vonOTS
OKTOBER 23, 2026
Foto: Kyle Klein
Man könnte die bekanntesten Highlights Bostons an einem langen Wochenende abhaken: einen Besuch in Harvard, ein Hummerbrötchen am Hafen und ein paar Stationen auf dem Freedom Trail. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich jedoch immer, um die Metropole zu jeder Jahreszeit von einer neuen Seite zu erleben und noch authentischer kennenzulernen. Denn die Hauptstadt von Massachusetts hat ein seltenes Talent: Kaum ist ein Event vorbei, folgt schon das nächste - ob im Winter, Frühling, Sommer oder Herbst.
Das Jahr beginnt hier mit einer Erfindung. Die First Night wurde 1976 von Bostoner Künstlern als Gegenentwurf zu den üblichen feuchtfröhlichen Silvesterpartys initiiert und fand so viel Anklang, dass Städte in aller Welt die Idee übernahmen. Statt um Sekt und Böller dreht sich alles um Kunst. Durch die Back Bay zieht eine bunte Parade, am Copley Square und im Boston Common schimmern Eisskulpturen im Laternenlicht. Familien erleben schon am frühen Abend ein Feuerwerk über dem Common, um Mitternacht folgt das große Feuerwerk über dem Hafen. Ruhiger wird es im Winter anschließend nicht. Das Boston Frostival verwandelt seit 2025 die kalten Monate mit Drohnenshows, einem Riesenrad und einer Winterlodge in eine Saison für sich. Und zum chinesischen Neujahr tanzen in Chinatown die Löwen.
Im Frühling färbt sich die Stadt zunächst grün, wenn zum St. Patrick's Day die große Parade durch South Boston zieht. Der Höhepunkt folgt am dritten Montag im April. Der Boston Marathon wird seit 1897 ausgetragen und ist der älteste jährlich stattfindende Marathon der Welt. Rund 30.000 Läuferinnen und Läufer starten im kleinen Hopkinton. Bei Wellesley feuern Studentinnen sie mit einem ohrenbetäubenden Jubeltunnel an, am berüchtigten Heartbreak Hill in Newton trennt sich die Spreu vom Weizen. Fast eine halbe Million Menschen säumen die Strecke. Weil der Patriots' Day in Massachusetts ein Feiertag ist, spielen die Red Sox schon vormittags im Fenway Park. Ihre Fans ziehen danach direkt zum Kenmore Square, um die Läufer auf dem Weg zur Boylston Street anzufeuern. Im Juni folgt mit Boston Pride ein Fest der Vielfalt in einem Bundesstaat, der 2004 als erster in den USA die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare einführte.
Im Sommer zieht es Boston ans Wasser. Rund um den 4. Juli erinnert das Harborfest an die Revolutionszeit, während die Boston Pops mit ihrem Konzert am Charles River für einen weiteren Höhepunkt sorgen. Die schönsten Sommerabende aber erlebt man im North End, Bostons Little Italy. Im Juli und August feiern die italienischen Gemeinden hier Wochenende für Wochenende ihre Schutzheiligen - eine Tradition, die Einwanderer aus Süditalien vor über hundert Jahren mitgebracht haben. Mächtige Heiligenstatuen werden stundenlang durch die engen Gassen getragen, Gläubige heften Dollarscheine an ihre Gewänder, Blaskapellen spielen, und an jeder Ecke locken Cannoli. Beim Fisherman's Feast schwebt ein als Engel gekleidetes Kind an Seilen über der Menge. Das St. Anthony's Feast Ende August, das seit 1919 gefeiert wird, ist das größte dieser Feste. Karibisch wird es im Juli beim Boston JerkFest in Allston, einem Food-Festival mit würzigem Grillfleisch und Reggae.
Wer glaubt, der Herbst bringe endlich Ruhe, irrt. Im September zeigt das Boston Film Festival Premieren und Independent-Filme. Doch der Oktober gehört dem Fluss. Seit 1965 treffen sich bei der Head of the Charles Regatta jedes Jahr mehr als 11.000 Ruderinnen und Ruderer, von Olympiateilnehmern bis zu Senioren-Achtern. Gestartet wird nicht gemeinsam, sondern im Abstand von Sekunden, und jedes Boot kämpft auf rund fünf Kilometern gegen die Uhr. Die kurvenreiche Strecke führt flussaufwärts unter mehreren Brücken hindurch, wo es oft eng wird. An den Ufern zwischen Boston und Cambridge breiten Zuschauer ihre Picknickdecken aus, die Brücken werden zu Tribünen, und über allem leuchtet das Laub in Rot und Gold. Ende Oktober wird es dann schaurig: Halloween schmückt Beacon Hill mit Kürbissen, und im nahen Salem wartet die berühmte Hexenstadt.
Im November bringen Lichter Farbe in die längeren Nächte: Das Diwali-Fest im Museum of Fine Arts begeistert mit eindrucksvollen Lichtinstallationen, während Boston Lights den Franklin Park Zoo zum Leuchten bringt. Auf zahlreichen Kunsthandwerkermärkten, etwa beim Boston Art & Craft Vendors Festival, werden handgefertigte Unikate angeboten. Anschließend stimmt sich die ganze Stadt mit festlicher Dekoration und dem Snowport, Bostons großem Weihnachtsmarkt, auf die schönste Zeit des Jahres ein. Vor allem die Newbury Street und der Copley Square laden zum Christmas Shopping ein. Und danach? Zählt Boston schon wieder die Tage bis zur nächsten First Night.
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Quelle: OTS