vonRedaktion International
OKTOBER 20, 2026
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Bis 5. November darf der Nationalrat die Novelle des Glücksspielgesetzes nicht beschließen. So lange läuft die Stillhaltefrist der EU-Kommission, bei der das Finanzministerium den Entwurf am 4. August notifiziert hat. Eine Überarbeitung des Glücksspielgesetzes hatte im Juni auch Lisa Brunner verlangt, Obfrau der Österreichischen ARGE Suchtprävention, damals mit Blick auf Sportwetten.
In die laufende Stillhaltefrist fällt eine Arbeit aus zwei psychiatrischen Abteilungen in Oberösterreich. Am 1. September erschien in der Fachzeitschrift neuropsychiatrie ihre Studie zum Glücksspielverhalten in Österreich, verfasst von Hans Rittmannsberger vom Pyhrn-Eisenwurzen-Klinikum Steyr und drei Kollegen vom Kepler Universitätsklinikum Linz. Sie fragen, wie viele Menschen in Österreich um Geld spielen und wer das überwiegend online tut. Bezahlt hat die Untersuchung pro mente Oberösterreich aus dem eigenen Forschungsbudget.
Die Daten für die Untersuchung erhob das Institut IMAS zwischen September 2020 und dem Frühjahr 2021, mehr als fünf Jahre vor dem Erscheinen. In vier Wellen befragte es 3.658 Menschen persönlich, als Teil einer Umfrage zu mehreren Themen. Die Auswahl sollte die Bevölkerung zwischen 16 und 69 Jahren abbilden. Für die Vorgängerstudie hatte dieselbe Gruppe noch Daten von 2013 ausgewertet. Weil die Pandemie in die Monate der Befragung fiel, kamen Fragen zum Spielen in der Corona-Zeit dazu.
Alle neun Kriterien des Diagnosehandbuchs DSM-5 für eine Glücksspielstörung deckten die Fragen zur Schwere des Spielens ab. Die meisten, die je regelmäßig um Geld gespielt hatten, erfüllten kein einziges davon. Daneben hielt der Fragebogen fest, ob jemand überwiegend online oder vor Ort spielt. Ob die Befragten dabei legale Online Slots in Österreich nutzten oder Seiten ohne österreichische Konzession, geben die Daten nicht her. Online-Glücksspiel darf hierzulande bis heute nur anbieten, wer die Lotterienkonzession des Bundes hält. Nach Spielarten schlüsseln die Autoren ebenfalls nicht auf und nennen das selbst als Grenze ihrer Arbeit.
Nach Altersgruppen schlüsseln die Autoren dagegen genau auf. Die jüngste Gruppe reicht von 16 bis 29 Jahren und schließt damit Minderjährige ein. Unter den Spielern dieser Gruppe nutzten 34 Prozent überwiegend Online-Angebote, bei den 60- bis 69-Jährigen waren es 7,4 Prozent. Die 30- bis 39-Jährigen liegen fast gleichauf mit den Jüngsten. Erst ab 40 fällt der Anteil deutlich ab.
Aus dieser Verteilung lesen die Autoren eine höhere Verletzlichkeit jüngerer Menschen, zumal diese das Online-Spiel stärker nutzten.
Auch unter den Befragten mit hohem Risiko sei das Online-Spiel häufiger gewesen als bei den übrigen, berichtet das Team. Als Gründe nennen die Forscher die ständige Verfügbarkeit und das bargeldlose Zahlen. Für das Online-Glücksspiel brauche es weitere Beschränkungen.
Beschränkungen dieser Art enthält die Regierungsvorlage zur Glücksspielnovelle, die seit 14. September im Finanzausschuss liegt. Spieler bis zum vollendeten 26. Lebensjahr sollen pro Woche höchstens 250 Euro auf ihr Spielkonto einzahlen dürfen, Ältere 1.680 Euro im Monat. Jeder soll sein Spielverhalten bis auf den einzelnen Tag einsehen können, und ein zentrales Limitregister soll die Einzahlungen über alle Anbieter hinweg zusammenrechnen.
Eine Obergrenze für die Zahl der Anbieter setzt die Vorlage nicht. Bewerber brauchen aber mindestens zehn Millionen Euro Kapital. Erteilt werden können die Konzessionen ab 1. Jänner 2027, gelten sollen sie ab 1. Oktober 2027. Wer bisher ohne österreichische Konzession online angeboten hat und eine will, muss bis Ende 2026 aufhören. Sonst bleibt er 18 Monate von der Vergabe ausgeschlossen. Mit 1. Jänner 2027 sollen Netzsperren und das Blockieren von Zahlungen an Anbieter ohne Konzession beginnen.
Gegen Glücksspiel ohne Konzession oder Bewilligung vor Ort gehen Finanzpolizei und die Gruppe Sofortmaßnahmen der Stadt Wien schon jetzt vor. Bei einer Schwerpunktaktion in Ottakring, Hernals und Rudolfsheim-Fünfhaus fanden sie im September in einer Wohnung mehrere Glücksspielautomaten, betrieben mit seit Jahren illegal bezogenem Strom.
Für legale Glücksspielautomaten sieht die Vorlage einen Höchsteinsatz von fünf Euro pro Spiel vor. Jedes Spiel soll mindestens zwei Sekunden dauern. Nach 90 Minuten soll der Automat für mindestens 15 Minuten abschalten, ein Video klärt dann über die Risiken auf. Für Slots im Netz sollen diese Regeln sinngemäß gelten. Die Spielarten bei Slots unterscheiden sich vor allem in der Zahl der Walzen und Gewinnlinien. Einsätze auf mehreren Linien sollen erlaubt bleiben, solange ein Spiel nicht mehr als fünf Euro kostet. Jedes Spielprogramm soll zudem seine errechnete Auszahlungsquote anzeigen.
Dieselbe Novelle soll eine Stelle für Glücksspiel und Spielerschutz schaffen, die den Markt beobachtet. Ein solches Monitoring fehle bisher, halten Martin Busch und Julian Strizek vom Kompetenzzentrum Sucht der Gesundheit Österreich fest. Zahlen zum problematischen Spiel kämen daher aus Befragungen. In ihrer eigenen Erhebung von 2022 mit 6.420 Personen ab 15 Jahren zeigten zusammen rund vier Prozent Anzeichen für ein zumindest mildes pathologisches Spielverhalten, ermittelt per Screening und ohne klinische Diagnose. Junge Männer seien darunter überproportional vertreten.
Die Erhebung lief damit nach den Interviews der Studie aus Linz und Steyr, ihre Ergebnisse erschienen aber ein Jahr früher. Altersgrenze und Fragebogen unterscheiden sich, direkt vergleichen lassen sich die Werte nicht. Rittmannsberger und seine Kollegen verlangen gezielte Prävention für Jüngere.
Beratung für Betroffene und Angehörige bieten in Wien das Anton-Proksch-Institut und die Ambulante Behandlungseinrichtung Spielsuchthilfe, österreichweit steht das kostenlose und anonyme Online-Selbsthilfeprogramm genuggespielt.at offen.