vonOTS
OKTOBER 28, 2026
Foto: Kufsteinerland/Johannes Scheffold
Einer der schönsten Plätze Österreichs 2026 liegt hoch über Kufstein. Warum sich ein Besuch lohnt und was Kaiser Maximilian, Wanda und 4.948 Orgel-Pfeifen miteinander zu tun haben.
Wer auf der Inntalautobahn Richtung Süden fährt oder mit dem Zug durch Kufstein reist, kennt ihren Anblick: Hoch über dem Inn thront die mächtige Festung, weithin sichtbar und unverwechselbar. Ein kurzer Blick aus dem Fenster – und schon geht die Reise weiter. Dabei lohnt sich ein Zwischenstopp. Denn hinter den alten Mauern steckt weit mehr, als die Silhouette vermuten lässt. Die Festung Kufstein zählt 2026 zu den neun schönsten Plätzen Österreichs, die im Rahmen der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ ausgezeichnet wurden. Ein guter Anlass, einen Ort zu entdecken, der nach langem Dornröschenschlaf heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tirols zählt.
Mehr als 800 Jahre Geschichte stecken in den Festungsmauern. Bereits 1205 erstmals urkundlich erwähnt, war die Anlage über Jahrhunderte ein umkämpfter Grenzposten zwischen Bayern und Tirol. Im 14. Jahrhundert wurde sie sogar zum Brautgeschenk für die Tiroler Herzogin Margarete „Maultasch“. Weniger romantisch ging es 1504 zu, als Kaiser Maximilian I. die Festung eroberte und anschließend zur mächtigen Wehranlage ausbauen ließ. Seit 1924 gehört sie der Stadt Kufstein – erworben im Tausch gegen mehrere Hektar Wald.
Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde die Festung aus ihrem langen Dornröschenschlaf geholt und umfassend revitalisiert. Heute erkunden jährlich rund 180.000 Menschen das 24.000 Quadratmeter große Areal. Ein Rundgang mit 21 Stationen führt durch historische Befestigungsanlagen, Ausstellungen und unterirdische Gänge bis zum rund 60 Meter tiefen Brunnen. Die Panoramabahn bringt Besucher bequem nach oben, wo sich der Blick über die Altstadt, den Inn und die umliegende Bergwelt öffnet.
Mit der mobilen Überdachung der Josefsburg begann ein neues Kapitel: Die historische Festungsarena wurde zur weitgehend wetterunabhängigen Bühne für bis zu 4.200 Konzertbesuchende. Heute reicht das Programm von Rock, Austropop und elektronischer Musik über große Musicalproduktionen bis zum mittelalterlichen Ritter-Fest. Auch Firmenveranstaltungen, Hochzeiten und besondere Feiern finden hinter den alten Mauern statt.
Einen ganz eigenen Klang hat die Festung ohnehin: Täglich um 12 Uhr erklingt die Heldenorgel mit ihren 4.948 Pfeifen. Die zweitgrößte Freiorgel der Welt wurde 1931 als Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet und erinnert heute an die Opfer von Krieg und Gewalt. Ihre Musik reicht weit über die Dächer Kufsteins hinaus – manchmal sogar bis zur bayerischen Grenze.
Nach dem Konzertsommer verwandelt sich die Festung in eine vorweihnachtliche Welt. Über 300 Tannen, handgebundene Kränze und Girlanden aus duftendem Tannengrün schmücken die Josefsburg und ihre historischen Kasematten. Laternen und echte Kerzen tauchen die alten Mauern in warmes Licht. Regionale Kunsthandwerker zeigen ihr Können, Kinder werkeln in der Weihnachtswerkstube, während Weisenbläser und Anklöpfler traditionelle Melodien erklingen lassen. Der Weihnachtszauber findet an allen vier Adventwochenenden statt.
Und unten wartet noch eine ganze Stadt: Kufsteins Altstadt mit ihren Gassen, Cafés und Geschäften, der Inn und die nahe Bergwelt des Kufsteinerlands. Vielleicht ist das die eigentliche Überraschung an diesem schönen Platz: Die Festung ist längst kein stilles Denkmal mehr, sondern ein lebendiger Ort voller Geschichte, Kultur und Begegnungen.
Wer das nächste Mal an Kufstein vorbeifährt, hat also einen guten Grund einfach mal anzuhalten.
Quelle: OTS