Wien: Stadt Wien präsentiert Konsensuspapier zu psychosozialen Aspekten bei der Assistierten Reproduktion

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Wien

29 Mai 09:00 2021 von Redaktion Salzburg Print This Article

Wiener Programm für Frauengesundheit erstellte mit Expert*innen-Beirat Empfehlungen – Hacker: „Frauen und Paare umfassend betreuen“

Für viele Paare gehört ein eigenes Kind zur Lebensplanung und der Leidensdruck, wenn es mit dem Wunschkind nicht klappt, ist oft sehr hoch. Fortpflanzungsmedizinische Angebote sind für diese Paare oft die letzte Hoffnung ein eigenes Kind zu bekommen. Dabei liegt der Fokus auf der Schwangerschaft, die physischen und psychischen Herausforderungen werden oft nur unzureichend oder gar nicht bedacht. „Die Entscheidung zu einer Künstlichen Befruchtung ist von enormer individueller und gesellschaftspolitischer Tragweite und mit besonderen Herausforderungen, aber auch Risiken in der psychischen Verarbeitung verbunden. Das klare gesundheits- und frauenpolitische Anliegen ist, diese Frauen und Paare ganzheitlich und umfassend zu betreuen“, sagt der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. „Es ist jedoch auch wichtig, Expertinnen und Experten, die in diesem Feld tätig sind, Empfehlungen und Handlungsanleitungen zu geben, wie sie das auch umsetzen können. Das ist der Auftrag dieses Konsensuspapiers", so Hacker.

„Die Fragestellungen und Verarbeitungsprozesse, die sich für die werdenden Eltern, insbesondere für die werdenden Mütter stellen, sind für Eltern und Kind äußerst komplex und bedeutend. Deshalb müssen die psychosozialen Aspekte auch in allen Behandlungsschritten mitgedacht und betreut werden. Als Wiener Programm für Frauengesundheit war es uns ein Anliegen, die psychosozialen Aspekte in der Reproduktionsmedizin ins Blickfeld zu holen. Daher haben wir in einem ersten Schritt eine Broschüre entwickelt, die sich an Kinderwunschpaare richtet. Mit der Erstellung dieses interdisziplinären Konsensuspapieres haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein dazu gesetzt“, so die Leiterin Mag.a Kristina Hametner.

Das Konsensuspapier wurde mit namhaften Expertinnen und Experten sowie Fachgesellschaften entwickelt. „Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt für viele betroffene Paare einen großen psychologischen Stress dar. Um in diesem sensiblen Bereich eine hohe Behandlungsqualität für betroffene Paare zu gewährleisten, war es mir wichtig diesen Leitfaden gemeinsam mit anderen Experten zu erarbeiten. Das Konsensuspapier bietet Frauenärztinnen und Frauenärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten einen Leitfaden, worauf in der Betreuung von Kinderwunschpaaren besonders zu achten ist und wie sie diese optimal durch diese oft schwierige Zeit begleiten können“, so Univ. Doz. DDr. Michael Feichtinger.

Feichtinger arbeitet in seiner Kinderwunschklinik mit dem Gründer des Instituts für Psychosomatik der Sterilität und Reproduktionsmedizin, Univ. Doz. Dr. Peter Kemeter, zusammen. Für diesen ist „der unerfüllte Kinderwunsch seit jeher eine psychosoziale Belastung für Betroffene. Da ich in meiner Tätigkeit oft den enormen Leidensdruck spürte, unter dem Betroffene standen, wurde häufig eine Psychotherapeutin zugezogen und so lernte ich, dass viele Betroffene unter Gefühlen von Scham, Schuld, Neid, Ohnmacht, Angst, etc., leiden und deshalb auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Bei Verlaufskontrollen dieser Therapien konnten wir dann sehen, wie sich endokrinologische Befunde besserten, sich also z.B. der Menstruationszyklus normalisierte.“, so Kemeter. Gemeinsam mit der Psychotherapeutin Jutta Fiegl, die jetzt Vizedirektorin der Sigmund Freud Privat Universität in Wien ist, führte er die Beratung der Kinderwunschpaare durch, wobei relevante diagnostische und therapeutische und mögliche psychosozialen Probleme besprochen wurden.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, dieses Konsensuspapier mit einem interdisziplinären Fachbereich zu entwickeln, sagt Jutta Fiegl, die ebenfalls daran mitgearbeitet hat. „Unerfüllter Kinderwunsch ist eine Lebenssituation, die Paare sehr belasten kann. Auswirkungen auf die Paarbeziehung sind nahezu unumgänglich: Spannung, Hoffen, andere Lebensbereiche vernachlässigen, Verlust der Spontanität der Sexualität. Wichtig ist daher, dass Mediziner*innen Paare unterstützen und begleiten, besonders wenn es sich um Assistierte Reproduktion handelt. Hier geht es über medizinische Information hinaus, es gilt bereit zu sein, sich mit den Ängsten, Paarkonflikten, die sich aus der Situation ergeben, den individuellen Bedürfnissen der Paare auseinanderzusetzen und für Gespräche zur Verfügung zu stehen und über Möglichkeiten aber auch Grenzen der Reproduktionsmedizin zu sprechen“, so Fiegl. Für Univ. Professorin DDrin Barbara Maier, Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe und Abteilungsvorständin der Gynäkologisch-Geburtshilflichen Abteilung in der Klinik Ottakring, ist „die ganzheitliche Begleitung von Kinderwunschpaaren bei reproduktionsmedizinischen Interventionen wesentlich für den Erhalt der psychischen Gesundheit von Frauen und Männern mit Kinderwunsch sowie auch deren Vorbereitung auf ihre Elternschaft.“

„Das Konsensuspapier ist eine gute Handlungsanleitung und gibt Empfehlungen zur Umsetzung. Dass namhafte Expertinnen und Experten sowie Fachgesellschaften daran mitgearbeitet haben, zeigt die Bereitschaft, sich diesem Thema zu öffnen und die Wichtigkeit zu erkennen. Dafür danken wir allen Beteiligten. Mit diesem Konsensuspapier ist uns nicht nur für Wien, sondern auch auf österreichischer Ebene ein wichtiger Meilenstein gelungen“, so Hacker und Hametner abschließend.

Die Broschüre kann unter https://tinyurl.com/ydxw7ued heruntergeladen werden.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit beteiligt sich am heuer erstmals organisierten FrauenGesundheitsMonat Mai. Frauen aus ganz Österreich können in diesem Monat an einer Vielzahl von Online-Veranstaltungen teilnehmen - darunter Workshops, Vorlesungen, Radiobeiträge, Videos und Beratungen zu einer großen Bandbreite an Themen.

Weitere Infos zum FrauenGesundheitsMonat Mai:

https://tinyurl.com/4f34xd66


Quelle: Stadt Wien



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