vonRedaktion International
NOVEMBER 08, 2026
Tirol
Gedenktag für die Opfer der Reichspogrome am 9. November 1938.
9. November 1938: Im gesamten Gebiet des nationalsozialistischen Deutschen Reichs kommt es zu einer Welle an systematischen Gewaltakten gegenüber der jüdischen Bevölkerung. In Innsbruck verfolgten die Nationalsozialisten ihre jüdischen MitbürgerInnen besonders grausam, verwüsteten Wohnungen, plünderten Geschäfte und zerstörten die Synagoge. Die Pogromnacht markierte damals eine erste Eskalation der nationalsozialistischen Verfolgung und den Übergang zur systematischen Vertreibung der jüdischen Bevölkerung. Der Gedenktag am 9. November erinnert an die Opfer und mahnt, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Innsbruck Richard Berger, Wilhelm Bauer und Richard Graubart ermordet. Josef Adler erlag knapp zwei Monate später seinen Verletzungen. Zwei jüdische Frauen, die aus Garmisch-Partenkirchen vertrieben worden waren, stürzten sich kurz nach ihrer Ankunft in Innsbruck aus Verzweiflung in den Inn und ertranken. Die NS-TäterInnen verletzten zahlreiche weitere Menschen und nahmen 18 Männer vorübergehend in „Schutzhaft“.
„Das Gedenken an die Novemberpogrome zeigt uns Jahr für Jahr, wohin Hass und Hetze führen können. Wegschauen ist keine Option – damals nicht und heute nicht. Wir müssen die Erinnerung wachhalten und aus der Geschichte lernen. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass auch in Zukunft Zusammenhalt, Solidarität und Menschlichkeit bestehen bleiben“, betont Landeshauptmann Anton Mattle zum diesjährigen Gedenktag.
Erinnerungen lebendig halten: Neue Lerninhalte für Tiroler Schulen
Zeitgleich zum Gedenktag werden am 9. November neue Lernmaterialien auf dem Bildungsportal LEON für die Tiroler Schulen rund um die Holocaust-Überlebende Leokadia Justman freigeschaltet. Das Medienzentrum des Landes Tirol entwickelte die Lerninhalte gemeinsam mit dem OeAD-Programm ERINNERN und der Pädagogischen Hochschule Tirol. Auch SchülerInnen kommen selbst zu Wort: Jugendliche der MS Gabelsbergerstraße lesen aus Leokadias Bericht und SchülerInnen vom BRG in der Au setzen sich mit Freundschaft und der Bedeutung von Erinnerungskultur auseinander. Die Sammlung umfasst Videos, Bildmaterial sowie analoge und interaktive Arbeitsunterlagen.
Schwerpunkt „Erinnerungskultur“ des Landes Tirol
Im Jahr 2013 wurde der Förderschwerpunkt „Erinnerungskultur“ ins Leben gerufen – und in seiner aktuellen Förderphase bis zum Jahr 2028 verlängert. Für Forschungsvorhaben und Projekte, die sich mit der Geschichte Tirols rund um die NS-Zeit beschäftigen, stehen dafür 625.000 Euro bereit. Dazu gehört beispielsweise die Auseinandersetzung mit Turnerbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Titel „Aufschwung, Umschwung, Abschwung“ sowie mit Widerstandspraktiken der Jenischen im 20. Jahrhundert unter dem Motto „Ich hab das nicht akzeptiert!“. Ein weiteres Vorhaben zielt auf die Errichtung eines virtuellen „Denkmals“ für alle Tiroler Opfer des Nationalsozialismus ab – die Datenbank soll für alle online zugänglich sein.
Dauerhafter Lehr- und Lernort: Auseinandersetzung mit Geschichte im Landhaus
Eine bewegende Lokalgeschichte vermittelte zuletzt die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“. Insgesamt 9.514 BesucherInnen besichtigten die Ausstellungsräume im Landhaus. Bereits zuvor stieß die Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ auf großes Interesse. Rund 12.500 BesucherInnen besuchten damals das Landhaus und lernten mehr über die Geschichte des ehemaligen Gauleitungsgebäudes. Die nächste Landhaus-Ausstellung „Die Wahl haben“ widmet sich ab 2. Februar 2027 den Themen Demokratie, Wahlen und Mitbestimmung. Das Angebot richtet sich speziell an junge Menschen und Schulklassen. Tages- und parteipolitische Inhalte sind ausdrücklich nicht vorgesehen.
Quelle: Land Tirol