Kindliche Ungerechtigkeiten in Zeiten von Corona

vonRedaktion International
NOVEMBER 13, 2020

Foto: Pixabay / picjumbo_com

Die Kurz- und Langzeitfolgen der Corona-Pandemie betreffen grundsätzlich Menschen jener Altersgruppe. Da das Risiko für Erwachsene größer ist, geraten die Wünsche von Kindern speziell jetzt mehr in den Hintergrund. Miriam Zeleke, die neue Beauftragte der für Kinder- und Jugendrechte der Hessischen Landesregierung hat zu diesem Thema bereits einige interessante Entwicklungen verfolgt.

Solidarität fängt bereits sehr früh an

Trotz der Tatsache, dass Kinder speziell zu Pandemie-Zeiten schlechter Gehör finden, trotzen sie den Unkenrufen vieler Politiker und verhalten sich solidarisch. Miriam Zeleke berief sich dabei vor allem auf eine Studie der TUI-Stiftung. “83 Prozent waren es laut Studie, die die Hygieneregeln befolgen, nicht so sehr ihrer selbst wegen, sondern um die Älteren zu schützen”, wird die Beauftragte zitiert. “Kindern und Jugendlichen ist es somit sehr wichtig, verantwortlich zu handeln. Aber sie haben auch Bedürfnisse, die damit schwer in Einklang zu bringen sind. Sie vermissen einander, brauchen die reale Begegnung mit Gleichaltrigen”. Sie verwies außerdem darauf, dass digitale Ressourcen zwar einiges ermöglichen, aber auch Begrenzungen verursachen.

“Kinder brauchen vor allem Kinder, und Jugendliche brauchen vor allem die Peergroup – das sind Entwicklungsnotwendigkeiten”, betont Zeleke. Laut ihrer Analyse hätte die Krise verdeutlicht, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden. “Es gibt keine stabilen Beteiligungsstrukturen für Kinder und Jugendliche. Wie können wir Kinder und Jugendliche fragen: Was braucht ihr denn? Es wurde gerade in den letzten Monaten viel über Kinder gesprochen und wenig mit ihnen”.

Kinder finden zu wenig Gehör

Abgesehen von den zuvor angesprochenen krisenbedingten Einschnitten in die Rechte der Kinder, sieht Miriam Zeleke jedoch eine tiefere Problematik, die speziell jetzt zu großen Ungereimtheiten führen. “Studien, die Kinder und Jugendliche befragen, wie es ihnen geht und was sie wollen, zeigen, dass ein Großteil der Jüngeren sagt, sie würden nicht gehört und wüssten auch nicht, an wen sie sich wenden sollten, wenn sie in ihrem Umfeld etwas verändern möchten.”

Speziell zu diesem Zweck richtete die Hessener Politikerin eine Kampagne ein, welche die Rechte von Kinder bekannter machen sollen. “Viele Menschen wissen einfach noch nicht, dass Kinder auch Rechte haben. Und natürlich geht es darum, Kindern und Jugendlichen mehr Mitsprachemöglichkeiten zu schaffen. Sie müssen hör- und sichtbarer werden, und ihre Rechte müssen bei Entscheidungen mitgedacht werden”, heißt es weiter.

Veränderungen fangen bereits von Klein auf an

Laut Zeleke gäbe es zwar bereits einige Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder, wie etwa ein Morgenkreis in der Kindertagesstätte. Des Weiteren existieren auch Jugendparlamente und landesweite Jugendorganisationen - insbesondere in Kommunen ist dies allerdings oft nicht flächendeckend möglich. Eine Ausweitung der Verfügbarkeit bzw. die Gründung neuer Strukturen sei allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll. “Es wird keinen Erfolg geben, wenn man nicht wirklich daran interessiert sind, was den Jungen wichtig ist. Kinder erleben oft, dass sie nicht ernst genommen werden, dass man über sie hinweg entscheidet. Die Verantwortlichen müssen ihre eigene Macht hinterfragen und überlegen, was sie wirklich für Kinder erreichen wollen und nicht, was sie nur aus eigenen Interessen heraus tun.”

Dieser Ansatz würde laut Zeleke bereits beim Krippenkind beginnen. Anstelle es einfach auf die Wickelkommode zu legen, sollte die Erzieherin fragen, von wem das Kind gewickelt werden möchte. Damit und bei anderen Sachverhalten soll die hessische Kinderrechtscharta helfen die “Kinderrechte ins allgemeine Bewusstsein zu rücken und die Kinder zu bestärken, ihre Rechte mehr einzufordern.”

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