FH Salzburg: Josef Ressel Zentrum forscht an Entwicklung verlässlicher Systeme

vonOTS
NOVEMBER 30, 2020

Foto: FH Salzburg/Lagler

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Eröffnung des Josef Ressel Centre for Dependable System-of-Systems Engineering an der FH Salzburg

Je autonomer neue Technologien arbeiten und miteinander kommunizieren, desto kompatibler und verlässlicher müssen sie sein. Am neuen Josef Ressel Zentrum, das heute an der FH Salzburg eröffnet wird, werden Methoden erforscht, um komplexe und verteilte cyber-physische Systeme so zu entwickeln, dass ein verlässlicher Betrieb gewährleistet wird. Gefördert wird das Zentrum vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW).

Forschungsgegenstand

Das Beherrschen steigender, hochkomplexer Systeme – insbesondere im Verbund als „System-of-Systems“ – stellt eine zentrale Herausforderung der Zukunft dar. Diese Systeme müssen vor allem eins können: einen verlässlichen Betrieb gewährleisten.

„Ein Beispiel hierfür ist das preisgesteuerte Laden elektrischer Fahrzeuge. Wird die Elektromobilität in Zukunft weiter ausgebaut und werden kostengünstige Ladezeiten für E-Autos angeboten, kann es durch Gleichzeitigkeitseffekt im ungünstigsten Fall zu negativen Rückwirkungen auf das Stromnetz kommen. Eine ganzheitliche und interdisziplinäre Betrachtung ist hier ganz zentral, um einen verlässlichen Betrieb zu ermöglichen“, erklärt der Leiter des neuen Josef Ressel Zentrums, FH-Prof. Dr. Christian Neureiter.

Das Team rund um Christian Neureiter wird in den kommenden Jahren innovative Entwicklungsmethoden für interdisziplinäres Engineering solcher cyber-physischer Systeme untersuchen, die einen verlässlichen Betrieb ermöglichen.

„Systems Engineering ist eigentlich eine Nische in der Forschungslandschaft. Das ganzheitliche Verständnis komplexer Systeme stellt aber eine Schlüsselkompetenz für Innovationen durch aktuelle Technologien, wie z.B. künstliche Intelligenz (KI), dar, und ist ein zentraler Enabler für Innovation in der interdisziplinären Entwicklung cyber-physischer Systeme“, erklärt Neureiter den Forschungsbereich. „Eines der Ergebnisse hierfür ist dann eine Modellierungs-Software (‚Toolbox‘), ähnlich den bereits veröffentlichten Lösungen für Smart Grid (www.sgam-toolbox.org ) und Industrie 4.0 (www.rami-toolbox.org ), die eine ganzheitliche Betrachtung für Konstruktion, Planung und Realisierung solcher Systeme ermöglichen“, beschreibt Neureiter weiter die Zielsetzung des jüngsten Josef Ressel Zentrums an der FH Salzburg.

Wirtschaftsministerium fördert Forschung am Puls der Zeit

Dr. Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, begrüßt die neue Forschungsinitiative und unterstreicht die Bedeutung des Forschungsvorhabens am Puls der Zeit: „Gerade die Covid-Zeit hat uns gezeigt, dass die Digitalisierung und moderne Systeme wesentlich sind, um unser gemeinsames Wirtschaften aufrecht zu erhalten. Denken wir an die neuen Herausforderungen unserer Zeit. Es ist wichtig auf die Systeme zu achten, die ineinander übergreifen und die sich durch Innovation und neue Anwendung verändern werden. Es ist sehr wichtig, dass wir Unternehmen mit Grundlagenforschern zusammenbringen und in der angewandten Forschung die Lösungen für die Probleme der Wirtschaft finden.“

Dr. Wilfried Haslauer, Landeshauptmann Land Salzburg, unterstreicht die Bedeutung des Forschungszentrums für die Region: „Mit dem neuen Josef Ressel Zentrum wird der Forschungsstandort Salzburg weiter gestärkt. Die Zusammenarbeit mit den industriellen Partnern, die alle einen Sitz in Salzburg haben, ermöglicht einen Erkenntnistransfer aus der Forschung direkt in die regionale Wirtschaft. Wir brauchen Leuchttürme in diesem Bereich und mit dem neuen Forschungszentrum besteht die große Chance, einen derartigen Leuchtturm zu bauen.“

Vernetzt mit Top Konzernen

Das Forschungsfeld Systems Engineering ist ein Querschnittsthema, das Anwendung in einer Vielzahl an Domänen findet. Das zeigt sich auch an der Beteiligung von Partnern aus unterschiedlichen Branchen und Forschungsdomänen des neuen Zentrums: Automotive, Industrie 4.0, Smart Cities und Smart Grids. In diesen vier Bereichen kooperiert das neue Ressel Zentrum mit internationalen und regionalen Top Konzernen, wie der Robert Bosch GmbH aus Stuttgart und der Siemens AG aus München, sowie aus Salzburg, den Unternehmen has·to·be GmbH und GeoConsult ZT. Diese Zusammenarbeit bestätigt die Innovationskraft in der Region und weiter über die Grenzen hinaus.

Dr. Thomas Schwartzkopff, Fachreferent für Model Based Systems Engineering bei der Robert Bosch GmbH, begrüßt die instiutionalisierte Zusammenarbeit: „Zwei der Megatrends, die uns bei Bosch im Bereich Automotive derzeit beschäftigen, sind Elektrifizierung und Automatisierung. In diesem Zusammenhang gewinnen sowohl die funktionale Sicherheit als auch die Datensicherheit sowie der Datenschutz immer mehr an Bedeutung. Hinzu kommt die Herausforderung, die Systementwicklung mit dem Dependability-, also dem Verlässlichkeits-Aspekt, zusammenzubringen. Hier gilt es, noch viele Fragen zu klären. Wir freuen uns, jetzt mit dem Josef Ressel Zentrum gemeinsam Antworten erarbeiten zu können.“

Dr. Ambra Calà von der Siemens AG: „Mit dem Josef Ressel Zentrum möchten wir uns auf das Thema intelligente und flexible Fabrik konzentrieren. Mit der Kooperation möchten wir die Anwendung von Model Based Systems Engineering auf neue intelligente Umgebungen, wie Industrie 4.0, untersuchen, um das Management zwischen unterschiedlichen cyber-physischen Systemen zu ermöglichen. Wir freuen uns daher sehr, diese Herausforderungen im JRZ gemeinsam zu addressieren.“

Dr. Markus Keuschnig von Geoconsult Holding ZT, einem aus Salzburg stammenden und weltweit agierenden Ingenieursunternehmen, freut sich auf die Modellentwicklung im Bereich Smart City und Building Information Modeling: „Von zentraler Bedeutung bei Infrastrukturprojekten im städtischen Bereich ist für uns die ganzheitliche und interdisziplinäre Betrachtung und Modellierung. Systeme aus verschiedenen Ebenen und Domänen müssen in Zukunft verknüpft werden, was eine durchgängige Modellierung zur Voraussetzung macht. Wir freuen uns darauf, diese Themen im neuen JRZ gemeinsam zu erforschen.“

Michael Engl, M.Sc., CTO beim Unternehmen has·to·be in Radstadt und Absolvent des Studiengangs Informationstechnik & System-Management: „Als Absolvent der FH Salzburg war mir nach meinem beruflichen Wechsel zur has·to·be GmbH klar, dass wir weiter mit der FH kooperieren wollen. Mit digitalen Lösungen für die Verwaltung von Ladestationen agieren wir direkt an der Schnittstelle zwischen Automotive und Smart Grid. Daher ist das neue JRZ der perfekte Partner, um in diesem Bereich Fortschritte erzielen zu können.“

Nachhaltige Forschungsförderung durch Christian Doppler Gesellschaft (CDG)

Das JRZ wurde aus dem „Zentrum für sichere Energieinformatik (ZSE)“ heraus initiiert, das wiederum aus dem ersten „Josef Ressel Center for User-Centric Smart Grid Privacy, Security and Control“ an der FH Salzburg (2013-2017) hervorgegangen ist. Die Historie des neuen Josef Ressel Zentrums belegt demnach die nachhaltige Wirksamkeit der CDG Förderprogramme. Christian Neureiter hat bereits als Senior Researcher an beiden Forschungszentren mitgearbeitet. Eine Stärke des Teams besteht auch in der Zusammenarbeit erfahrener Forscherinnen und Forscher mit jungen Nachwuchsforscherinnen und -forschern, die gezielt gefördert werden können.

FH-Prof. Dr. Roald Steiner, Vizerektor für Forschung und Entwicklung an der FH Salzburg erklärt: „Mit Christian Neureiter, der bereits als Senior Researcher im ersten JRZ und dem daraus hervorgegangenen ZSE kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Forschungsbereiches mitgewirkt hat, leitet ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet Systems Engineering das neue Zentrum.“

Josef Ressel Zentren: Forschung an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

In Josef Ressel Zentren wird anwendungsorientierte Forschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende ForscherInnen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best Practice Beispiel. Josef Ressel Zentren werden vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert.

Key-Facts zum Josef Ressel Centre for Dependable System-of-Systems Engineering an der FH Salzburg

Host FH Salzburg, Zentrum für sichere Energieinformatik Zentrumsleitung FH-Prof. DI. Dr. Christian Neureiter Fördergeber Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) Unternehmenspartner: Robert Bosch GmbH, Stuttgart; Siemens AG, München; Geoconsult Holding ZT GmbH, Salzburg; has·to·be GmbH, Radstadt Zielsetzung Am Josef Ressel Centre for Dependable System-of-Systems Engineering wird an modellbasierten Entwicklungsmethoden geforscht, die eine ganzheitliche Betrachtung komplexer Systeme ermöglichen. Im Fokus steht hierbei die Integration unterschiedlicher Stakeholder sowohl aus verschiedenen technischen als auch nicht-technischen Disziplinen. Die holistische Modellierung komplexer Systeme soll den Entwurf, die Analyse und die Realisierung verlässlicher Systeme ermöglichen. Darüber hinaus soll eine Betrachtung und Analyse von System-Verbünden (System-of-Systems) ermöglicht werden. Hintergrund Das JRZ wurde aus dem „Zentrum für sichere Energieinformatik“ heraus initiiert, das wiederum die Fortführung des „Josef Ressel Center for User-Centric Smart Grid Privacy, Security and Control“ (2013-2017) darstellt. Laufzeit 2020-2025 Website www.fh-salzburg.ac.at/desos

Quelle: OTS

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