vonRedaktion Salzburg
MAI 03, 2026
Symbolbild
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Vorfall: 02.05.2026, 16:20 Uhr / 1070 Wien – Schottenfeldgasse
Den Ermittlern der "Rip-Deal Unit Vienna" des Landeskriminalamts Wien, Außenstelle Zentrum/Ost, Gruppe Goldnagl, ist ein erneuter Schlag gegen die internationale IT- und Kryptowährungskriminalität gelungen. In enger Zusammenarbeit mit einer deutschen Sonderermittlungsgruppe, EURO-POL und EUROJUST konnte nach intensiven Ermittlungen einer der Tat-verdächtigen im Zusammenhang mit einem sogenannten Rip-Deal 2.0 ausgeforscht werden. Die Festnahme des 37-Jährigen österreichischen Staatsbürgers erfolgte am 20.04.2026 durch Beamte der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) an dessen Wohnort in Niederösterreich. Im Zuge der durch das Landeskriminalamt Niederösterreich durchgeführten Hausdurchsuchung konnten diverse Beweismittel sichergestellt werden.
Im Jahr 2024 soll der 37-Jährige im Namen eines angeblich finanzstarken Investors ein Immobiliengeschäft mit einem deutschen Staatsangehörigen angebahnt haben. Im Zuge dessen soll er das Opfer davon überzeugt haben, eine Krypto-Wallet anzulegen und dort eine Vermittlungsprovision für das anstehende Geschäft zu hinterlegen. Zwischenzeitlich soll der Beschuldigte die Zugangsdaten ausgespäht, geändert und sich damit Zugang zu der Provision verschafft haben. Das Opfer wurde so um über 240.000 Euro geschädigt. Außerdem steht der Mann im dringenden Verdacht, über weitere Geschäftsanbahnungen versucht zu haben, Provisionen in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro zu erlangen.
Der 37-Jährige wurde wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betruges im Rahmen einer kriminellen Vereinigung und der Geldwäscherei angezeigt. Über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wurde er in einer Justizanstalt gebracht und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Phänomen Rip-Deal:
Diese Art von Betrug wird nahezu ausschließlich von erfahrenen Banden der Westbalkanregion ("Clans") angewandt, welche sich gegenüber den Opfern als reiche Geschäftsleute oder Investoren präsentieren. Es handelt sich um variantenreiche betrügerische Rechtsgeschäfte, bei denen zumeist vorgegeben wird, Luxusgüter wie Uhren oder Gold zu veräußern. Rahmengeschäfte mit den späteren Opfern dienen jedoch nur als Vor-wand um Vertrauen zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit zu untermauern. Die Täterschaft beabsichtigt meist alle Geschäfte im Ausland abzuwickeln, wo die Luxusgüter unbemerkt gegen wertlose Güter ausgetauscht werden. Auch beim Verkauf von Immobilien, Booten oder hochpreisigen Autos schlagen die Täter mittels angeblicher Vermittlungsprovisionen – vorwiegend in Kryptowährung – zu ("Rip-Deal 2.0"). Auf geleistete Provisionen der Opfer erfolgt keine Zahlung.
Empfehlung der Kriminalprävention:
- Stellen sie Nachforschungen über ihre Geschäftspartner an und lassen sie sich Referenzen und Ausweise der Käufer vorweisen – gerade bei Verkäufen von Luxusgütern!
- Reisen sie für den Verkauf eigener – vor allem luxuriöser – Gegen-stände oder Immobilien nicht ins Ausland!
- Seien Sie achtsam und werden Sie misstrauisch, wenn der potenzielle Käufer nicht über den Kaufpreis verhandeln will!
- Haben Sie den Verdacht eines Betruges? Hören sie auf ihr Bauchgefühl und wenden Sie an die nächste Polizeidienststelle oder sehen sie vom anstehenden Geschäft ab!
- Tätigen sie Geschäfte mit Kryptowährungen nur, wenn Sie sich gut auskennen!
- Setzen Sie niemals Krypto-Wallets im Beisein anderer oder während Videotelefonie auf!
- Seriöse Geschäftspartner verlangen keine bestimmten Krypto-Wallets!
- Erstatten sie nach Rip-Deals jedenfalls auch im Inland Anzeige und nicht nur im Ausland!
- Werfen Sie Falschgeld nicht weg, sondern bringen Sie dieses auf die nächste Polizeidienststelle!
Quelle: LPD Wien