Salzburg: Eine Tonne Wiesensaatgut aus Salzburg für Salzburg

vonRedaktion Salzburg
JULI 17, 2023

Foto: Land Salzburg/Melanie Hutter

Foto: Land Salzburg/Melanie Hutter

Artenvielfalt und perfekt angepasste heimische Pflanzen / „Käfer“ bei der Ernte im Einsatz

(HP) Für Insekten und Käfer sind die Wiesen auf den Unkenberger Mähdern ein echtes Paradies. Rund 60 unterschiedliche Blumen, Gräser und Kräuter wachsen auf ihnen und sie alle sind echte „Soizburger“. Die Flächen in Unken sind Teil des Projektes „Regionale Wiesensaatgutproduktion“. Auf 180 Flächen in allen Salzburger Bezirken werden Samen von heimischen Pflanzen gesammelt, um so die artenreiche und heimische Vielfalt auf den Wiesen zu sichern.

Mittlerweile stellen 160 landwirtschaftliche Betriebe ihre Wiesen und Weiden für das Projekt zur Verfügung. „Mehr als eine Tonne regionales Saatgut wird so im Schnitt pro Jahr geerntet und wieder in den Regionen eingesetzt, aus denen es stammt. Das macht Sinn, denn die Pflanzen sind sehr an die jeweiligen Bedingungen angepasst. Mit dieser Initiative bringen wir hunderte Flächen in ganz Salzburg mit regionalen Pflanzen zum Blühen - eine echte Erfolgsgeschichte“, sagt Naturschutzreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek.

Svazek: „Salzburg europaweit Vorreiter.“

Durchschnittlich 60 Pflanzenarten wachsen und gedeihen auf den mit heimischen Samen bestellten Wiesen. „Gerade in Hinblick auf das aktuell-beschlossene EU-Wiederherstellungsgesetz zeigen Projekte wie dieses, dass Erhalt der Biodiversität regional am besten funktioniert. Und dazu braucht es kein Brüssel. Salzburg leistet damit einen wichtigen Beitrag für mehr Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht wird dadurch sichergestellt. Europaweit nimmt Salzburg damit eine absolute Vorreiterrolle ein. Dass von Landesseite flächendeckend regionales Wiesensaatgut zur Verfügung gestellt wird, gibt es sonst nirgendwo“, betont Svazek.

Jaritz: „Wertschätzung für heimische Pflanzen.“

Für Günter Jaritz von der Abteilung Natur- und Umweltschutz des Landes ist die „regionale Wiesensaatproduktion“ eine Win-Win-Situation für Flora, Fauna und natürlich auch Mensch. „Einerseits schaffen wir ein Bewusstsein und Wertschätzung für die heimischen Pflanzen. Gleichzeit bringt es auch die teilnehmenden Bauern etwas, denn sie erhalten eine Prämie im Rahmen des Vertragsnaturschutzes. Die landwirtschaftlichen Betriebe, die das Saatgut ernten, verkaufen dieses wiederum an die Bevölkerung vor Ort“, so Jaritz.

Genaues Timing

Landwirt Bernhard Winkler stellt in Unken hoch am Unkenberg seine Wiesen als Erntegebiet zur Verfügung, während Kollege Emil Platzer aus Bischofshofen mit als einer von sechs Partnerbetrieben die Ernte vornimmt. Beide sind sich einig: „Das Timing ist entscheidend. Aus einem Hektar können rund fünf Kilogramm Saatgut gewonnen werden, wenn alles passt. Viele Samen, trockenes Wetter und die Mahd danach muss sich ja auch noch ausgehen“, so die beiden Oftmals ist also das Zeitfenster klein, das Wetter muss mitspielen, um an diesen „Schatz“ der Artenvielfalt zu kommen.

Perfekt angepasst

Seltene heimischen Pflanzen sprießen und gedeihen durch das Projekt. Etwa die Knäuellige-Glockenblume, Orchideenarten wie das Große Knabenkraut oder das Brand-Knabenkraut sowie Gräser, beispielsweise der Goldhafer. Sie sind genetisch perfekt auf die lokalen Boden- und Klimaverhältnisse in Salzburg angepasst.

„Käfer“ als Erntehelfer

Sechs landwirtschaftliche Partnerbetriebe führen in den einzelnen Bezirken die Ernte der Flächen durch. Unterstützt werden sie dabei von einem „Käfer“, der fast lautlos durch die Wiesen fährt. „Die elektrisch betriebenen Saatgutmaschinen – sogenannte ‚eBeetle‘ – sind Bürstengeräte, die das kostbare Gut schonenden und mit Elektroantrieb aus den Wildbeständen auskämmen“, weiß Günter Jaritz. Daneben wird auch per Hand gesammelt.

Regionales Saatgut für die Region

Die regionalen Blumen, Gräser und Kräuter lassen sich auf vielen Flächen im Bundesland entdecken. „Es gibt eine Kooperation mit der Landessstraßenverwaltung in allen Bezirken. Auch im Wasserbau, etwa bei der Muraufweitung in St. Michael im Lungau, wurden die heimischen Pflanzen gesäht. Ebenfalls in der Landeshauptstadt an der Frohnburgwiese und am Mönchsberg. Und natürlich sind die 20 Partnerkommunen von ,Natur in der Gemeinde‘, hier auch sehr engagiert und jeder Salzburger, der das heimische Saatgut einsetzt, ist leistet einen Beitrag“, so Svazek.

Quelle: Land Salzburg

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