vonRedaktion Salzburg
OKTOBER 15, 2026
Foto: (c) Hansel Sato
Foto: (c) Hansel Sato
Foto: (c) Daksha GvS
Foto: (c) Dakshayini Gowda von Stietencron
Acht Positionen über Zerbrechlichkeit als Inspiration für das Zusammenleben in Natur und Gesellschaft
Künstler:innen: Daniela Brill Estrada | Dakshayini Gowda | Elena Guiomar Janicke Quintero, Karolina Kreutzer und Viktoria Wöhry | Susana Ojeda und Marcela Torres-Heredia - estudio elgozo | Jatun Risba | Hansel Sato und Vasilena Gankovska
Vermittlungsprogramm: Jaskaran Singh
Kuratiert von: Marie-Christine Hartig, Hansel Sato, Ula Schneider – SOHO-Team
Eröffnung: 05.11.2026, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 06.11. – 03.12.2026
Ausstellungsort: SOHO STUDIOS, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien
Info: https://sohostudios.at/events/fragile-systeme-jahresausstellung-von-soho-in-ottakring/
Mit dem Titel „Fragile Systeme“ ist die Ausstellung ein Ergebnis des Beforschens, Verarbeitens und Sichtbarmachens verletzlicher, prekärer und zugleich widerstandsfähiger Beziehungen zwischen Menschen, Natur, Materie und dem sozialen Raum.
Sie stellt einen Versuch dar, Räume zu schaffen, in denen Fragilität nicht als Schwäche, Angst und Unsicherheit, sondern als Ausgangspunkt für neue Beziehungen und Verantwortlichkeiten zum Ausdruck gebracht wird.
Ausgehend vom lokalen Setting in Sandleiten und den räumlichen Möglichkeiten der SOHO STUDIOS, bietet SOHO in Ottakring eine Plattform, auf der in verschiedenen sozialen Kontexten künstlerische Praktiken, kollektive (Lern-)Prozesse und diskursive Formate zusammenkommen.
„Fragile Systeme“ umfasst auch die fragilen ökologischen Beziehungen, die von Migration, kolonialen Kontinuitäten und sozialer Ungleichheit geprägt sind.
Ein Fokus liegt hierbei auf der Zusammenarbeit mit Künstler:innen und Kollektiven aus Regionen, in denen sich die Auswirkungen der ökologischen Krise besonders dramatisch zeigen, etwa in Form von Wasserknappheit, Rohstoffausbeutung, Artenverlust oder sozialer Entwurzelung.
Schlüsselbegriffe wie Care, Klimagerechtigkeit, Verletzlichkeit, Fürsorge, Interdependenz und lokales Wissen strukturieren den thematischen Rahmen und bieten Perspektivwechsel, welche Zukunftsängste überwinden.
Die acht Positionen:
1.
Daniela Brill Estrada:
„Ohne Titel“
Arbeiten auf Papier, Samenarchiv, Objekte
Daniela Brill Estrada präsentiert eine Werkgruppe, die zwischen 2020 und 2026 entstanden ist und Themen behandelt, die von Astrobiologie und dem Ursprung des Lebens bis hin zu queerer Liebe und den fragilen Systemen reichen, die Teil ihres Alltags und ihrer Gedankenwelt sind.
Daniela Brill Estrada ist eine Künstlerin und Forscherin aus Bogotá, die derzeit in Wien lebt. Ihre künstlerische Arbeit, die sich aktuell mit der Erforschung des Ursprungs des Lebens und den Komplexitätswissenschaften beschäftigt, geht von einer kleinen Obsession aus: der Frage, wie Leben aus geologischen und chemischen Materialien entsteht und wie es zunehmend komplexer wird, sich zu Körpern, Gesellschaften und Ökosystemen entwickelt. | www.danielabrillestrada.com
2.
Dakshayini Gowda von Stietencron:
„Zusammenhalten“
Objekte, Workshop
In ihrer Arbeit „Zusammenhalten“ präsentiert Dakshayini Gowda von Stietencron Gegenstände aus dem Alltag oder gefundene Objekte, die mit Stoff umhüllt werden. Auch Besucher:innen sind eingeladen, teilzunehmen und die Objekte auf einem wachsenden Turm in neue Beziehungen zu setzen.
Dakshayini Gowda von Stietencron ist eine in Indien geborene Textilkünstlerin mit Lebensmittelpunkt in Österreich. Ihr künstlerischer Ansatz verbindet Textilien, Fundstücke und traditionelle Handwerkstechniken, um Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit und kulturellem Austausch zu erforschen. Verwurzelt in Studien der Bildenden Kunst, Museologie und Archäologie sowie geprägt von frühen Begegnungen mit ländlichen Handwerkern in Karnataka, schöpft ihre künstlerische Praxis aus überliefertem Wissen und setzt dieses zugleich in Beziehung zu zeitgenössischen Formen des Gestaltens. | http://sanchali.eu
3.
Elena Guiomar Janicke Quintero, Karolina Kreutzer und Viktoria Wöhry:
„Fragile Nähe“
Installation
„Fragile Nähe“ ist eine kollaborative Arbeit von Elena Guiomar Janicke Quintero, Karolina Kreutzer und Viktoria Wöhry, die sich der nur selten öffentlich thematisierten gynäkologischen Versorgung, bei der körperliche, emotionale und gesellschaftliche Erfahrungen aufeinandertreffen, widmet. Mit ihrer Arbeit bieten sie einen Raum für Reflexion und Austausch.
Elena Guiomar Janicke Quintero (*2004, Friedrichshafen) studiert seit 2024 Künstlerisches Lehramt an der Akademie der bildenden Künste Wien. Inspiriert durch fantasievolle biomorphe Strukturen bewegen sich ihre malerischen und medienübergreifenden Arbeiten zwischen Identität, Feminismus und Selbstbestimmung.
Karolina Kreutzer (*2003, Saarbrücken) studiert seit 2024 Künstlerisches Lehramt an der Akademie der bildenden Künste Wien. In ihrer medienübergreifenden Praxis verbindet sie Malerei, Fotografie, Video, Performance und Text, um sich mit feministischen Perspektiven, Körperpolitik, Identität und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinanderzusetzen.
Viktoria Wöhry (*2003, Steyr) studiert seit 2024 Künstlerisches Lehramt an der Akademie der bildenden Künste Wien. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie analoge und digitale Fotografie mit Malerei und Zeichnung. Dabei setzt sie sich mit feministischen Perspektiven, Körperbildern, Identität und persönlichen Erfahrungen auseinander.
4.
Susana Ojeda & Marcela Torres Heredia ? Verein estudio elgozo:
„Otros futuros ? Andere Zukünfte“
Installation, Workshop & Dialogreihe
In „otros futuros“ präsentieren Susana Ojeda und Marcela Torres Heredia eine „casa commún“, ein gemeinsames Haus, an welchem in einem Programm, begleitet von audiovisuellen Interviews mit Akteur:innen territorialer Kämpfe aus Abya Yala (Lateinamerika), öffentlichen Dialogen und Workshops im Laufe des Jahres gearbeitet wurde; eine „casa commún“ als Geste für andere mögliche Zukünfte, getragen von Gegenseitigkeit, Fürsorge und Verantwortung.
Zwei Video-Gespräche mit Akteur:innen territorialer Kämpfe aus Abya Yala (Lateinamerika) fanden bereits (im April und im Juni d.J.) statt. Ein drittes Gespräch mit Flor Angel Agustin Federico folgt am 18. Oktober. Sie ist eine Schwarze dominikanische Aktivistin, antirassistische Feministin, Dichterin und Juristin. Als Mitbegründerin des Kollektivs Mujeres Socio Políticas Mama Tingo koordiniert sie dort die Strategie für Rassismusgerechtigkeit und Schwarze Perspektiven. Ausgehend von den Bateyes (Barackensiedlungen aus der Zeit des Zuckerrohrbooms in den 1930er Jahren) der Dominikanischen Republik schafft sie Räume für Dialog, Heilung und kollektiven Widerstand mit Schwarzen Kindern und Jugendlichen. Im Gespräch wird es um Praktiken der Re-Existenz, gemeinschaftliche Selbstorganisation, Spiritualität als politische Praxis sowie um die Vorstellung von Zukünften jenseits kolonialer und kapitalistischer Logiken gehen.
Alle drei Gespräche werden in der Ausstellung präsentiert.
Susanna Ojeda ist Anthropologin, Filmemacherin und Aktivistin. Sie setzt sich dafür ein, Kulturen zu verbinden, Veränderungen zu fördern und durch Geschichten Freude zu vermitteln. Seit zehn Jahren kreiert sie mit ihrer 2011 gegründeten Produktionsfirma estudio elgozo unabhängige Videos von den dynamischen Landschaften der Karibikküste bis zum vielfältigen Ambiente Wiens. | https://estudioelgozo.com
Marcela Torres ist kolumbianische Forscherin, Vermittlerin, Aktivistin. Seit ihrer Ankunft in Wien im Jahr 2012 ist sie an verschiedenen kollektiven Initiativen beteiligt, in denen sich Forschung, Vermittlungspraxen und Aktivismus überschneiden. Ungleichheiten in Bezug auf die Produktion und Reproduktion von Wissen, die Rolle von Wissen und sozioökologische Konflikte, soziale Ungleichheit, Feminismen des Südens und Intersektionalität sind ihre Schwerpunkte. | https://ksa.univie.ac.at/institut/mitarbeiterinnen/ehemalige-mitarbeiterinnen/torres-marcela/
5.
Jatun Risba:
„Imaginatio“
Installation, Langzeit-Perfomance
„Imaginatio“ von Jatun Risba zeigt einen unter UV-Licht sichtbaren, sieben Meter langen Print, der an einen Sternenhimmel erinnert und in seiner Wirkung Grenzen zwischen Körper, Kosmos und dem Spirituellen verschmelzen lässt.
In einer dreitägigen Performance von 6.bis 8.11. ist Urin als ein bislang wenig beachtetes inneres Wasser der Transformation, Erinnerung und des Austauschs Teil einer fortlaufenden künstlerischen Forschung.
Jatun Risba (they/them) ist Künstler:in und Forscher:in. Die transdisziplinäre künstlerische Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Performancekunst, BioArt, kontemplativen Traditionen und Neurowissenschaften und erforscht Bewusstsein, Verkörperung und Transformation. Verwurzelt im Vajrayana-Buddhismus und geprägt von ökofeministischen sowie posthumanistischen Denkansätzen, untersucht Risba Körperflüssigkeiten als künstlerische Medien und als erkenntnistheoretische Orte verkörperten Wissens.| jatunrisba.com
6./7. Hansel Sato & Vasilena Gankovska:
Aquarelle, Gemälde; Workshops
Hansel Sato:
„Stille Erosion“
Aquarelle
Hansel Sato befasst sich in einer Serie von Aquarellen mit der Fragilität und den subtilen Gesten von Beziehungen im familiären und urbanen Alltag.
Hansel Sato, geboren in Trujillo (Peru), lebt und arbeitet in Wien. Seine künstlerische Praxis umfasst Zeichnung, Malerei, Comic und Arbeiten im öffentlichen Raum. Im Zentrum steht die Frage, wie Migration und gesellschaftliche Krisen intime Beziehungen und das private Leben prägen. Wiederkehrende Themen sind Familie, Vaterschaft, Fürsorge und die Fragilität zwischenmenschlicher Bindungen. Seine Bildwelten verbinden Alltagsszenen mit gesellschaftlicher Reflexion und einer sensiblen Beobachtung menschlicher Beziehungen. | http://hanselsato.com
Vasilena Gankovska: „Architektur der Abwesenheit“ Malerei
Für die Ausstellung entwickelte Vasilena Gankovska eine neue Bilder-Serie, die sich mit der Architektur des Sandleitenhofs auseinandersetzt. Die Spannung zwischen der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens einst und der heutigen Wahrnehmung des Ortes bildet den Ausgangspunkt der malerischen Arbeit. Gesamtansichten treffen auf isolierte Architekturelemente, skizzenhafte Malerei auf geometrische Abstraktion. Die Bilder laden dazu ein, den vertrauten Ort mit einem anderen Blick wahrzunehmen und seine architektonischen Details neu zu entdecken.
Vasilena Gankovska wurde 1978 in Troyan, Bulgarien geboren. Seit 2001 lebt sie in Wien, wo sie als Künstlerin, Forscherin und Redakteurin tätig ist. In ihren künstlerischen Projekten beschäftigt sie sich mit verschiedenen Aspekten des städtischen Lebens, der Freizeit, der Arbeit und der damit verbundenen Räume. Gankovska bewegt sich zwischen verschiedenen Medien wie Malerei, Zeichnung, Keramik, Text und Installation. Zu ihrer künstlerischen Forschung gehören Stadtspaziergänge und kurze Texte, die ihre sogenannten „visuellen Notizen“ begleiten. | https://vasilenagankovska.com/
Vier Workshops „Zeichnen in Sandleiten“ begleiten ab 23. September 2026 das Ausstellungsprojekt:
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Mittwoch, 23.09., 15:00–17:00 Uhr – Leitung: Vasilena Gankovska;
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Mittwoch, 21.10., 15:00–17:00 Uhr – Leitung: Hansel Sato
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Mittwoch, 18.11., 15:00–17:00 Uhr – Leitung: Vasilena Gankovska
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Mittwoch, 25.11., 15:00–17:00 Uhr – Leitung: Hansel Sato
Anmeldung/Info: info@sohostudios.at
8. Jaskaran Singh:
Künstlerisch-performatives Vermittlungsprogramm
Ein kuratiertes Vermittlungsprogramm von Jaskaran Singh und Verein trivium. Der Raum versammelt Figuren, Masken und Objekte aus mehreren Jahren künstlerischer Forschung zu Körper, Herkunft und Sichtbarkeit: ein Archiv, das nicht ausgestellt, sondern benutzt wird.
Jaskaran Singh wurde in Neu-Delhi in Indien geboren und lebt in Wien. Er ist Performer, Choreograf, Forscher und Pädagoge. Ihn faszinieren Spiritualität und das psychologisch-neurowissenschaftliche Verständnis des Selbst. Seine Forschung und seine interdisziplinären Arbeiten konzentrieren sich darauf, das Konzept der Realität für das Ich zu (de-)konstruieren und dabei auch eine gesellschaftspolitische Dimension zu untersuchen. Jaskaran Anands Arbeiten wurden in Österreich, Neuseeland und Indien präsentiert. | www.jaskarananand.com/projects.php
Die SOHO STUDIOS
Die SOHO STUDIOS sind ein Ort, wo kulturelle Nahversorgung und Werkstätten für Kunstschaffende zusammentreffen. Das künstlerische Programm beinhaltet stets Themen der Vielfalt und Geschlechtersensibilität, Ökologie und Nachhaltigkeit sowie eines achtsamen und demokratischen Miteinanders. Seit 2013 ist das Team des Trägervereins Soho in Ottakring für die Programmgestaltung der SOHO STUDIOS verantwortlich. Seitdem bieten die SOHO STUDIOS eine Bühne für Initiativen, die von bzw. in Zusammenarbeit mit der Kunst- und Community-Initiative "SOHO in Ottakring" kuratiert und gestaltet werden. Hinzu kommen Präsentationen und Projekte von Kunst- und Kulturschaffenden. Die kunstschule.wien hat ebenfalls in den SOHO STUDIOS einen Unterrichtsraum. Die SOHO STUDIOS ? „Kunstlabor“ und „Freiraum“ ? können für Workshops, Symposien, Ausstellungen u.Ä.m. gemietet werden. | Kontakt: vermietung@sohostudios.at
SOHO STUDIOS, Sandleitenhof, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien. Erreichbarkeit: Straßenbahn Linien 2 | 10, Station Liebknechtgasse. | Alle Veranstaltungen sind barrierefrei. | Freier Eintritt, außer anders angegeben. | Programmänderungen vorbehalten.
Projekt von: Kunst- und Kulturvereins SOHO in Ottakring Information: sohostudios.at |
Kontakt: info@sohostudios.at
Team Künstlerische Leitung: Marie-Christine Hartig, Hansel Sato, Ula Schneider
Kaufmännische Leitung: Sonja Schön Vermietung und Programmkoordination SOHO STUDIOS: Birgitt Wagner Hausmanager: Osvaldo Alvarez
Beratendes Team: Shams Asadi, Sonja Kothe Grafik: Caterina Krüger | Web: Devrim Kaya
Öffentlichkeitsarbeit: content&event Social Media: Ella Jirkuff | Technischer Support: prilfish In Kooperation mit: kunstschule.wien
Unterstützung von: Stadt Wien Kultur | Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport | Ottakring Kultur | Arbeiterkammer Wien | Elektro Bostelmann
Quelle: Mag. Martina Montecuccoli content&event