Österreich: Verfassungsschutzbericht 2025 - Extremismus wird jünger und digitaler

vonRedaktion Salzburg
MAI 04, 2026

Symbolbild
© shutterstock.com

Islamistischer Extremismus bleibt größte Bedrohung, Beschleunigung der Radikalisierung, Verjüngung der Szenen

Die dynamische Sicherheitslage zeigte im Jahr 2025 eindrücklich die Bedeutung des Verfassungsschutzes als Frühwarnsystem zum Schutz der Menschen in Österreich sowie der Republik. Bedrohungen nehmen neue Formen an, Radikalisierungsverläufe beschleunigen sich und Spionageabwehr bleibt essenziell – das zeigt der Verfassungsschutzbericht 2025, den Innenminister Gerhard Karner, Staatssekretär Jörg Leichtfried und DSN-Direktorin Sylvia Mayer am 4. Mai 2026 präsentierten. Der Bericht hebt die Herausforderungen in den Bereichen Extremismus, Terrorismus, Spionage und nachrichtendienstliche Aktivitäten sowie illegaler Waffenhandel und Proliferation hervor und zeigt, wie die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) und die neun Landesämter Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) darauf reagieren.

„Die Tatverdächtigen werden jünger und digitaler“, sagt Innenminister Gerhard Karner. „Die Bundesregierung wird daher einen Gesetzesentwurf für ein Mindestalter zur Social Media-Nutzung erarbeiten und vorlegen.“ Karner ergänzt: „Die elektronische Fußfessel ist eine moderne und zeitgemäße Möglichkeit zur Überwachung von Hochrisiko-Gefährdern, auch hier ist ein Gesetzesentwurf in Ausarbeitung.“

Staatssekretär Jörg Leichtfried: „Die Anzahl der extremistischen Vorfälle ist nach wie vor auf einem sehr hohe Niveau - Tendenz steigend. Dabei wird das Internet immer mehr zum Tatort und Rekrutierungs-Hotspot. Um unsere wehrhafte Demokratie zu stärken, arbeiten wir intensiv am Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus, an der Umsetzung des Mindestalters für die Nutzung von Social Media Plattformen und prüfen Maßnahmen gegen den ansteigenden demokratiegefährdenden Frauenhass. Mit diesen präventiven Ansätzen und dem unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und zum sozialen Frieden in unserem Land.“

Islamistischer Extremismus: beschleunigte Radikalisierung von jungen Gefährderinnen und Gefährdern

Der islamistische Extremismus bleibt auch 2025 die größte Gefahr für die Sicherheit der Bevölkerung. Internationale Terrororganisationen riefen vermehrt zu Anschlägen in Europa, darunter auch in Österreich, auf. Ebenso wirken Ausreisen, insbesondere in Gebiete des Islamischen Staates im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika, wieder zunehmend anziehend für radikalisierte Personen. Der Verfassungsschutz hat 2025 mehrere Radikalisierungsnetzwerke in Österreich identifiziert, die insbesondere auf Jugendliche abzielen. Bei der Erstellung und Verbreitung von Propaganda spielt künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle.

Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der erfassten Tathandlungen um 42,3 Prozent auf insgesamt 306 Tathandlungen. Mehr als die Hälfte davon fand im digitalen Raum statt. Die Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist besonders hervorzuheben: 31,3 Prozent der Tatverdächtigen sind unter 18 Jahre. 40 Personen hat der Verfassungsschutz 2025 festgenommen, an 129 Örtlichkeiten kam es zu Hausdurchsuchungen. Die Terrorwarnstufe bleibt aufgrund der nach wie vor abstrakten Gefahr in ganz Europa weiterhin auf der Stufe „Hoch“.

„Der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 zeigt die Bedeutung der notwendigen Balance zwischen Vorausschau und Reaktion in volatilen Sicherheitslagen. Die DSN und die LSE sorgen gemeinsam als Frühwarnsystem für die effektive Abwehr der Bedrohung gegen unsere demokratischen Werte. Sicherheit erfordert angesichts der steigenden Gefahren durch Extremismus und Spionage ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Dazu zählen die Prävention, die Früherkennung von Gefahren und eine konsequente Umsetzung der Strafverfolgung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten täglich unverzichtbare Arbeit, um die Sicherheit der Menschen in Österreich und den Schutz der Republik sicherzustellen“, betonte DSN-Direktorin Sylvia Mayer.

Rechtsextremismus: zwischen Ideologien, virtuellen Gewaltfantasien und realer Gewaltanwendung

Die Vernetzung im digitalen Raum und der Einsatz sozialer Medien zur Verbreitung extremistischer Propaganda sind auch im Rechtsextremismus zentrale Trends. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Ideologien, virtuellen Gewaltfantasien und realer Gewaltanwendung zunehmend. Neu aufsteigende gewaltaffine und militante Neonazi-Jugend-Subgruppen nutzen digitale Kommunikationsräume zur Verbreitung extremistischer Inhalte und zur Anstiftung zu Gewalttaten. Insbesondere im rechtsextremen Akzelerationismus steht die gewaltsame Zerstörung der bestehenden demokratischen Ordnung im Zentrum.

Im Jahr 2025 stieg die Anzahl der Tathandlungen im Rechtsextremismus um 33,6 Prozent auf 1.986, wobei über die Hälfte nach dem Verbotsgesetz geahndet wurde. 75 Personen wurden 2025 festgenommen, an 277 Örtlichkeiten fanden Hausdurchsuchungen statt.

Linksextremismus: Rückgang verzeichnet

Linksextremismus ist insbesondere im Zusammenhang mit Antisemitismus und radikalem Aktionismus von Bedeutung. Die Akzeptanz rechtswidriger Aktionsformen reicht von symbolischem Protest bis zu sicherheitsgefährdenden Tathandlungen. Ein Beispiel ist der Buttersäureangriff auf ein Drohnensymposium in Wien im September 2025. Die Szene ist ideologisch stark vernetzt, auch auf internationaler Ebene, und solidarisiert sich mit marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen. Dies war 2025 besonders im Zusammenhang mit Palästina relevant.

Die Tathandlungen im Linksextremismus zeigen einen Rückgang um 36,4 Prozent. 2025 wurden insgesamt 136 Tathandlungen gesetzt, 24 Festnahmen vollzogen und sechs Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Spionageaktivitäten: nachhaltige Folgeschäden für die Republik

Neben der innerstaatlichen Bedrohung durch Extremismus und Terrorismus bleibt die Gefahr durch nachrichten- und geheimdienstliche Tätigkeiten staatlicher Akteure unvermindert hoch. Österreich verfügt über schützenswertes Know-how, Technologien und Wissen, das bei einem Abfluss zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit oder Schlüsseltechnologien führt. Spionage verlagert sich immer mehr in den hybriden Raum, in dem Cyberangriffe, Cyberoperationen und moderne Technologien wie künstliche Intelligenz und Drohnen eine relevante Rolle spielen. Durch enge Kooperation mit der Wirtschaft und Wissenschaft sensibilisiert der Verfassungsschutz relevante Institutionen und Unternehmen hinsichtlich der Gefahren möglicher Informationsabschöpfung und Stärkung von Resilienz.

16 Tatverdächtige wurden im Jahr 2025 nach Spionagedelikten ausgeforscht und 27 Tathandlungen zur Anzeige gebracht. Im Bereich der Cyberangriffe wurden 31 Tathandlungen registriert.

International agierender Waffenhandel

Der illegale Waffenhandel weist eine hohe Affinität zu extremistischen Kreisen auf, insbesondere zum Rechtsextremismus. Im Jahr 2025 wurden 49 Tathandlungen im Bereich des illegalen Waffenhandels identifiziert – das entspricht einer Steigerung um 63,3 Prozent. 41 Hausdurchsuchungen und 24 Festnahmen zeigen, mit welcher Konsequenz der Verfassungsschutz auch in diesem Bereich vorgeht.

Schutz kritischer Infrastrukturen, staatlicher Institutionen und verfassungsmäßiger Einrichtungen: Resilienz als Stichwort

Der Verfassungsschutz sorgt für den Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen und obersten Organe, indem entsprechende Personen- und Objektschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Darüber hinaus fanden im Bereich kritischer Infrastruktur 310 Informations- und Beratungsgespräche statt, mehrere Frühwarnungen zu sicherheitsrelevanten Vorfällen wurden an Unternehmen der kritischen Infrastruktur versendet und über 1.576 Meldungen und Anfragen gingen bei der zentralen Kontaktstelle in der DSN ein. Hinsichtlich der Resilienz der kritischen Infrastruktur in Österreich legte das "Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz" (RKEG) eine wichtige Grundlage zu ihrer Stärkung.

Prävention und Deradikalisierung: bedeutender Beitrag zur Sicherheit

Die DSN verfolgte 2025 auch weiterhin einen universellen Präventionsansatz mit dem Ziel, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Zum einen wurden über 30.000 Personen durch Informationsveranstaltungen und Workshops unmittelbar hinsichtlich der Gefahren von Radikalisierung und entsprechender Erkennungsmerkmale sensibilisiert. Im Rahmen des Programms "RE#work" wurden österreichweit zahlreiche Workshops in Schulen abgehalten. Zum anderen setzt die DSN weiterhin auf den strategischen internationalen wie nationalen Austausch, insbesondere durch die Arbeit des "Center for Security Analysis and Intelligence Research" (CSAIR) und des "Bundesweiten Netzwerks Extremismusprävention und Deradikalisierung" (BNED).

Verfügbarkeit Verfassungsschutzbericht 2025

Der gesamte Verfassungsschutzbericht 2025 ist unter diesem Link abrufbar.

Mehr Nachrichten aus

Österreich