vonRedaktion International
FEBRUAR 20, 2026
Wien
Meilenstein beim Wiental-Kanal: 2.225 Meter Tunnel sind gebohrt, mehr als 11.000 Tunnelbausteine verbaut. Die Tunnelbohrmaschine „Krümel“ macht nun im Serviceschacht Schlossallee mit Blick auf das Schloss Schönbrunn kurz Halt — mit echtem Zahnarzt-Feeling für das Schneidrad: Das „Gebiss“ der Maschine wird gereinigt, Zähne werden erneuert, Schweißnähte geprüft. Danach ist „Krümel“ wieder fit für die nächsten Kilometer. Die guten Nachrichten für Anrainer*innen: Der Großteil der Arbeiten verläuft unterirdisch. Oberflächen-Einschränkungen sind begrenzt und werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Im laufenden Westvortrieb für den Wiental-Kanal, vom Gaudenzdorfer Gürtel nach Auhof wurde bereits ein Viertel der gesamten Röhre errichtet. 1.854 Tunnelringe wurden gesetzt und damit mehr als 11.000 einzelne Tunnelbausteine, sogenannte Tübbinge, versetzt – ein sichtbarer Fortschritt auf dem Weg zu den gesamten neun Kilometern Wiental-Kanal.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky: „Im Wiental entsteht das größte Kanalbauprojekt in der Geschichte von Wien Kanal. Mit dem neuen Wiental-Kanal schützen wir den Wienfluss vor Verunreinigungen. Bis 2028 werden alle bestehenden Kanäle der angrenzenden Bezirke an den neuen Wiental-Kanal angeschlossen sein und das Kanalnetz bei Starkregen entlasten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz und die Lebensqualität der Wiener*innen.“
Die Ausführung erfolgte trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen: wechselnde Geologie, beengte Platzverhältnisse an der Oberfläche und zahlreiche unterirdische Leitungs- und Bauwerksquerungen. Czernohorszky: „Tunnelbau in der Stadt ist für alle Beteiligten, von der Planung bis zum Bau, eine enorme Aufgabe. Der Bau dieses ersten Abschnitts war eine echte Herausforderung, aber das Team hat sie mit Präzision und technischer Expertise gemeistert. Dieser Erfolg gibt Rückenwind für die nächsten Kilometer.“
Bevor es Richtung Westen weitergeht, muss Tunnelbohrer „Krümel“ zum Zahnarzt. Der Termin findet in einem 22 Meter tiefen Serviceschacht mit einer Länge von 13 Meter und einer Breite von 7 Meter statt. Zähne werden gereinigt, kontrolliert und erforderlichenfalls erneuert. Schweißnähte werden geprüft und bei Bedarf nachgeschweißt. Der Aufenthalt im Schacht wird dauert nur wenige Tage. Dann setzt „Krümel“ die Fahrt im 14. Bezirk fort und beendet damit den Vortrieb im 15. Bezirk.
Bezirksvorsteherin und Tunnelpatin Michaela Schüchner (Penzing): „Der Wiental-Kanal ist von zentraler Bedeutung für Penzing und alle angrenzenden Bezirke. Als Tunnelpatin und Bezirksvorsteherin freue ich mich doppelt, dass die Bauarbeiten bislang gut vorangegangen sind. Ich wünsche allen Beteiligten, dass auch die kommenden Kilometer bis Auhof gut gemeistert werden.“
Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht,15. Bezirk: „Ich bin froh, dass sich Krümel trotz hartem Boden in unserem Bezirk nicht die Zähne ausgebissen hat. Der Wiental-Kanal ist für uns sehr wichtig und bedeutet vor allem eines: weniger Belastung oben, dafür mehr Sicherheit unten. Dem gesamten Team gilt mein Dank zum erfolgreichen Bauabschnitt in unserem Bezirk.“
Während die Tunnelbohrmaschine vor Schönbrunn ein Service erhält, ist das Bohrteam schon mit dem nächsten Abschnitt beschäftigt. Von der Schlossallee bis zur Kennedybrücke wartet die nächste Herausforderung. Dort verläuft die Bohrung in etwa 13 Metern Tiefe; zwischen Philippsgasse und Gyrowetzgasse allerdings nur mit 3 Meter seitlichem Abstand zu den Häusern. „Die geringen Abstände zu den Häusern erfordern eine penible Vorbereitung“, erklärt Andreas Ilmer, Direktor von Wien Kanal. „Alle betroffenen Gebäude werden im Vorfeld sorgfältig begutachtet. Sachverständige begehen Gebäude und Außenanlagen, fotografieren, vermessen Risse und bringen Vermessungspunkte an, die während der Arbeiten überwacht werden. Zusätzlich wurden entlang der 800-Meter-Strecke zu den bestehenden zehn Bodenproben zwei weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Grundwasserstände werden an zwei Messstellen permanent überwacht; genauso wie die Gleise der Straßenbahnlinien 10 und 60,“ so Ilmer weiter.
Vor Beginn der Vortriebsarbeiten werden lokale Versorgungsleitungen geprüft, bei Bedarf geschützt oder umgelegt. Die enge Koordination aller Dienststellen, umfangreiche geotechnische Messungen und ein detaillierter Sicherungsplan gehören zum Standard-Verfahren, um den Boden stabil zu halten.
Um die Belastbarkeit des Bodens zu untersuchen, wurden entlang der Strecke 110 Probebohrungen und 45 Rammsondierungen in bis zu 35 Meter Tiefe durchgeführt. Das geförderte Erdreich wurde von erfahrenen Sachverständigen geologisch und chemisch untersucht um einen Überblick über den Zustand, die Kompaktheit und Steifigkeit des Bodens zu erhalten. Die Ergebnisse ergänzen das Wissen aus dem Baugrundkataster der Stadt Wien, in dem die Ergebnisse von rund 65.000 Probebohrungen von verschiedensten Projekten seit Jahrzehnten dokumentiert sind. All diese Informationen dienen der Entscheidung, wie die Tunnelbohrmaschine gesteuert wird.
„Wir gehen mit bestmöglicher Vorbereitung und dem nötigen Respekt ans Werk. Aufgrund der eingesetzten Maschinentechnik und der bisherigen Erfahrungen erwarten wir keine unlösbaren Probleme“, beschreibt Ilmer die Situation zusammenfassend.
Gaudenzdorfer Gürtel (Nähe U4 Margaretengürtel): Modelle, Visualisierungen und laufende Updates zum Projekt. Infos unter: https://ueberunten.wien
Info-Telefon: +43 664 158 48 69
E-Mail: info@wkn.wien.gv.at
Wien Kanal betreibt Österreichs größtes Kanalnetz mit mehr als 2.500 km Leitungen. Täglich werden rund eine halbe Milliarde Liter Abwasser sicher und umweltgerecht zur Kläranlage transportiert. Der Vollausbau des Wiental-Kanals verlängert die bestehende Röhre von der Urania bis zum Ernst-Arnold-Park um rund neun Kilometer, verbessert die Wasserqualität des Wienflusses und erhöht die Betriebssicherheit des Kanalnetzes bei Starkregen.
Quelle: Stadt Wien