Kunst Haus Wien: Neue Ausstellung „Nach uns die Sintflut“

vonRedaktion Salzburg
SEPTEMBER 15, 2020

Foto: Justin Brice Guariglia

Foto: Michael Goldgruber 2019

Das Kunst Haus Wien, ein Museum der Wien Holding, präsentiert von 16. September 2020 bis 14. Februar 2021 die neue Herbstausstellung „Nach uns die Sintflut“, die die weltweiten Auswirkungen der Klimakrise auf unser Ökosystem sichtbar macht.

Schwindende Gletscher, steigende Meeresspiegel und versteppte Landflächen zeigen, dass die massiven Klimaveränderungen längst mitten in unserer Gegenwart angekommen sind. „Nach uns die Sintflut“ vereint aktuelle fotografische und filmische Arbeiten von 21 internationalen KünstlerInnen aus den vergangenen zehn Jahren. Einige dieser – oft in jahrelanger Recherche und Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen produzierten – Werke zeigen die Auswirkungen unseres wachstumsorientierten Wirtschaftssystems auf. Sie beleuchten die gesellschaftspolitischen und sozialen Folgen der Klimakrise. Die Arbeiten zeigen die Schönheit der Natur aber auch bereits zerstörte Landstriche und Regionen.

Folgen der globalen Klimakrise

Der alpine Bereich ist von der Klimaerwärmung besonders betroffen, was sich in der dramatisch voranschreitenden Gletscherschmelze manifestiert. Exemplarisch dafür steht Axel Braun (D), der anhand von historischen Aufnahmen das erschreckende Schwinden der Pasterze dokumentiert. Michael Goldgruber (A) hat für die Ausstellung eine neue Arbeit produziert, die die Veränderung der hochalpinen Landschaft in den Ötztaler Alpen in Tirol zum Inhalt hat. Douglas Mandry (CH) hält in seiner Serie Monuments den Prozess des Verschwindens von Gletschereis auf weißer Folie, die zum Abdecken der Gletscher verwendet wird, in den Schweizer Alpen fest. Die aus den Niederlanden stammende Anouk Kruithof (NL) reiht in ihrer Videoarbeit Ice Cry Baby Aufnahmen einstürzender Gletscher aus aller Welt aneinander und unterlegt die Bilder mit dem Sound des brechenden und fließenden Eises.

21 internationale KünstlerInnen präsentieren ihre Arbeiten

Permafrost als Klimaindikator thematisiert Benedikt Partenheimer (D) in seiner Fotoserie Memories of the Future. Dabei mahnt er vor den fatalen globalen Folgen des drohenden Auftauens der gefrorenen Böden in Alaska.

Verena Dengler (A) präsentiert Fotografien und Aquarelle von ihrem Aufenthalt in Spitzbergen 2018: Stillgelegte Kohleminen und durch die Gletscherschmelze freigelegte Felslandschaften zeichnen ein aktuelles Bild der Einflüsse der Klimaerwärmung und brachliegender Kohleminen.

Der Fotograf Sarker Protick (BD) widmet sich der Erosion der Flussufer des Ganges in seinem Heimatland Bangladesch. Justin Brice Guariglia (USA) reflektiert mit seiner künstlerischen Arbeit das Anthropozän, die gegenwärtige geologische Epoche, in der menschliche Aktivitäten den dominierenden Einfluss auf Klima und Umwelt ausüben. Dafür arbeitet er etwa mit der NASA-Mission Oceans Melting Greenland zusammen, die herauszufinden versucht, wie groß der Einfluss der Erwärmung der Ozeane auf die grönländische Eisschmelze ist. Auf die Verantwortung des Menschen für sein Tun spielen Nicole Six & Paul Petritsch (A) in ihrer Videoarbeit Räumliche Maßnahmen (1) an, in der man eine Person beobachten kann, die mit einer Hacke auf die Eisoberfläche einschlägt, auf der sie steht. Am Ende der Ausstellung spielt Christina Seely (USA) in einer Zweikanal-Videoinstallation auf den weltweiten Zusammenhang der Ökosysteme an, indem sie Aufnahmen des panamaischen Regenwaldes dem Grönländischen Eisschild gegenüberstellt.

Der Ausstellungstitel „Nach uns die Sintflut“ ist dem ersten Band von Das Kapital (1867) von Karl Marx entnommen („Après moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“). Bereits vor 150 Jahren hat er die Eingriffe des Menschen in die Natur als faktische Umweltzerstörung erkannt und unsere Gleichgültigkeit darüber zum Ausdruck gebracht. Er kritisiert ein Verhalten, das nur auf den eigenen, kurzfristigen Profit bedacht ist und die systemischen Zusammenhänge sowie dramatischen Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem ignoriert. Das massive Eingreifen in die Natur im Streben nach immer weiterem Wachstum entzieht der Menschheit ihre Lebensgrundlage. Die drastischen weltweiten Auswirkungen der Klimakrise sind auch an der aktuellen Covid-19-Krise ablesbar.

Umfangreiches Begleitprogramm

Die Ausstellung steht programmatisch für die Anliegen und Schwerpunkte, die das Kunst Haus Wien als Grünes Museum verfolgt: Umwelt-, Natur- und Nachhaltigkeitsthemen und künstlerische Fotografie. Als Grünes Museum trägt das Kunst Haus Wien zur Bewusstseinsbildung bei und möchte zum Handeln anregen. Zur Ausstellung ist daher ein umfangreiches Begleitprogramm geplant: eine Diskussionsreihe in Kooperation mit Fridays for Future zu umweltrelevanten Themen sowie Reading Classes zu Karl Marx mit Lukas Egger von der Uni Wien.

Teilnehmende KünstlerInnen: Benoit Aquin, Ursula Biemann, Axel Braun, Solmaz Daryani, Verena Dengler, Michael Goldgruber, Justin Brice Guariglia, Stephan Huber, Genoveva Kriechbaum, Anouk Kruithof, Bénédicte Kurzen, Douglas Mandry, Benedikt Partenheimer, Sarker Protick, Gabriele Rothemann, Anastasia Samoylova, Christina Seely, Nicole Six & Paul Petritsch, Frank Thiel, Angela Tiatia.

Tipp: Das Kunst Haus Wien lädt Interessierte herzlich ein, die neue Ausstellung „Nach uns die Sintflut“ am Samstag, den 19. September und Sonntag, den 20. September 2020 von 10:00 bis 18:00 bei freiem Eintritt zu besuchen. Aufgrund der Covid-19-bedingten Situation gibt es dieses Mal keine große Eröffnungsfeier.

Quelle: Stadt Wien

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