vonRedaktion Salzburg
FEBRUAR 21, 2026
Tirol
Tirol beklagt 4 Todesopfer im freien Gelände und 35 gemeldete Lawinenereignisse am gestrigen Freitag
In Tirol herrscht nach wie vor große Lawinengefahr: Seit dem 13. Februar vermeldete der Lawinenwarndienst Tirol mehr als 200 gemeldete Lawinenereignisse. Allein am gestrigen Freitag sind 35 Lawinenmeldungen eingegangen, 13 davon mit Personenbeteiligung. Für insgesamt vier Personen, die im freien Gelände unterwegs waren, kam jede Hilfe zu spät. Damit ist die Zahl der Lawinentoten im Februar auf elf gestiegen. Landeshauptmann Anton Mattle ist zutiefst erschüttert über die traurige Bilanz und wendet sich daher mahnend an die Bevölkerung und die Gäste in Tirol: „Tirol ist ein sicheres Land mit gut ausgebauten Pisten und einem engmaschigen Sicherheitsnetz. Dennoch verlangen unsere Berge nach Vorsicht und Eigenverantwortung! Die frischen Schneefälle locken zurzeit viele Menschen auf die Berge - auch abseits von gesicherten Pisten. Es ist schmerzlich, dass wir bereits mehrere Lawinenabgänge mit Verletzten und Toten verzeichnen müssen. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Verunglückten. In weiten Teilen Tirols gilt aktuell Lawinenwarnstufe 4 - eine gefährliche und nicht zu unterschätzende Situation. Bitte passen Sie auf, bleiben Sie auf gesicherten Pisten und Routen und planen Sie Ihre Schi- oder Bergtouren mit der notwendigen Vorsicht. Informieren Sie sich über die aktuelle Lawinensituation und verzichten Sie im Zweifelsfall auf Ihre Schitour. Genießen Sie den Winter in Tirol - aber achten Sie immer auf Ihre persönliche Sicherheit und gehen Sie kein unnötiges Risiko ein. Denken Sie bitte auch an die Sicherheit der Einsatzkräfte, die dann ausrücken müssen, wenn Sie in eine Notsituation geraten“, erinnert LH Mattle an die Folgen eines möglichen Sucheinsatzes. Für den Landeshauptmann hat die Sicherheit der Einsatzkräfte oberste Priorität.
Dieser Winter weist eine besondere Situation auf. Wegen der außergewöhnlich geringen Schneemengen im Dezember wurden viele Variantenbereiche kaum befahren. In der Folge haben sich gefährliche Schwachschichten in der Schneedecke gebildet, die die Gefahr im freien Gelände, selbst in unmittelbarer Nähe zu den Pisten, erhöhen.
Schneedecke äußerst störanfällig
Die Lawinengefahr ist derzeit in weiten Teilen Tirols mit Stufe 4 bewertet. Während der vergangenen Woche gab es in Tirol intensive. Am meisten Schnee fiel in Summe im Westen und Nordwesten Nordtirols mit verbreitet 100 bis 150 Zentimeter. In den übrigen Landesteilen waren es in Summe meist zwischen 30 und 70 Zentimeter. Gleichzeitig weht teils starker Wind aus wechselnden Richtungen. Dadurch entstehen umfangreiche Triebschneeansammlungen, die auf einer sehr schwachen Altschneedecke abgelagert werden. Diese Konstellation führt dazu, dass Lawinen sehr leicht ausgelöst werden können – auch große Lawinen sind möglich. Besonders während der intensiven Niederschläge ist mit spontanen Lawinenabgängen zu rechnen. Aber auch danach bleibt die Schneedecke äußerst störanfällig. Typische Gefahrenzeichen wie ‚Wumm‘-Geräusche und Rissbildungen sind klare Alarmsignale. Zudem sind Fernauslösungen verbreitet möglich. Das bedeutet, dass Lawinen auch aus sicher geglaubter Distanz ausgelöst werden können. Um nicht notwendige Sucheinsätze zu vermeiden, ist es wichtig, auch Negativlawinen zu melden. Das heißt: Wer Negativlawinen – also einen Lawinenabgang bei dem niemand zu Schaden kommt – beobachtet, sollte diese unbedingt unverzüglich der Leitstelle Tirol melden. Die Meldung von Negativlawinen ist telefonisch über den Notruf 144, den Alpinnotruf 140 oder über die SOS-EU-Alp-App möglich. Auch für Sonntag ist keine Entspannung in Sicht. Das Wetter bleibt turbulent: Der Lawinenwarndienst des Landes Tirol rechnet insbesondere mit dem Durchzug der Warmfront von heute auf morgen erneut mit erhöhter spontaner Lawinenaktivität. Lawinen können groß, vereinzelt auch sehr groß werden. Die Lawinensituation bleibt gefährlich.
„Ich möchte allen Lawinenkommissionen, Gemeinden, Einsatzorganisationen sowie dem Lawinenwarndienst des Landes Tirol, der Leitstelle Tirol und dem Landes-Warn- und Lagezentrum herzlich für ihren Einsatz danken. Sie sind unverzichtbar und der Garant dafür, dass Tirol auf ein Weltklasse-Sicherheitsnetz zurückgreifen kann“, so LH Mattle abschließend.
Quelle: Land Tirol