vonRedaktion Salzburg
OKTOBER 15, 2026
Wien
Kostenlose Tour am 5. November – Stationen vom Karl-Volkert-Hof bis zum Sandleitenhof – Anmeldung ab sofort
Wiener Wohnen setzt die erfolgreichen Stadtrundgänge im Rahmen des Erinnerungsprojekts „Der Gemeindebau in der NS-Zeit“ fort: Am Donnerstag, dem 5. November 2026, führt ein neuer Rundgang durch den 16. Bezirk. Die kostenlose Tour beginnt um 17.00 Uhr beim Karl-Volkert-Hof und führt über den Wilhelmine-Moik-Hof und den Siegelhof bis zur Wohnhausanlage Sandleiten.
Der Rundgang erinnert an jüdische Gemeindebaubewohner*innen, die nach dem sogenannten „Anschluss“ allein aufgrund ihrer Herkunft aus ihren Wohnungen vertrieben wurden. Weitere Schwerpunkte sind der politische Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die bewegte Geschichte des Sandleitenhofs.
„Die Rundgänge machen Geschichte an jenen Orten sichtbar, an denen sie tatsächlich stattgefunden hat. Hinter jeder Delogierung standen Menschen und Familien, die ihre Wohnung, ihre Nachbarschaft und oftmals auch ihre Heimat verloren. Indem wir ihre Geschichten erzählen, geben wir ihnen einen festen Platz in der Erinnerung unserer Stadt“, betont Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch.
„Die grausamen Schicksale der jüdischen Familien sowie die des mutigen Widerstands sind prägnante Kapitel unserer Bezirksgeschichte. Es ist unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an sie auch für kommende Generationen lebendig bleibt und dass Menschlichkeit, ein klares Eintreten gegen Antisemitismus und Ausgrenzung sowie die Erinnerung an die Opfer in unserem Bezirk gelebt werden“, unterstreicht Ottakrings Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp.
Vom Karl-Volkert-Hof bis zum Sandleitenhof
Erste Station ist der Karl-Volkert-Hof in der Thaliastraße. Hier lebten bis 1938 Alois und Erna Kuhn. Nach ihrer Delogierung wurden sie 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Schicksale jüdischer Bewohner*innen, die von den Nationalsozialisten systematisch aus den Wiener Gemeindebauten vertrieben wurden.
Im Wilhelmine-Moik-Hof widmet sich der Rundgang dem Leben der aus Ottakring stammenden Gewerkschafterin und Politikerin Wilhelmine Moik. Sie engagierte sich bereits in den Jahren des Austrofaschismus im Untergrund bei den Revolutionären Sozialisten. Nach dem sogenannten „Anschluss“ wurde sie von der Gestapo verhaftet und wegen Hochverrats zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 1945 war sie maßgeblich am Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligt und setzte sich insbesondere für die Rechte berufstätiger Frauen ein.
Eine weitere Station ist der Siegelhof in der Redtenbachergasse. Den Abschluss bildet der Sandleitenhof, der mit 1.587 Wohnungen die größte Wohnanlage des Roten Wiens ist. Hier werden sowohl die Verfolgung jüdischer Bewohner*innen als auch der Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus thematisiert.
„Die Wiener Gemeindebauten sind nicht nur Wohnraum, sondern auch bedeutende Orte der Stadtgeschichte. Der neue Rundgang durch Ottakring verbindet die Geschichte der einzelnen Wohnhausanlagen mit den persönlichen Schicksalen ihrer früheren Bewohner*innen. Dieses Wissen verständlich und unmittelbar vor Ort zu vermitteln, ist ein wesentlicher Teil unseres Erinnerungsprojekts“, erklärt Wiener Wohnen-Interims-Direktorin Katharina Klement.
Termin & Treffpunkt:
Teilnahme und Anmeldung
Der Rundgang wird von der Podcasterin und Buchautorin Evelyn Steinthaler geführt und dauert rund eineinhalb bis zwei Stunden. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Tour ist auch für Teilnehmer*innen mit eingeschränkter Mobilität barrierefrei und findet grundsätzlich bei jedem Wetter statt. Die Zahl der Teilnehmer*innen ist auf maximal 20 Personen begrenzt. Um Anmeldung spätestens eine Woche vor dem Termin wird ersucht:
Weitere Informationen zum Rundgang und zur Anmeldung finden sich unter:
https://nievergessen.wienerwohnen.at/wiederaufnahmen-2026/stadtfuehrungen-2026
Hintergrund: „Der Gemeindebau in der NS-Zeit“
Mit Beschluss vom 14. Juni 1938 begann die nationalsozialistische Stadtverwaltung mit der systematischen Vertreibung jüdischer Mieter*innen aus den Wiener Gemeindebauten. Hinter den erhaltenen Akten und Delogierungsvermerken stehen die Schicksale von Menschen, die ihre Wohnungen und ihre Heimat verloren. Vielen gelang die Flucht nicht; sie wurden deportiert und ermordet.
Grundlage des Erinnerungsprojekts „Der Gemeindebau in der NS-Zeit“ ist eine umfassende Forschungsarbeit des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes im Auftrag von Wiener Wohnen. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung umfasst das Projekt Publikationen, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen, digitale Vermittlungsangebote und geführte Stadtrundgänge.
Die 2025 gestarteten Stadtführungen stießen auf außergewöhnlich großes Interesse: Rund 850 Wiener*innen nahmen im ersten Jahr an den Touren teil. Ausführliche Informationen zum Forschungsprojekt sowie zahlreiche Lebensgeschichten verfolgter und vertriebener Gemeindebaubewohner*innen sind unter www.nievergessen.wienerwohnen.at abrufbar.
Quelle: Stadt Wien