler in den Weilern und Siedlungen von Haus zu Haus, künden die Christgeburt an und überbringen teilweise auch Neujahrswünsche. Es ist kein öffentlicher ,Schau-Brauch‘, sondern wird in der Nachbarschaft gepflegt und ist etwas sehr Lokales sowie auch Familiäres“, weiß Michael Greger vom Salzburger Landesinstitut für Volkskunde, das heuer das 40jährige Jubiläum gefeiert hat.

Frautragen in Zell am See

Sie ist rund 80 Zentimeter groß und rund sechs Kilo schwer. Die Gottesmutter der Waldgemeinschaft Schmitten-Bruckberg in Zell am See wird jährlich an zirka 20 verschiedene Standorte getragen. „Sie ist eine Abbildung der berühmten Schutzmantelmadonna aus Ravensburg aus dem 15. Jahrhundert. Ein Südtiroler Holzschnitzer hat die Figur in Handarbeit hergestellt. Rund um Maria Empfängnis wird mit dem Tragen gestartet, die Madonna steht dann jeweils einige Nächte in verschiedenen Bauernhöfen der Gemeinschaft. Mitte Jänner kommt sie wieder zu mir zurück“, erzählt Landwirt Toni Pfeffer, den diesen Brauch aus seiner Kindheit 1992 wiederbelebt hat.

Auf zur „wilden Jagd“

Bereits einige Tage vor Weihnachten ist die „wilde Jagd“ mit zwölf mystischen Figuren im Schatten des Untersberges unterwegs. „Wir sind der Zug der Seelen und bringen das Glück auf die Bauernhöfe – getreu unserem Leitspruch ,Glück hinein und glück hinaus, es zieht des wilde Gjoad ums Haus‘. Dabei legen wir jedes Jahr eine andere Route zurück“, sagt Alexander Wieland, Obmann der Brauchtumsgruppe „Jung Alpenland“. Das Besondere an der „wilden Jagd“: Der genaue Ort wird nicht angekündigt, soll geheim bleiben – was allerdings meist nicht lange gelingt.

Christkindlanschießen auf der Festung

In der Landeshauptstadt wird von den Salzburger Festungsprangerstutzenschützen ein langjähriger Brauch gepflegt: Das Chistkindlanschießen. „Am Heiligen Abend sind zirka 25 Männer mit den Prangerstutzen auf der Festung. Das Christkindl wird um 12 Uhr von der Kuenburgbastei angeschossen. Auch der Landeshauptmann bekommt immer eine Ehrensalve, danach besuchen wir noch immer die Georgskirche zur Andacht“, berichtet der Hauptmann Christian Zinnburg. Diesen besonderen Brauch gibt es auch in anderen Gemeinden im Land. Die Kuchler Handböllerschützen heißen das Christkind beispielsweise auch lautstark willkommen.

An Fried, an Gsund und an Reim im Pongau

Bereits zum 65. Mal findet am 26. Dezember 2023 der große Pongauer Perchtenlauf statt, diesmal in Bischofshofen. Veranstaltet wird dieser vom Trachtenverein D‘Hochgründecker. Deren Vereinsobmann Rupert Steiner ist seit rund 47 Jahren aktiv dabei. „Die letzten Vorbereitungen bei den zirka 25 Gruppen mit bis zu 300 Teilnehmer laufen auf Hochtouren. Heuer haben wir drei neue Schönpercht-Tafeln dabei. Sie stellen das Brauchtum im Bezirk, das ,Bauernjahr einst‘ sowie Freizeitaktivitäten im ländlichen Raum dar“, so Steiner. Das besondere an den Schönpercht-Tafeln in Bischofshofen: Sie sind auf der Vorderseite mit Schmuck oder Blumen verziert, die Rückseite ist bemalt.

Landeshauptstadt hell erleuchtet

Wenn am 5. Jänner, der letzten Rauhnacht, der Abend in der Stadt Salzburg anbricht, rücken die Glöckler mit ihren weißen Hosen und Hemden aus. Ihre prachtvoll und hellerleuchteten Kappen dienen als Schrein für das kostbare Licht. Vom Nonntal ziehen sie aus zum Sitz des Erzbischofes am Kapitelplatz. „Im Moment haben wir rund 30 Kappen. Jede ist ein Einzelstück, in der viele Stunden Arbeit und pflege steckt. Derzeit laufen wir zehn Stationen an und wünschen der Bevölkerung Gesundheit, Glück und Segen für das neue Jahr“, sagt Jung-Alpenland-Obmann Alexander Wieland, dessen Verein seit 1968 den Glöcklerlauf in der Landeshauptstadt organisiert.

Die „Perchtl“ geht im Lungau

Ein verdecktes, bis zu Unkenntlichkeit entstelltes Gesicht und lange Zotteln. Das ist die Lungauer „Perchtl“, eine hexenähnliche Gestalt. „Mit dem Besen kehrt das Fabelwesen am 5. Jänner, in der letzten Raunacht, das alte Jahr hinaus und das neue hinein und soll vor allem Glück bringen. Vor 100 Jahren sind die Knechte im Lungau noch in großen Gruppen als ,Perchtl‘ gegangen, jetzt wird es immer weniger“, erzählt Michael Moser aus Tamsweg, der selbst als Fabelwesen unterwegs sein wird und zu Privathaushalten und Gaststätten geht. Die Perchtl geht noch in Unternberg und St. Andrä sowie in Kendlbruck, hier jedoch bereits am 23. Dezember.

Sommer- und Winterspiel in Golling

In der letzten Raunacht ziehen auch rund 25 Mitglieder des Trachtenverein D‘Rabenstoana in Ortsteile von Golling, Scheffau oder Kuchl. Beim Sommer- und Winterspiel bringen sie Glück und Segen an aktive Bauernhöfe. „Mitte der 1990er Jahre hat der Trachtenverein diesen alten Brauch wiederbelebt. Die Figuren sind eine Frau Percht, Sommer sowie Winter, drei Fetzenperchten – davon ein Wuzler, zwei Vogelperchten, eine Habergeiß mit Treiber, ein Kraxenträger, die Spielmusik, ein Trommler sowie die Fackelträger. Höhepunkt ist das Streitgespräch zwischen den beiden Jahreszeiten, wo der Sommer als Sieger hervorgeht“, so Perchten-obmann Reinhard Wieser, der als Kraxenträger an Fried, an G‘sund und an Reim überbringt. Jährlich werden bis zu 18 Höfe bei unterschiedlichen Routen besucht.

Quelle: Land Salzburg

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