vonRedaktion Salzburg
FEBRUAR 13, 2026
Foto: Land Salzburg/Neumayr/Leopold
Foto: Land Salzburg/Neumayr/Leopold
Wissenschaftliche und kulturelle Aufarbeitung der Ereignisse von 1525/26/ 2026 startet mit Tagung an der Universität Salzburg
(LK) Vor 500 Jahren ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Sturm durch Salzburg gezogen. Jedoch kein meteorologischer, sondern der Sturm der Bauern, Handwerker, Knechte und Bergknappen. Sie probten den Aufstand gegen die Obrigkeit. Ein halbes Jahrtausend später gedenkt das Land des Aufstands. Wissenschaftlich und kulturell wird die Zeit aufgearbeitet. Der Startschuss für 2026 ist eine hochkarätig besetzte Tagung an der Universität Salzburg, die die historischen Gründe des Bauernkriegs unter die Lupe nimmt.
Das Land Salzburg setzt sich wissenschaftlich und kulturell mit dem Bauernkrieg auseinander. Startschuss ist eine Tagung an der Universität Salzburg. Im Bild v.l.n.r.: Direktor Martin Hochleitner, Projektleiterin Doris Fuschlberger, Vizerektorin Michaela Rückl, LAbg. Josef Schöchl und Dekan Martin Knoll.
Das Leben der Salzburger Bevölkerung zu Beginn des 16. Jahrhunderts war geprägt von harter körperlicher Arbeit. Die Freiheits- und Mitbestimmungsrechte, die für uns heute selbstverständlich sind, gab es nicht. Mit harter Hand regierte die Obrigkeit, und vor allem Erzbischof Matthäus Lang sowie die von ihm ins Land gerufenen Truppen zeigten Brutalität bei der Niederschlagung des Aufstands. 2026 setzt das Land das 2025 gestartete Erinnerungsprojekt zu den Bauernkriegen fort. Die Zeit wird wissenschaftlich und kulturell aufgearbeitet und dabei auch regional beleuchtet. So widmen sich Kunst- und Ausstellungsprojekte im Kapuzinerturm in Radstadt, in der Burg Mauterndorf, im Schloss Ritzen in Saalfelden, im Vogtturm in Zell am See oder in den Museen in Kaprun und Tamsweg den Ereignissen vor 500 Jahren. Zusätzlich „tourt“ eine Wanderausstellung durch das Land.
Gutschi: „Wissenschaftliche Expertise.“
Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Daniela Gutschi sieht vor allem in der historischen Aufarbeitung der Bauernkriege eine große Chance. „Wir können so mehr über das Leben vor 500 Jahren erfahren. Welche Rolle spielte etwa die ländliche Gesellschaft beim Aufstand und welche die Reformation. Es geht hier um weit mehr als nur um historische Ereignisse oder Zeitpunkte. Die Fachtagung an der Universität Salzburg wirft mit großer wissenschaftlicher Expertise einen Blick in das Leben dieser Zeit und beleuchtet die Gründe und Motive der Kriege.“
Forschung zu Frauen und Rädelsführern
Martin Knoll, Dekan der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Salzburg, informiert: „Derzeit wird die Liste der Rädelsführer im Aufstand ausgewertet und so die handelnden Personen sichtbar gemacht. Das ist vor allem in puncto Sozialgeschichte spannend, weil man so einen Eindruck gewinnen kann, wie breit die gesellschaftliche Basis des Krieges war. Wolfgang Neuper vom Landesarchiv übernimmt diese verantwortungsvolle Aufgabe. Ebenfalls wissenschaftlich genauer untersucht wird derzeit die Spuren von Frauen im Aufstand. Dort, wo man sie namentlich identifizieren kann, werden die Biografien analysiert.“
Geschichte erleben
Das Salzburg Museum hat zum Thema Bauernkrieg die Ausstellung „Heroisch und verklärt“ mit einem vielfältigen Vermittlungsprogramm konzipiert. „Bis Ende Jänner haben bereits rund 1.000 Personen an Veranstaltungen, Museumsgesprächen oder speziellen Führungen teilgenommen. Viele Angebote wurden eigens für Schülerinnen und Schüler entwickelt. Und so haben sich auch schon viele Schulkassen mit dem Bauernkrieg in der Ausstellung beschäftigt. Dazu werden noch eigene Podcast-Folgen produziert“, berichtet Direktor Martin Hochleitner. „Heroisch und verklärt“ ist noch bis 27. April 2026 im Nordoratorium des DomQuartiers zu sehen.
Projekt mit vielen Perspektiven
Vonseiten des Landes leitet Doris Fuschlberger das Projekt Bauernkrieg. „Es wird ein wichtiges Kapitel der Salzburger und Europäischer Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Fragen der Teilhabe, Mitbestimmung und Gerechtigkeit haben bereits vor 500 Jahren die Menschen bewegt. Durch die breite Zusammenarbeit im Projekt mit der Universität Salzburg, der Erzdiözese, Museen, dem Landesarchiv, Stadtarchiv und weiteren Archiven, Burgen, Schulen, Gemeinden, zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Vereinen heben wir Synergien und setzen die zahlreichen Programmpunkte in den Bezirken und im digitalen Raum effizient um. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ihre Perspektiven einzubringen“, so Fuschlberger.
Zeitgenössische Kunst in Mauterndorf
Mauterndorf im Lungau setzt sich künstlerisch mit dem Thema Bauernkrieg auseinander. „Die Künstlerin Johanna Binder arbeitet in Kolumbien mit Landwirten zusammen. In einem Film porträtiert sie die Herausforderungen der Bauern im südamerikanischen Land und stellt so den Bezug zur Gegenwart her. Neben der Videoinstallation gestaltet sie zudem einen gesamten Raum“, informiert Kustodin Magdalena Stadler. Die Ausstellung ist vom 2. Mai bis Ende Oktober im Lungauer Landschaftsmuseum auf der Burg Mauterndorf zu sehen. Im Rahmen der Ausschreibung Simultan werden auch noch weitere zeitgenössische Kunstinitiativen umgesetzt, wie etwa jene von Barbara Holub im Vogtturm Zell am See oder Sonja Böhm im Kapuzinerturm in Radstadt.
Quelle: Land Salzburg