LH Platter: „7,6 Millionen Euro, um Wirtschafts- und Arbeitsmarktstandort zu beleben“

vonRedaktion International
APRIL 29, 2021

Foto: Land Tirol/G.Berger

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2 Millionen Euro für Bereich Wirtschaft und 5,6 Millionen Euro für Bereich Arbeitsmarkt

LH Günther Platter, LHStvinIngrid Felipe, Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Arbeitslandesrätin Beate Palfrader stellten heute in der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung die Schwerpunkte eines Maßnahmenpakets vor, das den Wirtschafts- und Arbeitsmarktstandort Tirol im Rahmen der Konjunkturoffensiven 2020/2021 zusätzlich beleben soll. „Die Coronakrise betrifft unsere Wirtschaftsbereiche auf unterschiedliche Weise – es gibt Sorgenkinder wie den Tourismus, aber auch Branchen wie die Bauwirtschaft und Industrie, wo eine solide Lage feststellbar ist. Die durch Corona stark gestiegene Arbeitslosigkeit geht aktuell wieder zurück, was sehr erfreulich ist. Insgesamt weist sie aber noch ein hohes Niveau auf. Als Landesregierung sehen wir es als unseren Auftrag, den Wirtschaftsstandort Tirol weiter zu stärken und dafür zu sorgen, dass möglichst viele Menschen in unserem Land wieder in Beschäftigung kommen. Zur Überwindung der Corona-Auswirkungen auf Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt stellen wir 7,6 Millionen Euro bereit“, informiert LH Platter. Die Finanzierung der Sofortmaßnahmen erfolgt aus dem Gesamtvolumen der vom Tiroler Landtag genehmigten Konjunkturoffensiven 2020/2021.

„Die aktuelle Krise beeinträchtigt die Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Die Menschen und Unternehmen in unserem Land sollen jetzt unterstützt werden, um die Krise nachhaltig zu überwinden, wieder in Beschäftigung zu kommen und sich weiterzuentwickeln – denn wir wollen auch aus der Krise lernen und uns in manchen Bereichen neu erfinden. Das von der Landesregierung geschnürte Maßnahmenpaket soll Menschen wie Unternehmen fit für die Zukunft machen“, sagt LHStvin Ingrid Felipe.

Tiroler Internationalisierungsförderung wird erweitert

Die Tiroler Internationalisierungsförderung hat die Verbesserung der internationalen Ausrichtung von Tiroler Unternehmen zum Ziel und soll ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Gefördert werden dabei Projekte, die sich der Aufnahme internationaler Geschäftsbeziehungen und der Erschließung neuer Märkte widmen. Die Förderung wird nun auch auf kleine und mittlere Betriebe der Tourismusbranche ausgeweitet, auch Kosten im Bereich von digitalen Medien können künftig gefördert werden. Für die Tiroler Internationalisierungsförderung wird zusätzlich eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

„Bereits jetzt findet man die Tiroler Produkte auf der ganzen Welt. Tirol liegt mitten in Europa, ist Teil der weltweiten Wirtschaft und hier gilt es, noch besser zu werden und die Unternehmen noch mehr zu unterstützen. Mit der Ausweitung der Internationalisierungsförderung sollen insbesondere auch kleinere Familienbetriebe die Möglichkeit haben, sich breiter international aufzustellen“, so Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf.

Programm „Digital-Lotsen“ und GründerInnenpaket

Die Coronapandemie hat gezeigt, dass vor allem viele kleinstrukturierte Unternehmen noch einen Nachholbedarf bei der Digitalisierung haben – insbesondere in Sachen e-Commerce und online-Angebote. Als Ergänzung zur bereits bestehenden Initiative digital.tirol soll nun das Programm „Digital-Lotsen“ auf ganz Tirol ausgerollt werden – ein Pilotprojekt zur Stärkung von kleinen Handelsbetrieben wurde bereits 2020 in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Tirol und den vier Tiroler Stadt- bzw. Ortsmarketingeinrichtungen von Hall in Tirol, Imst, St. Johann und Kufstein erfolgreich gestartet. „Dabei kommen IT-ExpertInnen als ‚digitale Lotsen‘ auf Wunsch von Unternehmen in die Betriebe, um sie fachlich bei der Umsetzung von digitalen Maßnahmen zu beraten“, informiert die Wirtschaftslandesrätin. Das Programm wird von der Standortagentur Tirol in Zusammenarbeit mit den Stadt- bzw. Ortsmarketingeinrichtungen abgewickelt, dafür stehen Mittel in der Höhe von 500.000 Euro bereit. Bis zu 2.000 Geschäfte sollen im Rahmen des Programms beraten werden.

Derzeit werden in Tirol etwa 20 Startups pro Jahr gegründet. Startups werden vom Gründungszentrum startup.tirol begleitet. Für die weitaus größere Gruppe der über 100 innovativen Gründungen pro Jahr, die im Gegensatz zu Startups in etablierten Märkten, aber mit neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen gründen, gibt es bis dato noch keine speziellen Dienstleistungen und Beratungen. „Mit einem eigenen GründerInnen-Paket möchte das Land Tirol nun ein Begleitungsprogramm für diese innovativen Gründungen aufbauen und etablieren, um die Gründungszahlen weiter voranzutreiben und die langfristige Wertschöpfung am Standort abzusichern. Ein kleines Beispiel wäre ein Tischler, der bei seiner Meisterprüfung ein neues, modulares Stecksystem für Möbel erfindet und bei der Umsetzung seiner Erfindung und einer möglichen Unternehmensgründung jetzt weiter unterstützt wird“, informiert LRin Zoller-Frischauf. Für spezielle Trainings und Schulungen, ExpertInnen-Beratung und -Betreuung sowie Mentoring-Programme stehen 500.000 Euro bereit. Die Abwicklung erfolgt über die Standortagentur Tirol. Das Programm soll an das Gründungszentrum Start Up Tirol gekoppelt und gemeinsam mit regionalen Partnern wie der Wirtschaftskammer Tirol umgesetzt werden.

„Von klein bis groß, von GründerInnen über HändlerInnen, von Produktionsbetrieb bis hin zum Tourismus – für alle Branchen ist im heute vorgelegten Maßnahmenpaket für die Wirtschaft etwas dabei“, so Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf abschließend.

Pflegestiftung wird gestärkt, Insolvenzstiftung neu aufgestellt

Die Implacementstiftung Pflegestiftung Tirol, die gemeinsam durch das Land Tirol, das AMS Tirol sowie Tiroler Pflege-, Betreuungs- und Behinderteneinrichtungen finanziert wird, bietet seit 2002 arbeitslosen und arbeitsuchenden Personen die Chance, eine Ausbildung im Pflege- bzw. Sozialbetreuungsbereich zu absolvieren. Damit wird ein neuer Start ins Berufsleben eröffnet. Gleichzeitig werden Pflege- und Behinderteneinrichtungen dabei unterstützt, ihren Personalbedarf mit qualifizierten Kräften abzudecken. „Die StiftungsteilnehmerInnen sind derzeit vom neu eingeführten Bildungsbonus des Bundes in Höhe von 180 Euro ausgeschlossen. Der Ausbildungszuschuss beträgt im Rahmen der Pflegestiftung derzeit 60 Euro pro Monat. Durch die Erhöhung der Zuschussleistung auf 180 Euro pro Monat seitens des Landes soll dieses Ungleichgewicht ausgeglichen werden“, erklärt Arbeitslandesrätin Palfrader. Für die Erhöhung der Zuschussleistung werden rund 650.000 Euro bereitgestellt.

Covid-bedingt ist im Laufe des Jahres 2021 ein vermehrter Anstieg von Insolvenzen in Tirol zu erwarten – deshalb wird die bestehende Insolvenzstiftung neu aufgestellt. „Mit neuem Konzept und Finanzplan wird die Insolvenzstiftung als Instrument gegen die derzeitige Krise aufgesetzt. Für die Jahre 2021 und 2022 sind in Abstimmung mit dem AMS insgesamt 600 Stiftungsplätze vorgesehen, so sind wir gut vorbereitet“, so LRin Palfrader. Die Gesamtkosten für die Insolvenzstiftung Neu für die Jahre 2021 und 2022 wurden mit rund 6,3 Millionen Euro kalkuliert. Das Land Tirol finanziert davon etwas mehr als die Hälfte und stellt zu bereits bereitgestellten Mitteln weitere 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die restlichen Mittel werden vom AMS Tirol finanziert. „Die Insolvenzstiftung zielt auch weiterhin darauf ab, einen beruflichen und sozialen Abstieg von ArbeitnehmerInnen zu verhindern und Betroffene durch Qualifizierungsmaßnahmen bei der Wiedererlangung eines Arbeitsplatzes zu unterstützen“, fügt LRin Palfrader hinzu.

Begabtenförderung für Lehrlinge wird ausgeweitet

Um rund 140.000 Euro aufgestockt wird außerdem die Begabtenförderung für Lehrlinge, die als Leistungsanreiz während der Berufsausbildung im dualen System dient. „Sie wird auf Lehrlinge im 1. Lehrjahr ausgedehnt. Bislang war diese Förderung ab dem 2. Lehrjahr vorgesehen“, erklärt LRin Palfrader.

Arbeitsmarktstrategie 2030: Koordinationsarbeit der amg-tirol stärken

Die amg-tirol ist seit vielen Jahren das Bindeglied zwischen Arbeit und Wirtschaft. „Die amg-tirol ist eine zentrale Drehscheibe in der Arbeitsmarktförderung und spielt eine entscheidende Rolle, wenn wir wieder an das Vorkrisenniveau am Arbeitsmarkt anschließen wollen. Deshalb stärken wir die Koordinationsarbeit in der amg-tirol, die ein strategisch abgestimmtes Handeln aller relevanten arbeitsmarktpolitischen Akteure innerhalb des Landes sicherstellt“, so LRin Palfrader. Mit einer Arbeitsmarktstrategie Tirol 2030 wolle man künftige Kernthemen und mittelfristige strategische Ziele festgelegen. Als Handlungsfelder in Frage kommen Themenbereiche wie z.B. Frauen am Arbeitsmarkt, Aufbau von Beschäftigungsfähigkeit von sehr arbeitsmarktfernen Personen oder die Erhöhung des Qualifikationsniveaus von Personen mit Pflichtschulabschluss. Die Maßnahme soll über die amg-tirol abgewickelt werden, dafür stehen 250.000 Euro bereit.

Kampagne zu Maßnahmen der Arbeitsmarktförderung

„Wir müssen schauen, dass die Menschen einen möglichst niederschwelligen Zugang zu unseren Unterstützungsmaßnahmen erhalten“, betont Arbeitslandesrätin Palfrader. Um alle bestehenden und aufgrund der Krise neu geschaffenen Maßnahmen der Arbeitsmarktförderung in den Blickpunkt zu rücken und Personen rasch und adäquat zu beraten und zu unterstützen, wird deshalb eine eigene Kampagne gestartet. Dafür stehen weitere 150.000 Euro bereit.

Fact Box

Das Paket zur regionalen Abfederung der Corona-Auswirkungen auf Tirol mit einem Gesamtbetrag von 7,6 Millionen Euro umfasst folgende Sofortmaßnahmen für 2021:

Bereich Wirtschaft (2 Mio. Euro)

Bereich Arbeitsmarkt (5,6 Mio. Euro)

Kampagne zu kurzfristigem Maßnahmenpaket und bereits bestehenden Angeboten der Arbeitsmarktförderung: 150.000 Euro

Quelle: Land Tirol

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