Österreich: Gefährliche Radwege im Blick - Linzer Forschung liefert Daten für Stadtplanung

vonOTS
APRIL 02, 2026

Foto: IT:U

Foto: IT:U

Dissertation an der IT:U zeigt, wo Radfahrer:innen besonders gefährdet sind – und liefert konkrete Hinweise für mehr Sicherheit

Im Frühling steigen vermehrt Menschen aufs Fahrrad – vorausgesetzt, sie fühlen sich im Straßenraum sicher. Doch was verunsichert Radfahrer:innen, wie lässt sich das Sicherheitsempfinden messen und die Infrastruktur verbessern? Antworten darauf liefert Martin Moser, PhD der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) in Linz: Im Rahmen seiner Dissertation hat er eine Methode entwickelt, die Stress beim Radfahren sichtbar macht und Planungsbehörden konkrete Gefahrenstellen zeigt.

Im Rahmen seiner Dissertation hat Martin Moser Radfahrende mit Sensoren ausgestattet, die Stressreaktionen erfassen. Diese werden mit GPS-Daten verknüpft. „Wenn 30 von 40 Radfahrenden an derselben Kreuzung Stress empfinden, ist das ein klarer Hinweis: Dort muss geprüft werden, was die Ursache ist – und wie sich die Situation verbessern lässt“, erklärt Moser, PhD der Forschungsgruppe GeoSoziale KI an der IT:U. So lassen sich Schwachstellen in der Infrastruktur identifizieren: Ein dringendes Anliegen, denn laut Daten des Innenministeriums (Verkehrsunfallbilanz 2025) hat sich die Zahl der tödlich verunglückten Rad- und E-Bike-Fahrer:innen im Jahr 2025 von 32 auf 65 erhöht – seit 2002 die höchste Opferzahl.

Von interdisziplinärer Forschung in die Stadtplanung

Die Methode hat bereits das Interesse städtischer Stellen geweckt. Ein Beispiel aus Salzburg zeigt den Nutzen: In Faistenau entstand durch einen neu errichteten Supermarkt an einer stark befahrenen Straße ein potenziell gefährlicher Weg. Die Analyse machte die Stelle objektiv sichtbar und lieferte eine fundierte Grundlage für gezielte Maßnahmen zur Entschärfung. „Wir können mit wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen zeigen, welche Stellen in der Stadt gefährlich sind und dass eine Maßnahme gesetzt werden sollte, beispielsweise der Bau eines Radweges“, verdeutlicht Bernd Resch, Professor für GeoSoziale KI und Betreuer der Dissertation.

Am 31. März 2026 verteidigte Moser diese erfolgreich am IT:U Education Campus – als erster Absolvent der neuen Technischen Universität in Linz. Begonnen hatte er seine Arbeit an der Universität Salzburg (Fachbereich Geoinformatik), in den vergangenen zwei Jahren setzte er sie an der IT:U fort. „Der Unterschied liegt in der gelebten Interdisziplinarität: Für meine Forschung brauche ich Kenntnisse aus Machine Learning, Stadt- und Verkehrsplanung sowie erklärbarer KI“, sagt Moser, der als Postdoc an der IT:U bleibt und das Forschungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern wie dem Karlsruher Institut für Technologie, der Stadt Osnabrück und Outdooractive läuft, weiterführen wird.

KI macht Radfahren sicherer

Bernd Resch und sein Team haben eigene Algorithmen entwickelt, die körperliche Stressreaktionen beim Radfahren messbar machen. Diese Daten werden anschließend mit Einflüssen aus der Umgebung verknüpft. Mithilfe von KI, die verschiedene Datenarten kombiniert, lassen sich die Informationen zusammenführen und auswerten. „Der Algorithmus funktioniert bereits gut. Wenn ein Stadt- oder Planungsamt mit einer konkreten Problemstelle – etwa einer Kreuzung oder Straße – auf uns zukommt, können wir vor Ort eine Studie durchführen und bei der Planung unterstützen“, erklärt Bernd Resch. Zugleich betont er, dass es noch weiteren Forschungsbedarf gibt: „Wir entwickeln die KI-Methoden laufend weiter, um möglichst genaue und verlässliche Information für Stadt- und Mobilitätsplanung zu liefern.“

Quelle: OTS

Mehr Nachrichten aus

Österreich