vonOTS
NOVEMBER 01, 2026
Foto: kapo
Forschungsprojekt Ausgediente Holzfenster lassen sich mittels Pyrolyse zu hochwertiger Pyrolysekohle verarbeiten – holzschutzmittelfreie KAPO-Fenster liefern Pyrolysekohle.
Was passiert mit einem Holzfenster, das ausgedient hat? In Österreich ist die Antwort bisher eindeutig: Alte Fenster und Fensterstöcke müssen aufgrund ihrer angenommenen Belastung mit Holzschutzmitteln und Schwermetallen thermisch entsorgt werden, wodurch das im Holz gebundene CO? freigesetzt wird. Ein vom Fensterhersteller KAPO initiiertes Forschungsprojekt zeigt nun, dass alte Fenster mehr sein können als Abfall. Das Projekt wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Auf Initiative von KAPO beteiligten sich daran Holzforschung Austria und Next Generation Elements, ein Spezialist für Pyrolyseanlagen.
KAPO versteht sich dabei als ökologischer Vorreiter der Fensterbranche und treibt die Kreislaufwirtschaft im Fensterbau aktiv voran. Das steirische KMU beteiligt sich dafür auch an grundlegender Forschungs- und Entwicklungsarbeit zur Ökologisierung der Bauwirtschaft. Sichtbarer Ausdruck dieses Anspruchs ist auch der neue Produktionsstandort am Ökopark Hartberg, der als Brownfield-Projekt auf der Fläche einer ehemaligen Baurestmassendeponie errichtet wurde.
Alte Fenster und Fensterstöcke erhalten in Österreich die Abfallschlüsselnummer SN 17202 01 und müssen thermisch entsorgt werden. Grund dafür ist die angenommene Belastung mit Holzschutzmitteln und Schwermetallen. Eine höherwertige stoffliche Nutzung des Holzes ist damit bislang ausgeschlossen. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an.
Im Zentrum steht die Pyrolyse, ein thermisches Verfahren, bei dem unter Sauerstoffausschluss sogenannte Pyrolysekohle gewonnen wird. Diese kann vielfältig eingesetzt werden, vom Bausektor über Verbundwerkstoffe in der Automobilindustrie bis hin zur Elektronik. Je freier die Pyrolysekohle von Schadstoffen ist, desto umfangreicher sind ihre Einsatzmöglichkeiten.
Untersucht wurden ausgediente Fensterflügel sowie neue Referenzfenster. Das Ergebnis ist vielversprechend: Organische Verunreinigungen wie PCB und PAK wurden durch die Pyrolyse vollständig eliminiert. Als limitierende Faktoren erwiesen sich Blei und Zink, die häufig in historischen Farbanstrichen vorkommen. Durch einen vollständigen oder weitgehenden Abtrag der Beschichtung vor der Verwertung können diese Kontaminationen deutlich reduziert werden.
Besonders interessant ist das Ergebnis beim holzschutzmittelfreien Referenzfenster: Erreicht ein solches Fenster das Ende seiner Nutzungsdauer, ist eine hochwertige Verwertung ohne aufwendige Nachbehandlung möglich. Die daraus resultierende Pyrolysekohle entsprach in der Untersuchung einer der hochwertigsten EBC-Klassen für das Ausgangsmaterial Altholz.
Damit bestätigt das Forschungsprojekt einen Ansatz, den KAPO mit seiner ökologischen Produktentwicklung verfolgt: Echte Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst bei der Entsorgung eines Fensters, sondern bereits bei dessen Entwicklung und Materialauswahl. Holzschutzmittelfreie und metallarme Komponenten bilden die Grundlage für einen geschlossenen Materialkreislauf und ein potenziell CO?-neutrales Holzfenster-Kreislaufsystem.
Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für die Frage, wie Altholz aus Fenstern künftig bewertet und hochwertiger verwertet werden kann. Sie zeigen zugleich, dass bereits beim Design heutiger Fenster wesentliche Voraussetzungen für deren Wiederverwertung in einigen Jahrzehnten geschaffen werden.
Für KAPO ist das Forschungsprojekt damit ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft im Fensterbau. Gleichzeitig zeigt es, dass auch ein mittelständisches Unternehmen mit eigener Forschungs- und Entwicklungsarbeit wichtige Impulse für die Ökologisierung der Bauwirtschaft setzen kann.
Quelle: OTS