Tirol: Verkehr verursacht 2,1 Milliarden Euro an „externen“ Kosten im Jahr

vonRedaktion Salzburg
APRIL 16, 2026

Tirol

Kostenwahrheit am Brennerkorridor

Nicht selten fällt bei Diskussionen rund um die Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene ein Stichwort: Kostenwahrheit. Wesentlich dabei sind die sogenannten „externen Kosten“, die vom öffentlichen System langfristig beispielsweise durch Ausgaben im Gesundheitssystem oder zur Klimawandelanpassung getragen werden müssen. Wie hoch diese externen Kosten sind, wurde nun in einer Studie untersucht, die im Rahmen der EU-Alpenraumstrategie EUSALP beauftragt wurde. Das zentrale Ergebnis: Die externen Kosten des Straßengüterverkehrs am Brennerkorridor sind pro Tonnenkilometer mehr als vier Mal so hoch wie beim Transport auf der Schiene.

„Bei dem von den Transportunternehmen gezahlten Preis hat die Schiene einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Straßentransport. Dabei wird nämlich weitgehend außer Acht gelassen, welche Kosten für die Allgemeinheit anfallen. Diese Kosten sollte eigentlich der Verursacher – in diesem Fall der Güterverkehr auf der Straße – tragen“, sagt Verkehrslandesrat René Zumtobel: „Gäbe es Kostenwahrheit und damit wirtschaftliche Fairness zwischen Straße und Schiene, müssten sich die mehr als vierfach höheren externen Kosten auf der Straße im Transportpreis widerspiegeln.“

Externe Kosten am Brenner die höchsten aller Alpenübergänge

Unter den Begriff „externe Kosten“ fallen klimaschädliche Treibhausgasemissionen, Luftverschmutzung durch Schadstoffe, Lärmbelastung und die Beeinträchtigung von Ökosystemen sowie die wirtschaftlichen Folgekosten von Staus durch Zeitverluste oder die Gesundheitskosten bei Unfällen. Berechnet wird, wie hoch die finanziellen Schäden bzw. die zu tragenden Folgekosten für die Gesellschaft sind. Für die Berechnung der externen Kosten in der Studie wurden zahlreiche Datenquellen und vorhandene Erhebungen aus unterschiedlichen Regionen herangezogen. Der Fokus lag dabei auf den Besonderheiten im alpinen Gebiet, in dem die topographischen und meteorologischen Besonderheiten unweigerlich zu einer höheren Belastung für Umwelt und Gesellschaft führen. Untersucht wurden insgesamt sechs grenzüberschreitende Streckenabschnitte bzw. Korridore in der Alpenregion, darunter auch der Brennerkorridor zwischen München und Verona. Basis der Untersuchung bilden die Verkehrsdaten von 2023 und Daten aus Studien von 2006 bis 2025. Während beim Transport auf der Schiene hauptsächlich externe Kosten durch Lärmbelastung entstehen, gibt es beim Straßentransport weitaus mehr Faktoren, die externe Kosten verursachen.

Die Untersuchung ergab, dass auf dem rund 430 Kilometer langen Brennerkorridor die meisten externen Kosten entstehen. Nur am Ventimiglia-Korridor (Marseille-Genua) entstehen vergleichbar hohe externe Kosten. Dabei spielt auch der hohe Anteil an Umwegverkehr am Brenner eine Rolle. „Rund ein Drittel der Transit-Lkw fahren durch Tirol, obwohl sie eigentlich eine um mehr als 60 Kilometer kürzere Alternative hätten. Der Hauptgrund für diesen freiwilligen Umweg sind die geringen Mautkosten am gesamten Korridor. Die Folgekosten tragen die Menschen in Tirol und Österreich“, resümiert LR Zumtobel.

Kosten von rund 2,1 Milliarden Euro jährlich für die Allgemeinheit

Am Brenner verursacht der Transport von Waren rund 1,1 Milliarden Euro an externen Kosten pro Jahr, die der Allgemeinheit in Form von Kosten für Umwelt, Gesundheit und reduzierter Lebensqualität „angelastet“ werden. Wenn auch noch der Personenverkehr auf dem Brennerkorridor mitbetrachtet wird, ergibt sich gemäß der neuen Studie eine Summe von über 2,1 Milliarden Euro pro Jahr, die durch Verkehr entstehen. Diese Kosten werden beispielsweise über höhere Steuerbeiträge aufgrund steigender Kosten für Klimawandelanpassung oder über höhere Beiträge für die Krankenkassen durch die Gesellschaft bezahlt.

Brenner Basistunnel reduziert externe Kosten beim Schienentransport im Wipptal

Hauptverursacher von externen Kosten am Brenner sind Staus, Unfälle und CO2-Emissionen im Straßenverkehr. 96 Prozent der externen Kosten durch den gesamten Verkehr am Brennerkorridor entstehen auf der Straße, nur vier Prozent sind auf die Schiene zurückzuführen. Die bereits sehr niedrigen externen Kosten durch den Schienenverkehr sind hauptsächlich auf Lärm zurückzuführen, der mit der künftig unterirdischen Führung der Güterzüge durch den Brenner Basistunnel im Wipptal nahezu gänzlich wegfallen wird.

Schiene schneidet auch bei Energieverbrauch und Emissionen deutlich besser ab als Straße

„Die neuen Daten belegen es einmal mehr: Der Transport auf der Schiene ist eine umweltfreundliche, klimaschonende und – wären die entstandenen Kosten tatsächlich vom Verursacher zu bezahlen – auch günstige Alternative zum Straßentransport“, verweist der Verkehrslandesrat auch auf die Studie zur Energieeffizienz und zu den Emissionen beim Transport. „Dafür braucht es aber die so oft genannte Kostenwahrheit am Brennerkorridor. Der Transport auf der Straße ist schlichtweg zu günstig und nicht energieeffizient. Der Transport einer Tonne auf der Schiene versursacht 85 Prozent weniger CO2, erfordert 80 Prozent weniger Energie und versursacht fünf Mal weniger externe Kosten als der Transport derselben Menge auf der Straße. Es braucht daher wirtschaftliche Fairness zwischen Schiene und Straße, ansonsten wird die Verlagerung nicht gelingen“, fasst LR Zumtobel zusammen.

Quelle: Land Tirol

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