Österreich: Vegan-Umfrage entkräftet Klischees über Religion, Esoterik und Politik

vonOTS
JULI 23, 2026

Foto: Photographee.eu - stock.adobe.com

Große vegan.eu-Befragung mit 2161 vegan lebenden Personen zeigt eine überwiegend religionskritische Grundhaltung und nur geringe Zusammenhänge zwischen Religion, Spiritualität, Esoterik und politischen Einstellungen.

Eine neue Auswertung der großen vegan.eu-Umfrage 2025 hat untersucht, wie vegan lebende Personen im deutschsprachigen Raum zu Religion, Spiritualität, Esoterik, Anthroposophie, Atheismus und Agnostizismus stehen und wie diese Einstellungen mit politischen Haltungen zusammenhängen.

An der Befragung beteiligten sich 2.161 nach eigenen Angaben vegan lebende Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren, die mehrheitlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammten. Die Teilnehmenden wurden über verschiedene Wege rekrutiert, darunter Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang/Vegan.eu sowie weitere Kanäle. In den statistischen Analysen wurden Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg kontrolliert.

Mehrheitlich religionskritische Grundhaltung

Eines der Hauptergebnisse:

Gegenüber nicht religionsgebundener Spiritualität zeigte sich eine offenere, aber ebenfalls nicht überwiegend zustimmende Haltung:

Auch bei konkreten religiösen oder spirituellen Positionen zeigte sich keine breite religiöse oder esoterische Prägung:

"Die Daten sprechen gegen die Annahme, vegan lebende Personen hätten eine besondere Nähe zu Religion, Spiritualität oder Esoterik", erklärt Dr. Guido F. Gebauer, Psychologe und Autor der Auswertung. "Wenn es überhaupt eine auffällige weltanschauliche Tendenz gibt, dann ist es eher eine religionskritische, atheistische oder agnostische Grundhaltung."

Nur geringe Zusammenhänge mit politischen Einstellungen

Ein weiterer Fokus der Auswertung lag auf den Zusammenhängen der Einstellungen zu Religion und Spiritualität mit politischen Einstellungen.

Die Auswertung zeigte zwar statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen, diese fielen aber durchweg gering aus:

Der stärkste Zusammenhang erklärte nur 4,9 % der politischen Unterschiede und zeigte eine allgemeine religiös-spirituelle konservative Haupttendenz:

Keine Sonderrolle der Esoterik

Eine oftmals vermutete Sonderrolle der Esoterik zeigte sich nicht:

Kleinere Gegenmuster und differenziertere Befunde

Neben diesem Hauptbefund zeigte die Auswertung aber noch kleinere, differenziertere Zusammenhänge zwischen Religion und politischen Einstellungen:

Während religiöse und spirituelle Einstellungen eine gewisse konservative Haupttendenz zeigten, können sie in Einzelfällen nach den Befunden auch mit progressiven und linksgerichteten politischen Positionen verbunden sein.

Komplexe Befunde statt Stereotype

Gebauer betont, dass die Befunde ein komplexes Bild zeigen:

"Einerseits sind alle Zusammenhänge zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen bei vegan lebenden Personen nur schwach ausgeprägt und eignen sich nicht für Stereotypisierungen. Gleichzeitig zeigen sich widersprüchliche Effekte. Die konservative Haupttendenz von Religion und Spiritualität deckt das gesamte Spektrum der Befunde nicht vollständig ab, da aus den Daten ebenso Hinweise erkennbar sind, dass die Zusammenhänge in Einzelfällen auch genau in die umgekehrte Richtung gehen können, nämlich im Sinne von mehr Gleichberechtigung, Klimaschutz und Schutz Geflüchteter. Möglicherweise spielen hierbei religiöse Werte wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Vergebung, Toleranz und Barmherzigkeit eine Rolle, die ebenfalls mit Religiosität verbunden sein können."

Abgesehen von den in der aktuellen Auswertung im Vordergrund stehenden Einstellungen zu Religion und Spiritualität sowie deren Zusammenhängen mit politischen Einstellungen ergab die Umfrage ebenfalls, wie in einer vorherigen Auswertung dargestellt, dass sich die bei weitem überwiegende Mehrheit der vegan lebenden Befragten im linken Spektrum lokalisiert und zudem eine besonders geringe Affinität zu autoritärem Denken zeigt.

Gebauer schließt aus den Befunden vorwiegend auf eine hohe Ähnlichkeit vegan lebender Personen in ihren politischen Einstellungen:

"Vegan lebende Personen unterscheiden sich zwar in ihren religiösen und spirituellen Haltungen, sind sich aber weitgehend unabhängig von ihren religionsbezogenen und spirituellen Einstellungen in ihren überwiegend linksgerichteten politischen Einstellungen in hohem Maße ähnlich."

Gebauer: "Die Befunde widersprechen damit teilweise geäußerten, eher pauschalen Behauptungen, Veganismus sei besonders durch Esoterik oder Spiritualität geprägt, wodurch nach weiteren Annahmen eine Nähe zu rechtsgerichtetem Denken entstehen könne. Vielmehr zeigen die Daten, dass es weder eine besondere Affinität zu Religion, Spiritualität oder Esoterik unter vegan lebenden Personen im deutschsprachigen Raum gibt noch dass solche Einstellungen tatsächlich in relevantem Ausmaß mit stärker rechtsgerichtetem Denken assoziiert sind."

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen nach Gebauer eine heterogene weltanschauliche Zusammensetzung der veganen Community mit deutlich religionskritischer Tendenz und zugleich einer starken politischen Nähe zu linksgerichteten und antiautoritären Positionen.

Abschließende Hinweise zur Studie

Die Umfrage wurde im Auftrag der alternativen Dating-Plattform Gleichklang durch das Informationsportal vegan.eu und Dr. Guido F. Gebauer durchgeführt. Gleichklang unterstützt insbesondere die Partnersuche und Freundschaftssuche ökologisch orientierter Personen und finanziert das Informationsportal vegan.eu.

Weitere Detailergebnisse, methodische Einordnungen und eine umfassende theoretische Diskussion der Befunde werden im vollständigen Artikel auf vegan.eu dargestellt.

Eine formal repräsentative Zufallsstichprobe liegt nicht vor. Aufgrund des geringen Anteils vegan lebender Personen an der Gesamtbevölkerung und des Umfangs des Fragebogens wäre eine solche Stichprobenziehung praktisch kaum realisierbar.

Für die Aussagekraft der Untersuchung ist jedoch entscheidend, dass sämtliche zentrale Befunde bei Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg robust blieben. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht plausibel auf Unterschiede in Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland oder einzelnen Rekrutierungskanälen zurückführen.

Quelle: OTS

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