Fußball als Therapie für Kriegsversehrte

vonOTS
APRIL 04, 2024

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Jugend Eine Welt zum „Internationalen Tag des Sportes für Entwicklung und Frieden“

Sport überbrückt gesellschaftliche Gräben, bringt Menschen zusammen, fördert den Zusammenhalt, sorgt für gesundheitliches Wohlbefinden. Sport hat in vielen Bereichen eine wichtige Bedeutung, was die alljährlich ausgerufenen „Tage des Sportes“ wohl verdeutlichen. Einer davon ist der von der UNO kreierte „Internationale Tag des Sportes für Entwicklung und Frieden“, der heuer am 6. April zum 10. Mal begangen wird. Dieser macht laut UN auf die Bedeutung von Sport als Mittel für Bildung, Entwicklung und Toleranz aufmerksam.


„In den Bildungseinrichtungen für benachteiligte Kinder und Jugendliche unserer Don Bosco-ProjektpartnerInnen weltweit spielt Sport eine zentrale Rolle, fast überall findet sich ein Sportplatz, wo die Kinder spielen können“, erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Hilfsorganisation Jugend Eine Welt. Sport zur Motivation, als sinnvolle Freizeitbeschäftigung, als Begleiter auf dem Weg heraus aus tristen Lebensverhältnissen, das ist in der Entwicklungszusammenarbeit ein wichtiges Kriterium. Dies erkannte schon Don Bosco im Turin der 1840er-Jahre und setzte auf die förderliche Kombination von Spiel und Sport mit Schule, Ausbildung und Beziehung für die gute Entwicklung seiner dort betreuten Jugendlichen. Ein „sportliches Medium“, um gerade junge Menschen zu begeistern und zu motivieren, hat sich im Lauf der Jahre in vielen der von den Salesianern Don Boscos weltweit etablierten „Bildungshäusern“ besonders bewährt: der Ball, speziell der Fußball.


Amputierten-Fußballmannschaft in der Ukraine


Wozu dieser überall hilfreich eingesetzt werden kann, das zeigt ein ganz aktuelles Projekt der Don Bosco-Partner in ihrem Zentrum in Lviv in der Ukraine: hier dient das Fußballspiel als therapeutisches Mittel für Kriegsversehrte. „Wir trainieren zur Zeit gut 25 Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, denen jeweils ein Bein oder Arm amputiert wurde“, berichtet Pater Mykhaylo Chaban, SDB, jüngst bei einem Arbeitsbesuch in Wien. Jugend Eine Welt leistet seit Kriegsausbruch gemeinsam mit den Don Bosco-PartnerInnen humanitäre Hilfe für die Menschen in der Ukraine.


Die meisten der Fußballspieler im ersten ukrainischen Versehrten-Verein Pokrova waren zuvor Soldaten, ein paar sind als Zivilisten bei Raketenexplosionen verletzt worden. Die aus verschiedenen Regionen stammenden Männer wurden alle im „Unbroken“-Spital, dem nationalen Rehabilitatsionszentrum in Lviv, behandelt. Das von Jugend Eine Welt mitgeförderte Zentrum hat sich besonders auf die Anfertigung und Anpassung von Prothesen (robotische Prothetik) spezialisiert. Das Fußballtraining ist Teil ihres Rehabilitationsprogramm. „So können sie nicht nur die für ihr Leben so einschneidende Tragödie etwas vergessen, der Sport inspiriert sie, gibt ihnen Willenskraft zurück, lässt sie nicht verzweifeln und öffnet neue Lebensperspektiven“, erklärt Pater Mykhaylo, dem die Idee für dieses Projekt im Vorjahr in der Schweiz bei einem integrativen Turnier mit Fußballern, die Gliedmaßen verloren haben, in den Sinn gekommen ist. Kehren die Männer ihn ihre Heimatorte zurück, können sie dort vielleicht selbst einen Amputierten-Fußballverein gründen und andere dazu motivieren, mitzumachen. An drei weiteren Standorten in der Ukraine wurden, so Chaban, bereits solche Vereine gegründet.


Fußball ist im Don Bosco-Zentrum in Lviv seit langem fixer Bestandteil zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung benachteiligter Kinder und Jugendlicher, es gibt dort eine „Fußballschule“. Um Schülern das Training im Winter zu ermöglichen, hat Jugend Eine Welt nach der Fußball-EM 2014 in der Ukraine den Bau einer Sporthalle mitgefördert. Die nun, nachdem sich die Ukraine jüngst für die bevorstehende EM in Deutschland qualifiziert hat, wohl wieder sehr gefragt sein wird. Denn, so Pater Mykhaylo, soweit es die permanenten Raketenalarme zulassen, herrscht in der Region Lviv wieder fast reguläres Alltagsleben.


Fußball für Straßenkinder


„Mit Fußballspielen in Kontakt mit Straßenkindern kommen, das ist in den Don Bosco-Einrichtungen in Ecuador Kern des Projektes Golaso“, erzählt Reinhard Heiserer, der gerade von einer ausgiebigen Projektreise im südamerikanischen Land zurück gekehrt ist. Das spanische Wort GOLASO bedeutet so viel wie „Supertor“ und steht als Synonym für die überschwängliche Fußballbegeisterung der Menschen Südamerikas. Die Don Bosco-Fußballschulen stehen allen Kindern offen und bieten gerade den auf der Straße lebenden eine willkommene Abwechslung in ihrem oft tristen Alltag. Hier wird gemeinsam trainiert und gespielt (auch Mädchen!), das fördert den Teamgeist, die Kinder schöpfen wieder Vertrauen und viele nehmen die ihnen nebenbei angebotenen (Aus)Bildungsmöglichkeit an. Und bekommen so die Chance, ganz von der Straße wegzukommen und in die Gesellschaft zurückzukehren.

Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 | Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden

Quelle: OTS

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