vonOTS
MAI 28, 2026
Foto: Landesberufsschule Graz 4
Der neue Lehrberuf „Fernwärmetechnik“ ist eine krisensichere, klimarelevante und zukunftsfitte Berufswahl. Energieversorger locken den beruflichen Nachwuchs zu dem Green Job mit attraktiver und abwechslungsreicher Arbeit sowie einem guten Verdienst.
Im neuen Berufsschuljahr wird die dreieinhalbjährige Lehrausbildung „Fernwärmetechnik“ als Lehrberuf in zwei Berufsschulen angeboten: In der Landesberufsschule Zistersdorf im niederösterreichischen Weinviertel und in der Landesberufsschule 4 in Graz. Interessierte für den Lehrberuf Fernwärmetechnik sollten „technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und mathematische Kenntnisse mitbringen“, sagt Gerhard Fida, stellvertretender Obmann des Fachverbands Gas Wärme.
Der neue Lehrberuf ist ausgesprochen vielseitig. Lehrlinge lernen Fernwärme- und Installationstechnik, Fernwärmeerzeugung und -verteilung sowie Service und Wartung. Ebenfalls Teil der Ausbildung sind Grundlagen der Montage und Inbetriebnahme von Fernwärmeanlagen, die Steuerung und Überwachung von Fernwärmenetzen, Fehlerbehebung und Störungsdienst. Technik sollten Berufsanwärter:innen mögen.
20 erste Schüler:innen
Aktuell werden zwei erste Klassen an den beiden Landesberufsschulen (LBS) Graz und Zistersdorf mit insgesamt 20 Jugendlichen geführt – elf in Graz, der Rest in Zistersdorf. Die Ausbildung ist dual: Das heißt, die praktische Ausbildung erfolgt im Betrieb, die theoretische in der Berufsschule. Die ersten Lehrlinge arbeiten unter anderem bei namhaften Betrieben wie Wiener Netze, EVN, Salzburg AG, Stadtwerken Klagenfurt oder der Energie Steiermark.
Der Green Job
Die durch Kriege ausgelöste Energiekrise und die von der Politik vorangetriebene Energiewende wirken derzeit wie ein Job-Motor. In ganz Österreich werden die Fernwärmenetze erweitert. „Wir brauchen einen neugierigen beruflichen Nachwuchs“, sagt Fida. Immer mehr Schul-Absolvent:innen entscheiden sich für einen Job in der als zukunftssicher geltenden Energiewirtschaft: Katalin Andrea Griessmaier-Farkas, stellvertretende Geschäftsführerin im Fachverband Gas Wärme: „Der Lehrberuf ist innerhalb der Europäischen Union noch einzigartig. Wir sind in Österreich die ersten, die diesen Beruf gemeinsam mit Unterstützung der Wirtschaft entwickelt und umgesetzt haben. Wir wollen mit dieser Berufsausbildung aber nicht nur Burschen, sondern vor allem auch Mädchen ansprechen. Denn die Energiewende ist nicht nur Männer, sondern auch Frauensache.“
Erstes Mädchen
Peter Bauer, Direktor der Landesberufsschule 4 in Graz, begrüßt, dass „auch eine erste Fernwärmetechnikerin ausgebildet wird“. Werner Seltenhammer, Direktor der LBS Zistersdorf, hat vorerst nur Burschen. Insgesamt sei die Vorbereitung auf den neuen Lehrberuf „herausfordernd gewesen“, sagen beide. „Denn wir haben hier Neuland betreten, den Lehrplan gemeinsam mit dem Ministerium entwickelt“, ergänzt Seltenhammer. Es seien viele Gespräche mit Betrieben aus ganz Österreich geführt worden. Für die Klassen, die aktuell unterrichtet werden, wurden neue Labore mit verschiedenen Übergabestationen errichtet, in Graz besteht die Möglichkeit Netze und Netzschwankungen zu simulieren. „Die Anstrengungen waren groß, um optimale Ausbildungsbedingungen zu schaffen und sicherzustellen, dass der Lehrberuf das abbildet, was die Praxis fordert“, sagen Bauer aus Graz und Seltenhammer aus Zistersdorf. Und Alfred Freunschlag, Geschäftsführer der EVN Wärme GmbH, ist stolz darauf, dass „die ersten fünf Lehrlinge in der EVN jetzt bald ins dritte Lehrjahr kommen“.
Green Jobs sind angesagt und auch nachgefragt. Und die Energiewende sorgt für steigenden Bedarf nach sauberen Energieformen wie der Nah- und Fernwärme und deren Ausbau. Für das alles braucht es bestens ausgebildete junge Frauen und Männer.
Attraktive Einstiegsgehälter
Im 1. Lehrjahr liegt die Lehrlingsentschädigung bei manchem Fernwärmeanbieter bei rund 1.050 Euro monatlich. Nach erfolgreichem Berufsabschluss können sich die Gehälter sehen lassen: Das Einstiegsgehalt fertig ausgebildeter Fachkräfte liegt laut Kollektivvertrag zwischen 2.880 und 3.180 Euro brutto. Mit zunehmender Berufserfahrung ist ein laufender weiterer Gehaltsanstieg auf derzeit bis zu 4.500 Euro brutto monatlich möglich.
Erneuerbare überwiegen
Heute wird Nah- und Fernwärme zu rund 64 Prozent aus erneuerbaren Energien und brennbaren Abfällen gewonnen. Schon jetzt wird die Hälfte der 100 größten Städte Österreichs mit Fernwärme aus erneuerbaren Energieträgern versorgt. Die thermische Reststoffverwertung bringt einen zusätzlichen Win-win-Effekt: Der Müll wird verbrannt und daraus entsteht Wärme für die Fernwärmeversorgung. Moderne Technologien wie Power-to-Heat, hocheffiziente KWK und Großwärmepumpen gehören in das Portfolio der Fernwärmeerzeuger. Damit spart die Fernwärme in Österreich jährlich Millionen Tonnen an CO2 ein, reduziert laufend die Abhängigkeit Österreichs von fossilen Energieträgern und trägt zur Verringerung der Feinstaubbelastung bei.
Mehr zum Lehrberuf: https://www.fernwaerme.at/lehrberuf-fernwaermetechnik und beim AMS: https://www.karrierekompass.at/berufe/5835-FernwaermetechnikerIn/
Weiters bietet die WKÖ Infos für interessierte Unternehmen mit einer Checkliste für die betriebliche Ausbildung unter https://www.wko.at/lehre/berufs-brancheninfo-fernwaermetechnik.
Über Fernwärme
Fernwärme ist die wohl bequemste Art zu heizen. Sie ist sicher und erprobt in der Anwendung, der Versorgung und vergleichsweise günstig. Die behagliche Fernwärme gelangt über das Fernwärmeleitungsnetz in die Wohnungen. Das Gute an Fernwärme: Heute werden in Österreich mit biogenen Brennstoffen (Brennholz, Pellets, Hackschnitzel, Sägenebenprodukte, Rinde, Bioethanol, etc), thermische Reststoffverwertung sowie Abwärmenutzung und Solarthermie überwiegend CO2-neutrale Primärenergieträger eingesetzt.
Quelle: OTS